Berliner Halbmarathon

Carsten Eich siegte einst mit Europarekord

Am 7. April findet der 33. Berliner Halbmarathon statt. Das Rennen hat eine stolze Geschichte. Vor 20 Jahren gewann der deutsche Läufer Carsten Eich den Lauf in einer Weltklasse-Zeit.

Carsten Eich: Europarekord

Carsten Eich läuft 2006 in einer Gruppe mit afrikanischen Athleten beim Frankfurt-Marathon.

Bild: www.photorun.net

Es ist lange her, dass ein deutscher Straßenläufer eine Weltklasseleistung erzielte. Während die Frauen immer wieder Top-Ergebnisse erreichten, befinden sich die Männer seit langem im Leistungstief. 1992 wurde Stephan Freigang sensationell Olympia-Dritter im Marathon. Genau 20 Jahre ist es her, da gewann ein deutscher Läufer den Berliner Halbmarathon und stellte dabei einen Europarekord auf: Carsten Eich triumphierte am 4. April 1993 mit 60:34 Minuten, einer Weltklassezeit. Seine kontinentale Bestmarke wurde längst unterboten, doch als deutscher Rekord steht die Zeit nach wie vor. „Bei diesem Rennen habe ich die beste Leistung meiner Karriere gezeigt“, sagt der heute 43-Jährige, der in der Nähe von Würzburg lebt.

Schon lange ist ein deutscher Sieg im Männerrennen des hochklassigsten deutschen Halbmarathonrennens, das am kommenden Sonntag stattfindet, nicht mehr realistisch. Doch auch damals war der Erfolg von Carsten Eich eine große Überraschung, denn die Konkurrenz war hochklassig. „Wir sind schnell angegangen, wobei ich keine Ahnung hatte, wo die deutsche oder die europäische Bestmarke überhaupt stand. Es war kalt, ich rannte in einer langen Hose und mit einem Baumwoll-T-Shirt.“ Auf den letzten sieben Kilometern entwickelte sich ein spannender Zweikampf zwischen Carsten Eich und Sammy Lelei. Mit acht Sekunden Vorsprung gewann der Deutsche schließlich vor dem Kenianer.

Dass er an jenem Tag einen Europarekord aufgestellt hatte, erfuhr der damals 23-Jährige erst einige Stunden später. Niemand wusste im Ziel wo diese Bestmarke genau stand. „Für mich lief es damals optimal. Ich hatte vorher vier Wochen lang in Mexiko in Höhen von bis zu 3500 Metern trainiert“, sagte Carsten Eich, der dann sechs Tage später einen weiteren nationalen Rekord aufstellte: Beim Paderborner Osterlauf gewann er in der damaligen Kursrekordzeit von 27:47 Minuten über 10 km. Auch diese Zeit ist bis heute von keinem anderen deutschen Läufer erreicht worden. Auf die Marathondistanz konnte Carsten Eich diese schnellen Zeiten später nicht übertragen. Immerhin aber erreichte er 1999 in Hamburg 2:10:22 Stunden – eine Zeit, die seitdem kein anderer deutscher Marathonläufer auch nur annähernd erreicht hat.

Carsten Eich, der 2008 nach geschätzten 150.000 Laufkilometern seine Karriere beendete, ist weiterhin ein Beispiel dafür, dass auch deutsche Läufer heute noch eine Rolle spielen könnten im internationalen Straßenlauf. Denn mit einer Halbmarathonzeit von 60:34 Minuten könnte man zwar keine großen Rennen mehr gewinnen, aber international mitlaufen. „Das Problem ist aber, dass auch kein deutscher Läufer mehr über 10 km unter 28 Minuten laufen kann – und das ist Voraussetzung für eine derartige Halbmarathonzeit“, sagt Carsten Eich. „Ich hatte ursprünglich von der sehr guten Grund- und Nachwuchsausbildung in der DDR profitiert. Nach der Wende gab es für mich dann auch materielle und finanzielle Anreize, so dass ich voll auf den Sport setzen konnte. Das ist heute aber schwieriger. Es müsste gewisse Sicherheiten geben und Anreize für Athleten, die bereit sind, sich vollkommen auf das Laufen zu konzentrieren.“

Carsten Eich ist heute sowohl dem Breiten- als auch dem Spitzensport im Laufsport verbunden. Seit eineinhalb Jahren hat er sich selbstständig gemacht und arbeitet im Sport- und Gesundheitsmanagement. Unter anderem bietet er Trainingslager für Breitensportler an und ist der Trainer von Topläuferin Sabrina Mockenhaupt (LG Sieg), die in knapp zwei Wochen beim Boston-Marathon startet.