Europameisterschaften

Carsten Schlangen gewinnt Silber über 1.500 m

Carsten Schlangen gewinnt Silber über 1.500 m und holt damit die erste 1.500-m-Medaille seit 20 Jahren.

Carsten Schlangen gewinnt bei den Europameisterschaften 2010 Silber über 1.500 Meter

Überraschend erkämpfte sich Carsten Schlangen (LG Nord Berlin) über 1.500 Meter in 3:43,52 Minuten die Silbermedaille.

Bild: photorun.net

Deutschlands Läufer haben bei den Europameisterschaften in Barcelona doch eine Medaille gewonnen: Überraschend erkämpfte Carsten Schlangen (LG Nord Berlin) im 1.500-m-Finale am Freitagabend Platz zwei. Es ist die erste EM-Medaille eines deutschen 1.500-m-Läufers seit dem Titelgewinn von Jens-Peter Herold, der 1990 in Split noch im Trikot der DDR triumphiert hatte. Ein Jahr später war zudem Hauke Fuhlbrügge Dritter bei der WM über diese Strecke. Herold wurde hier Vierter. Bei Olympia gab es zuletzt 1988 eine deutsche 1.500-m-Medaille: Jens-Peter Herold wurde 1988 in Seoul Dritter. Der 29-jährige Carsten Schlangen hat also am Freitagabend eine lange Phase der Erfolglosigkeit über diese Strecke beenden können.

Eigentlich war es das Rennen der Spanier. Alle drei hatten das Finale erreicht und entsprechend war die Stimmung im Olympiastadion. In jener Arena, in der 1992 Fermin Cacho vor heimischem Publikum zum Olympiasieg über 1.500 m gestürmt war, konnte es nur einen spanischen Sieger geben. Fast hätten die Gastgeber am Ende sogar alle drei Medaillen gewonnen, doch einer mischte sich dazwischen und verhinderte den Dreifach-Triumph der Iberer: Carsten Schlangen wurde Zweiter in 3:43,52 Minuten. Den EM-Titel gewann der 27-jährige Arturo Casado in 3:42,74 Minuten, Rang drei belegte Manuel Olmedo (3:43,54), auf den Fermin Cacho vorher getippt hatte. Reyes Estevez, der bereits vor zwölf Jahren den 1.500-m-EM-Titel für Spanien gewonnen hatte, wurde Vierter.

„Ich kann noch nicht glauben, dass ich Europameister vor heimischem Publikum geworden bin. Ich habe mich durchweg stark gefühlt während des Finales und bin immer auf Bahn eins gerannt“, sagte Arturo Casado, der in Barcelona den größten Erfolg seiner Karriere feierte. Fermin Cacho gratulierte seinem Landsmann. „Er hat mir gesagt, dass ich taktisch stark gelaufen bin. Es ist eine Ehre, dass er mir gratuliert hat. Ich kann mich noch gut an das Finale 1992 erinnern. Sein Sieg war eine große Motivation für die folgenden spanischen Mittelstreckenläufer“, sagte Arturo Casado, der fast durchweg an der Spitze gelaufen war und am Ende der spurtstärkste Läufer war. Für den mitfavorisierten Briten Andy Baddeley war das Tempo zu langsam. Spurtentscheidungen liegen ihm nicht und so musste er sich mit Platz sechs in 3:43,87 zufrieden geben.

Carsten Schlangen hat das Optimum aus seiner ersten Finalteilnahme bei einer großen Meisterschaft herausgeholt. Der Läufer der LG Nord Berlin hat gezeigt, dass auf europäischer Ebene etwas gehen kann, wobei das Rennen für ihn perfekt lief. Er war stets in einer guten Position auf der Innenbahn und das Tempo war langsam, so dass er am Ende seine Spurtstärke ausspielen konnte. „Ich war konzentriert, habe mich sehr gut gefühlt und gemerkt, dass heute etwas geht“, erzählte Carsten Schlangen. „Ich wusste während des Rennens: ich kann hier mithalten. Ich habe auf die Gegner geachtet und auch an meine Chance geglaubt, als ich noch Vierter oder Fünfter war in der Schlussphase. Das war entscheidend, denn das Rennen entschied sich für mich auf den letzten 40 Metern.“ Der Berliner lief in Barcelona das Rennen seines Lebens.

Dass das Olympiastadion zum ersten Mal gut besetzt war, lag aber auch daran, dass das 3.000-m-Hindernisfinale der Frauen auf dem Programm stand. Die Spanier hofften auf Gold durch die Weltmeisterin von Berlin, Marta Dominguez. Eine Medaille gewann die 34-jährige Spanierin, doch das Gold verpasste sie am Ende um acht Hundertstelsekunden. Die neue Europameisterin heißt Yuliya Zarudneva. Die Russin war nach einem eindrucksvollen Start-Ziel-Sieg mit einem Meisterschaftsrekord von 9:17,57 Minuten im Ziel und hatte den Spieß umgedreht: Vor einem Jahr war sie im WM-Finale noch Zweite hinter Marta Dominguez. Der Kampf um Bronze spielte sich in Barcelona ein gutes Stück weiter hinten ab. Lyubov Kharlamova (Russland) setzte sich schließlich in 9:29,82 Minuten vor der Britin Hatti Dean (9:30,19) durch.

“Das war mental ein wirklich schweres Rennen, denn das ganze Stadion war natürlich für Dominguez. Aber das hat mich angestachelt“, sagte Yuliya Zarudneva, die durchweg die Weltmeisterin im Nacken hatte. „Vor der EM hatte ich mir schon überlegt, dass es toll wäre, wenn ich sie vor heimischem Publikum schlagen könnte. Deswegen bin ich offensiv gelaufen und gleich in Führung gegangen. Die viele Anfeuerung für sie hat mich zusätzlich motiviert.“ Marta Dominguez wartete mit ihrem Angriff bis zum letzten Hindernis auf der Zielgeraden. Fast sah es so aus als käme sie an der vor dem Sprung kurz trippelnden Russin vorbei, doch Yuliya Zarudneva konnte kontern. „Eigentlich war es ein perfektes Rennen für mich, da wir beide alleine liefen – aber am Ende hat es nicht ganz gereicht. Aber du kannst nicht immer gewinnen, deswegen freue ich mich auch über Silber“, sagte Marta Dominguez, die bei ihrem vierten EM-Start zum vierten Mal eine Medaille gewann. 1998 war sie bereits Dritte über 5.000 m, dann gewann sie diese Strecke 2002 und 2006.

Auch über 800 m der Frauen fand am Freitag das Finale statt. Hier setzte sich mit der Russin Mariya Savinova jene Athletin durch, die zuletzt als Favoritin galt. Eingangs der Zielgeraden zog sie ihren Spurt an, überholte die bis dahin führende Jennifer Meadows (Großbritannien) und gewann noch relativ deutlich in 1:58,22 Minuten. Auf Platz zwei kam überraschend die Holländerin Yvonne Hak, die 1:58,85 lief. Meadows gewann Bronze in 1:59,39. „Mein einziges Ziel war die Goldmedaille. Jetzt werde ich mich morgen sonnen und schwimmen gehen“, erzählte Mariya Savinova, die im März bereits den Hallen-WM-Titel gewonnen hatte.

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