Leser-Reporter beim Zugspitz-Extremlauf

Bis an die Grenze

Eigentlich fing Thomas Tröger mit dem Laufen an, um abzunehmen. Dann erfuhr er vom Zugspitz-Extremlauf, trainierte dafür, nahm teil und finishte. Eine Geschichte übers Durchhalten.

Leser-Reporter Thomas Tröger beim Zugspitz-Extremlauf

Thomas Tröger (links) hat abgenommen, mit dem Laufen angefangen und hartnäckig trainiert. Belohnt wurde er dafür im Ziel des Zugspitz-Extremlaufs.

Bild: privat

Im Oktober 2012 teilte mir mein Hausarzt mit, dass meine Blutwerte nicht in Ordnung seien. Wenn ich keinen Zucker bekommen wollte, müsste ich etwas gegen mein Gewicht tun. Damals wog ich bei einer Größe von 1,79 Meter 104 kg, verursacht wurde das Übergewicht durch Cortison.

Ich beschloss, etwas zu ändern und begann zu laufen. Im November 2012 richtete sich mein Augenmerk auf den Zugspitz-Extremlauf. Ich hatte zwar in den Medien davon gehört, aber Details waren mir nicht bekannt. Nachdem ich genug Informationen gesammelt hatte, beschloss ich, das Training auf diesen Lauf auszurichten. Dann brach der Winter im Fichtelgebirge herein. Wir hatten Schnee über Schnee; Training war nur im Fitnessstudio möglich. Zudem folgte eine Erkältung der nächsten. Diese zogen sich bis Ende Februar 2013 hin. Ein gutes Training war kaum möglich und im März kam dann noch eine schwere Mittelohrentzündung dazu.

Doch im April 2013 war der Schnee verschwunden und mit der Gesundheit ging es bergauf. Ich begann mit dem gezielten Training. Zu diesem Zeitpunkt schaffte ich 5 Kilometer, und für diese Stecke benötigte ich 45 bis 50 Minuten. Ich erstellte mir einen Trainingsplan. Da die Distanz von Ehrwald auf die Spitze etwa 18 km mit 2.200 Höhenmetern betrug, baute ich die Trainingsstrecken bis auf 15 km aus. Jeder dieser Laufstrecken hatte so viele Höhenmeter wie im Fichtelgebirge möglich.

Meine Familie und Freunde, die von meinem Vorhaben hörten, schüttelten nur den Kopf. Meine Frau konnte nicht glauben, dass ich meine Gesundheit durch so eine extreme Belastung aufs Spiel setzen würde. Aber ich hatte Glück, dass Florian Ondruschka, ein Freund der Familie, Profi in der Deutschen Eishockey Liga ist, er spielt im Team Straubinger Tigers. Florian ist ein fitter Kerl im Alter von 26 Jahren. Er gab mir gute Ratschläge, wie ich zu trainieren hatte, und – was ganz besonders wichtig war – wie ich mich zu ernähren hatte.

Ende Mai war ich 14 kg leichter und schaffte 16 km in guten zwei Stunden. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich schon 600 Laufkilometer und über 8.000 Höhenmeter gelaufen. Wenn ich eine Steigung lief, drehte ich oben um lief sie wieder runter, um sie dann gleich nochmal hoch zu laufen. Ende Mai sagte mir mein Freund und inzwischen auch Sportberater, dass er mit mir Zugspitz-Extremlauf an den Start gehen wolle. Es waren noch 14 Tage bis zum Start, und wir absolvierten einige gemeinsame Trainingseinheiten. Der Start kam näher und die Zweifel am Gelingen wurden größer. Einige Tage vor dem Start begann das Bangen, ob der Lauf auf Grund der Wetterverhältnisse auf der Zugspitze überhaupt stattfinden konnte. Am Abend vor der Abreise stand es fest. Der Lauf war freigegeben, allerdings nur bis zur Sonn Alpin.

Leicht aufgeregt reisten wir nach Ehrwald und bezogen unser Hotel. Am Starttag morgens um 7 Uhr gingen wir zum Frühstück und aßen noch eine kräftige Portion Nudeln ohne Soße. Um 8 Uhr waren wir am Start. Die Aufregung stieg. Um mich herum nur Topläufer. Jeder besser als ich. Wie sollte ich das schaffen? All diese Gedanken kreisten in meinem Kopf.

Florian Ondruschka lief hinter der Ziellinie noch weiter, um die Zugspitze auf eigene Faust zu erklimmen.

Bild: privat

10…9…8…7…6…5…4…3…2…1…. Der Start zum 13. Zugspitz-Extremlauf war gegeben und die Menge setzte sich in Bewegung. Die ersten beiden Kilometer waren nur mit einer leichten Steigung versehen; aber dann wurde es steiler und steiler. Ab Kilometer 4 zog Florian langsam davon. Er konnte ein leicht höheres Tempo gehen als ich. Bereits bei der ersten Verpflegungsstation kamen mir Gedanken wie "Warum tu ich mir das an?" Die wunderschöne Natur zog an mir vorbei und ich fand meinen Rhythmus. Meter für Meter kämpfte ich mich den Berg hoch. Meine Pulsuhr ging nicht mehr unter 160 …

Die größte Belastung aber war, die lange Läuferschlange vor mir zu sehen, wie sie sich den Weg hinaufzog. Damit wurde sichtbar wo ich selbst noch hin musste. Dann kam der wichtige Punkt: Das „Gatterl“. Ich war rechtzeitig vor Ort und durfte weiter laufen. Die Höhenluft machte sich bemerkbar. Meine Atmung ging schneller. Ein leichter Schwindel befiel mich. Aber ich lief weiter. Bei der Knorrhütte kam ein kleines Schild – noch 1,6 Kilometer bis zum Ziel. Es ging hier über Schneefelder, Nebel erschwerte die Sicht nach oben. Aber ich kämpfte mich höher und höher und erreichte nach genau 4:00:33 Stunden das Ziel an der Sonn Alpin.

Mein Freund Florian war schon nach 3:41:38 Stunden hier gewesen. Aber er setzte auf seinen Lauf noch eines drauf. Da die letzten 1,3 Kilometer für den offiziellen Lauf nicht freigegeben waren, erklomm er den letzten Grat in eigener Verantwortung und erreichte eine Dreiviertelstunde später die Zugspitze.

Im Nachhinein betrachtet war der Zugspitz-Extremlauf eine Erfahrung, die mich an meine Grenzen gebracht hat. Ob ich heute noch einmal unter diesen Voraussetzungen an den Start gehen würde, weiß ich nicht. Aber ich bereue keinen einzigen meiner Schritte, die ich zum Ziel gegangen bin. Und es zeigt, dass man mehr leisten kann, als man denkt. Meine Startnummer war 779, ich startete in der Altersklasse 45. In dieser Klasse starteten 149 Läufer und ich wurde 135. Überraschenderweise hatte ich am nächsten Tage nur einen leichten Muskelkater im Allerwertesten.

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