Chicago-Marathon 2016

Bummeltempo beim Chicago-Marathon

Die fehlenden Tempomacher führten zu mäßigen Siegerzeiten bei den Männern. In einem hochklassigeren Frauenrennen verteidigt Kiplagat ihren Titel.

Abel Kirui überraschte in Chicago

Abel Kirui überraschte in Chicago.

Bild: Bank of America Chicago Marathon

Abel Kirui meldete sich überraschend beim Chicago-Marathon zurück. Der 34-jährige Kenianer, der 2009 und 2011 Weltmeister war, danach jedoch keinen Marathon mehr gewinnen konnte, triumphierte in 2:11:23 Stunden vor dem knapp geschlagenen Titelverteidiger und Favoriten Dickson Chumba (Kenia), der nach 2:11:26 Stunden im Ziel war. Dritter wurde mit Gideon Kipketer ein weiterer Kenianer. Er lief 2:12:20 Stunden. Abel Kirui war 2012 in London Olympia-Zweiter, danach jedoch erreichte er seine Bestform nicht mehr. In Chicago dürfte ihm der Rennverlauf entgegen gekommen sein. Sein 2:11:23-Stunden-Ergebnis ist die langsamste Siegzeit seit 23 Jahren auf der eigentlich sehr schnellen Strecke beim Chicago-Marathon. Seitdem die Organisatoren auf den Einsatz von Tempomachern verzichten, hat das Rennen zumindest bei den Männern die schnellen Zeiten verloren.

Zum zweiten Mal in Folge triumphierte Florence Kiplagat.

Bild: Bank of America Chicago Marathon

Starker Auftritt der Titelverteidigerin

Bei sehr guten Wetterbedingungen verteidigte Florence Kiplagat ihren Titel souverän. Die Kenianerin bestimmte das Rennen an der Spitze und siegte schließlich mit starken 2:21:32 Stunden sehr deutlich vor der zweifachen Marathon-Weltmeisterin Edna Kiplagat (2:23:28 Stunden), die nicht mit ihr verwandt ist. Auch Rang drei ging an eine Kenianerin: Valentine Kipketer war nach 2:23:41 Stunden im Ziel.

Bummeltempo bei den Männern

Gemessen an ihrem Leistungsvermögen liefen die Männer den ersten Teil des Rennens im gemäßigten Tempo. Zwischenzeiten von 16:06 und 32:04 Minuten für die 5- beziehungsweise 10-Kilometer-Punkte deuteten auf eine Endzeit von über 2:15 Stunden hin. Es war nicht das Niveau, das man auf einer der schnellsten Marathonstrecken von einem Rennen erwarten darf, das eben aufgrund seiner hochklassigen Resultate der Vergangenheit zu den Abbott World Marathon Majors-Gründungsmitgliedern zählte. Überraschend kam dies allerdings nicht, denn zum zweiten Mal in Folge verzichteten die Veranstalter auf den Einsatz von Tempomachern. Auch in New York und Boston gibt es keine „Hasen“, doch diese Rennen haben eine andere Dynamik.

Ein wenig schneller lief die Spitzengruppe dann auf dem Weg zum Halbmarathon. Diese Marke passierte die 14-köpfige Gruppe in 66:50 Minuten. Trotz des nur wenig schnelleren Tempos fielen bis zur 25-Kilometer-Marke zunächst etliche Läufer zurück, so dass die Spitze nur noch aus fünf Läufern bestand. Bis Kilometer 30 änderte sich das Bild wieder, denn die dahinter laufenden Athleten schlossen aufgrund einer erneuten „Bummelphase“ an der Spitze wieder auf. In der Folge trennte sich jedoch wieder die Spreu vom Weizen: Die Kenianer Gideon Kipketer, Dickson Chumba, Paul Lonyangata und Abel Kirui waren nach 35 km (1:50:11 Stunden) noch im Rennen um die hohe Siegprämie von 100.000 US-Dollar.

Es folgte der schnellste 5-Kilometer-Abschnitt des Rennens: 14:45 Minuten liefen Kirui und Chumba zwischen Kilometer 35 und 40. Damit hatten sie die beiden Landsleute klar hinter sich gelassen. Auf einer leichten Steigung kurz vor der Zielgeraden setzte sich dann Kirui etwas ab und verteidigte seinen Vorsprung. „Ich wollte bei dem langsamen Tempo schon viel früher davonlaufen, aber ich erinnerte mich an die Worte meines Trainers, der gesagt hatte: bleib bei der Gruppe“, erzählte Abel Kirui, der vom Italiener Renato Canova betreut wird. „Ich wollte unbedingt einmal ein großes Rennen in Amerika gewinnen. Das ist mir heute gelungen.“

Weltklasse Darbietung der Frauen

Wie schon im vergangenen Jahr war das Frauenrennen vergleichsweise deutlich hochklassiger, obwohl auch hier ohne Tempomacher gelaufen wurde. Vorjahressiegerin Florence Kiplagat war einmal mehr um ein schnelles Tempo bemüht. Sie führte gemeinsam mit ihrer kenianischen Landsfrau Edna Kiplagat, der nicht mit ihr verwandten früheren Marathon-Weltmeisterin, die siebenköpfige Spitzengruppe nach 16:56 Minuten durch die 5-Kilometer-Marke. Der 10-Kilometer-Punkt war nach 33:29 Minuten erreicht, was auf eine Endzeit von etwa 2:21:00 Stunden hindeutete. Überraschend fiel nach rund 15 Kilometern die aktuelle Boston-Marathon-Siegerin Atsede Baysa (Äthiopien) zurück. Als die dann sechsköpfige Spitzengruppe - neben Florence und Edna Kiplagat liefen hier ihre kenianischen Landsfrauen Visiline Jepkesho, Prity Rionoripo und Valentine Kipketer sowie die Äthiopierin Yebrgual Melese - die Halbmarathonmarke nach 1:10:29 Stunden erreichte, lag Baysa mit einem Rückstand von 1:42 Minuten bereits weit zurück.

Es dauerte bis zur 30-Kilometer-Marke bevor die nächste Läuferin den Kontakt verlor: Visiline Jepkesho hatte an diesem Punkt knapp zehn Sekunden Rückstand auf die Führenden. Florence Kiplagat lief mit einem gleichmäßigen Tempo an der Spitze und passierte diesen Punkt nach 1:40:30 Stunden. Die Titelverteidigerin machte nun Ernst und rannte den nächsten 5-Kilometer-Abschnitt in 16:17 Minuten – ein Tempo das gut wäre für eine 2:17er-Endzeit. Damit hatte sie das Rennen entschieden und bereits einen Vorsprung von gut 50 Sekunden auf Valentine Kipketer und Edna Kiplagat, die gemeinsam auf den Rängen zwei und drei lagen.

„Als ich hierher kam, war es mein Ziel, ein zweites Mal in Folge beim Chicago-Marathon zu gewinnen“, erklärte Florence Kiplagat, die auch schon den Berlin-Marathon zweimal gewonnen hatte (2011 und 2013) und ebenso wie der Männer-Sieger Kirui von Renato Canova betreut wird. „Es lief gut für mich, obwohl ich am Anfang vielleicht das Tempo etwas zu schnell gemacht habe – aber ich fühlte mich immer gut.“

Dicke Siegerprämien

Beide Sieger erhielten beim Chicago-Marathon, der gemeinsam mit den Rennen in Berlin, Tokio, Boston, London und New York zu den Abbott World Marathon Majors gehört, eine Prämie von 100.000 US-Dollar.

Ergebnisse des Chicago-Marathon im Überblick

Ergebnisse, Männer:
1. Abel Kirui KEN 2:11:23
2. Dickson Chumba KEN 2:11:26
3. Gideon Kipketer KEN 2:12:20
4. Paul Lonyangata KEN 2:13:17
5. Stephen Sambu KEN 2:13:35
6. Abayneh Ayele ETH 2:13:52
7. Takuya Fukatsu JPN 2:13:53
8. Diego Estrada USA 2:13:56

Frauen:
1. Florence Kiplagat KEN 2:21:32
2. Edna Kiplagat KEN 2:23:28
3. Valentine Kipketer KEN 2:23:41
4. Purity Rionoripo KEN 2:24:47
5. Yebrgual Melese ETH 2:24:49
6. Atsede Baysa ETH 2:28:53
7. Serena Burla USA 2:30:40
8. Agnieszka Mierzejewska POL 2:32:13

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