LA-Europameisterschaften

Carsten Schlangens größter Triumph

Carsten Schlangen fast wie Dieter Baumann: In Barcelona stürmt er zur Medaille über 1.500 m.

Carsten Schlangen in Barcelona.

Carsten Schlangen lief zum größten Triumph seiner Karriere.

Bild: photorun.net

Im vergangenen Jahr hatte er überlegt, seine Karriere zu beenden, jetzt wurde Carsten Schlangen Vize-Europameister über 1.500 m. Der 29-jährige Mittelstreckenläufer der LG Nord Berlin, der aus Meppen stammt, sorgte mit seinem Lauf zur Silbermedaille in 3:42,74 Minuten für eine jener Überraschungen, wie sie bei Europameisterschaften immer wieder möglich sind. Carsten Schlangen lief am Freitagabend das Rennen seines Lebens und zeigte wie Jan Fitschen (TV Wattenscheid), der vor vier Jahren sensationell 10.000-m-Europameister wurde, dass auch deutsche Läufer auf kontinentaler Ebene Erfolg haben können.

20 Jahre ist es her, als zuletzt ein deutscher Läufer über 1.500 m eine Medaille bei einer Europameisterschaft gewann. Der Potsdamer Jens-Peter Herold wurde 1990 in Split im Trikot der DDR Europameister. Zwei Jahre zuvor hatte er bei Olympia Bronze über diese Distanz gewonnen. 1991 sorgte sein nationaler Konkurrent Hauke Fuhlbrügge bei der WM für eine Überraschung, als er vor Herold Dritter wurde. Seitdem gab es nichts mehr zu gewinnen für die deutschen 1.500-m-Läufer.

Im Olympiastadion von Barcelona passte nun am Freitagabend alles perfekt zusammen für Carsten Schlangen – das Tempo, seine Position, das Timing und genügend Platz im Spurt. In jenem Stadion, in dem Dieter Baumann 1992 sensationell zum Olympiagold gestürmt war, zeigte Carsten Schlangen einen Lauf, der ein wenig an den von Baumann erinnerte. Bemerkenswert ist auch, dass er in seinem ersten großen Finale gleich eine Medaille gewann. 2006 startete der Architekturstudent erstmals bei der EM, dann folgten Teilnahmen bei Olympia und bei der WM. Doch entweder im Vor- oder im Halbfinallauf war bisher jeweils Schluss.

In Barcelona war das ganz anders. Schon nach dem Vorlauf am Mittwoch, in dem er sich souverän als Dritter für das Finale qualifizierte, hatte sich Carsten Schlangen etwas ausgerechnet. „Ich dachte mir, sechs Läufer können hier die Medaillen gewinnen, und ich habe mich dazu gezählt. Einige sind eigentlich stärker, aber ich wusste, dass ich eine Chance habe“, erzählte der Berliner. „Ich war sehr konzentriert, allerdings während des Tages auch sehr aufgeregt. Doch als ich zwei Stunden vor dem Finale in den Bus zum Stadion gestiegen bin, lief fortan alles wie im Film.“ Beim Aufwärmen sah er die spanischen Favoriten, die dem enormen Erwartungsdruck des heimischen Publikums ins Rennen gingen. „Ich habe gesehen, dass sie nervös waren und das hat mich irgendwie ruhiger gemacht. Beim Einlaufen habe ich gemerkt, es geht heute 1A für mich.“

Es war dann das taktische Rennen, das sich meistens bei Meisterschaften entwickelt. Der Berliner lag durchweg in einer guten Position zwischen Rang drei und fünf und das langsame Tempo kam ihm entgegen, so dass er seine Spurtstärke ausspielen konnte. „Ich habe immer auf die anderen geachtet, vor allen auf die Spanier und die Briten. Dann habe ich gemerkt, dass ich mit ihnen mithalten kann. Und ich habe immer an meine Chance geglaubt – das war entscheidend, denn 100 Meter vor dem Ziel sah es nicht nach einer Medaille aus. Doch auf den letzten 50 sah ich plötzlich eine Chance und habe nur noch alles gegeben.“ Als Vierter war er auf die Zielgerade gekommen, dann überholte er den Briten Andy Baddeley und den spanischen Routinier Reyes Estévez und konnte den Angriff des am Ende drittplatzierten Spaniers Manuel Olmedo gerade noch abwehren. Nur den souveränen Spurtsieger Arturo Casado (Spanien/3:42,74 Minuten) konnte Carsten Schlangen nicht erreichen. Der Berliner verhinderte damit einen spanischen Dreifach-Triumph.

Vor einem Jahr war Carsten Schlangen bei der WM im heimischen Olympiastadion noch im Vorlauf ausgeschieden. Eine Knochenhautentzündung hatte ihn gestoppt. In der Folge weiterer Probleme überlegte er dann sogar seine Karriere zu beenden. Doch dann setzte er sich mit seinem Trainer Roland Wolff zusammen – der Coach hatte bereits in den 80er Jahren Holger Böttcher zur Deutschen Meisterschaft über 800 m geführt – und entschied sich weiterzumachen. „Mit einem Vorlauf-Aus bei der WM wollte ich meine Karriere dann doch nicht beenden.“

Viel Skilanglauf stand im Winter bei einem langfristigen, behutsamen Aufbautraining auf seinem Programm. Und im Gegensatz zu praktisch allen Läufern, die aufgrund des vielen Schnees im Winter 2010 fast verzweifelten, freute sich Carsten Schlangen, dass er in seinem lokalen Park länger auf Skiern trainieren konnte als gedacht. Um Verletzungen vorzubeugen trainierte Carsten Schlangen auch in der direkten Vorbereitung auf die EM-Saison häufig im Park. „Ich habe viele Steigerungsläufe und Sprints auf Rasen gemacht und habe dadurch meine Sprintfähigkeit verbessert – das hat mir heute geholfen“, erzählte Carsten Schlangen, der glaubt, dass ihm auch das Studium einen gewissen Rückhalt für den Sport gibt. Parallel zur Vorbereitung auf die EM schrieb der Berliner an seiner Diplomarbeit. Nachdem er den Abgabetermin bereits mehrmals verschoben hat, soll die Arbeit nun am 1. September fertig sein.

Ein Karriereende ist nach dieser Saison für Carsten Schlangen kein Thema. Er plant jetzt zunächst bis zu den Olympischen Spielen 2012 in London. Und bis dahin will er auch noch seine Bestzeit von 3:34,60 Minuten unterbieten. „Ich denke, dass 3:32 Minuten möglich sind“, sagte Carsten Schlangen, der damit in Bereiche vordringen würde, die lediglich drei deutsche Läufer erreicht haben: Thomas Wessinghage (3:31,58 Minuten/1980), Harald Hudak (3:31,96/1980) und Jens-Peter Herold (3:32,77/1992). „Bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen kann ich natürlich nicht auf eine Medaille spekulieren, aber eine Finalteilnahme ist möglich.“

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