Jungfrau-Marathon 2010

Christoph Horisberger: Ein Gewinner berichtet

Der Gewinner des Mizuno-Gewinnspiels beim Jungfrau-Marathon berichtet von seinen Erfahrungen bei dieser Herausforderung.

Jungfrau-Marathon

Der Jungfrau-Marathon findet vor atemberaubender Kulisse statt.

Bild: privat

Nachdem ich dieses Jahr an ersten kürzeren Wettkämpfen teilgenommen hatte, fragte mich mein Onkel, ob ich eigentlich nicht einmal am Jungfrau-Marathon teilnehmen wolle. Letztes Jahr sah ich im Fernsehen den Bericht zum Jungfrau-Marathon 2009 mit einer Mischung aus Unverständnis, wie man sich so etwas freiwillig antun kann und Respekt vor jedem, der sich das eben freiwillig antut. Ich hätte mir eine solche Leistung jedenfalls nie zugetraut, ging aber aus reinem Interesse einmal auf die Homepage des Jungfrau-Marathons. Mit gewisser Erleichterung nahm ich zur Kenntnis, dass der Jungfrau-Marathon 2010 bereits ausgebucht war und so konnte ich meinem Onkel mit gespielter Enttäuschung erklären, dass ich ja hätte teilnehmen wollen, aber leider leider gebe es keine Startplätze mehr.

Zur Untermauerung meines „echten“ guten Willens nahm ich sogar am Gewinnspiel von Mizuno auf der Homepage von RUNNER’S WORLD teil, bei dem zwei Startplätze für den Jungfrau-Marathon verlost wurden. Am 12. August erfuhr ich dann, dass ich zwei Startplätze, Laufausrüstung von Mizuno sowie 2 Übernachtungen im Hotel Royal St. Georges in Interlaken gewonnen hatte.

Die beiden Gewinner des Mizuno-Jungfrau-Marathon-Gewinnspiels.

Bild: privat

Na prima, ich jogge zwar durchschnittlich etwa einmal pro Woche und fahre Rennrad, aber Marathondistanzen bin ich noch nie gelaufen und die Höhendifferenz von 1829 Meter sind mir auch geschätzte 1800 Meter zu viel.

Aber ich nahm die Herausforderung an und freute mich riesig über den Gewinn. Den zweiten Startplatz überliess ich Daniela, einer Freundin, die sogleich auch von Mizuno ausgerüstet wurde und den Jungfrau-Marathon schon mehrfach gelaufen ist. Ich versuchte, die verbleibende Zeit so optimal wie es eben ging für Training und Regeneration zu nutzen und Daniela versorgte mich mit Tipps. In der letzten Woche verzichtete ich sogar auf Pommes (und schreckte nicht einmal vor Tofu zurück!).

Am 10. September fuhr ich nach Interlaken und wurde dort auch bereits von Andreas von Mizuno Deutschland in Empfang genommen. Im Startgelände waren die Siegerehrungen der Wettkämpfe des Tages im Gange und ein Kribbeln breitete sich über die Fusssohlen im ganzen Körper aus. Dieser Atmosphäre kann man sich nur schwer entziehen und so konnte ich den Start am Samstag Morgen kaum erwarten, obwohl mein Respekt vor dieser Strecke gleichzeitig riesig gross war. Ich hatte keine Ahnung, wie mein Körper auf die lange Belastung reagieren würde.

Am 11. September 2010 fiel um 9 Uhr dann der Startschuss bei perfekten Bedingungen. Der Aufstieg von Lauterbrunnen nach Wengen (489 Höhenmeter) war der erste Härtetest, nachdem die erste Streckenhälfte praktisch flach war. Als wir uns hintereinander wie die Lemminge den Naturweg hochkämpften, stellte ein anderer Läufer die Frage, ob denn nicht wenigstens jemand einen Witz erzählen könne. Die Frage blieb unbeantwortet am Berghang stehen und ich selber fragte mich, ob es denn nicht schon Witz genug sei, sich den Berg zu Fuß hinaufzubemühen, wenn gleich neben der Strecke auch eine Bahn fährt. In Wengen wurde ich – nebst zahlreichen Zuschauern – auch von meinem bereits erwähnten Onkel, der mich bei meinem ersten Marathon natürlich nicht im Stich liess (ich bin versucht zu sagen, dass er mir das Ganze schließlich eingebrockt hat) und meiner Tante mit motivierenden Worten, Wasser und Cola empfangen.

Mizuno Gewinner

Bild: privat

Christoph Horisberger beim Schweizer Kerzerslauf.

Nach Wengen folgten die weiteren Steigungen bis auf 2205 m, wobei ich nun endgültig noch von ganz anderem empfangen wurde: von Krämpfen in den Oberschenkeln. Diese plagten mich von Kilometer 25 bis 35 und ich versuchte, diese am Streckenrand irgendwie wegzumassieren. Nach dem letzten Aufstieg ging es mir körperlich wieder einigermaßen gut, ich konnte dann auch wieder rennen, noch ein paar andere Läufer überholen und erreichte das Ziel in einer Zeit von 4 Stunden und 58 Minuten. Ich hatte meinen ersten Marathon ins Ziel gebracht.

Die Anstrengung, die Krämpfe und Verhärtungen in den Beinen waren auf einen Schlag vergessen. Die Berg- und Gletscherkulisse, die einem auf der Strecke und auch im Ziel erwartet, ist atemberaubend, die Anfeuerungen der Zuschauer, die Bands, Alphornbläser, Fahnenschwinger und natürlich der legendäre Dudelsackspieler verbreiten eine einzigartige Stimmung und die Atmosphäre beim Lauf ist beflügelnd. Dieser Marathon war mein bisher eindrücklichstes Lauferlebnis. Das ist bei erst drei absolvierten Läufen zwar nicht weiter schwierig, aber ich bin sicher, dass – egal wie viele Läufe noch folgen - mir dieser für immer in ganz spezieller Erinnerung bleiben wird.

Beim Hochjoggen fragte ich mich, ob ich mir dies wohl jemals wieder antun würde, oder ob dies ein einmaliges Erlebnis bleiben würde. Aber bereits kurz nach dem Zieleinlauf und einer warmen Dusche auf der kleinen Scheidegg wusste ich, dass ich mich im nächsten Jahr wieder anmelden werde. Ich freue mich jetzt schon darauf!


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