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Berliner Vollmond-Marathon: Laufen im Mondschein

Unser Leser Heiko Rammenstein war beim 2. Berliner Vollmond-Marathon dabei. Er berichtet von seinen Erlebnissen.

Berliner Vollmond-Marathon 2015 - Die Bilder
Berliner Vollmond-Marathon

Die Strecke führte Heiko Rammenstein an vielen Seen vorbei.

Bild: Heiko Rammenstein

Initiator Frank-Ulrich Etzrodt, genannt „Etze“, setzte Himmel und Hölle in Bewegung, um dem Premierenlauf aus dem Vorjahr auch den Zweiten folgen zu lassen. Die 109 Marathonis, die dabei antraten, fanden ein nahezu perfekt organisiertes Event mit familiärem Charakter vor. Es ließ sich nur erahnen, welch unermesslich hohen Einsatz und Zeitaufwand der Organisator und seine Unterstützer im Vorfeld investierten. Der zweite Berliner Vollmondmarathon stand im Zeichen des Reinickendorfer Vereins „Von Kindern für Kinder e.V.“, und der Bläserchor Lankwitz begleitete die Veranstaltung musikalisch.

In der Bildergalerie ober- und unterhalb dieses Artikels finden Sie Bilder vom Lauf.

Während des mehrstündigen Laufs konnten die Teilnehmer erleben, mit welcher Hingabe sich „Etze“ und die zahlreichen Helferinnen und Helfer um sie kümmerten. Das fing schon nachmittags im Sport Centrum an, als die Marathonis unter den Klängen des Bläserchors bei schönstem Sonnenschein eintrudelten und zum Teil vom Sprecher Ecki Broy namentlich begrüßt wurden. Die wunderbare Betreuung fand an den acht Versorgungspunkten (die allesamt sehr üppig waren und keine Wünsche offen ließen) ihre Fortsetzung und gipfelte im Ziel des durch Flutlicht erhellten Stadions, wo trotz der nächtlichen Zeit eine tolle Stimmung herrschte.

Der Reihe nach. Vor Beginn des Rennens stellten Gertrud Meyer und Petra Fischer den Verein „Von Kindern für Kinder e.V.“, der Kinder aus sozial schwachen Familien betreut und Kindern in Notgebieten hilft, vor. Nach dem Minimarathon, bei dem vom Verein unterstützte Kinder 421,95 Meter im Stadion rannten, deren anschließender Siegerehrung und der Begrüßung besonderer Gäste, überreichte Etzrodt einen Spendenscheck, in den die Einnahmen aus den Teilnehmergebühren einflossen, an die Vorsitzende Frau Meyer.

Marathon mit Überlänge beim Berliner Vollmond-Marathon

Sprecher Broy gab einige Hinweise zur Strecke, die entgegen des Vorjahres im Uhrzeigersinn zu absolvieren war. Die Überlänge von 1,1 Kilometer im Vergleich zum Marathon erklärte er als unvermeidbar, anderenfalls hätte man die Teilnehmer irgendwo durch die Havel schwimmen lassen müssen. Bei einer Streckenlänge von 43,3 Kilometer könnten sie sich sogar glücklich schätzen, nach erfolgreichem Zieldurchlauf streng genommen einen Ultramarathon bewältigt zu haben.

Dilek Kolat, Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen des Landes Berlin, richtete Grußworte des Senats an die Marathonis und Gäste. Scherzhaft meinte sie, die Teilnahme ihres Parteikollegen, Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter, als „Wiederholungstäter“ dabei, habe sie von ihrer eigenen Teilnahme abgehalten. Während das hymnische Lied „Conquest of Paradise“ des griechischen Komponisten Vangelis aus den Lautsprechern dröhnte, versammelten sich die Marathonis hinter der Startlinie, woraufhin die Senatorin um Punkt 17 Uhr den Startschuss abfeuerte.

Das Stadion sollte eigentlich nach einer halben Runde auf der Laufbahn verlassen werden. Die Spitze stürmte allerdings am geöffneten Seitentor vorbei und die Hälfte des Feldes folgte hinterdrein. Nach einer Dreiviertelrunde fiel ihnen der Irrtum auf, und sie machten hastig kehrt.

Streckenbeschreibung des Veranstalters

Um die Faszination des Berliner Vollmondmarathons und seinen Streckenverlauf zu veranschaulichen, eignet sich ein Blick auf die Ausschreibung. Dort heißt es:

„Nach dem Start auf der 400-Meter-Bahn im Sport Centrum Siemensstadt wird der Saatwinkler Damm erreicht. Weiter läuft es sich entlang des Alten Berlin-Spandauer Schifffahrtkanals. In Höhe des Saatwinkler Steges erreichen wir den Hohenzollernkanal mit der Havelspitze. Über die Insel Eiswerder und unter der Wasserstadtbrücke hindurch passieren wir Hakenfelde. Wir bewegen uns jetzt mehr als 15 Kilometer auf dem Europa-Fahrradweg Berlin-Kopenhagen. An der Bürgerablage verlassen wir Berlin und erreichen das Land Brandenburg. Ab hier erreichen wir auch den sogenannten Mauerweg, den wir erst wieder bei Kilometer 21 verlassen. Rechter Hand liegen idyllische Badestellen und wir passieren Nieder Neudendorf mit dem Grenzturm-Museum. Hennigsdorf hat an diesem Abend ein Stadtfest und grüßt uns. Am Alten Hafen Hennigsdorf liegen schmucke Schiffe und die Brücke über die Havel ist schon zu sehen.

Nach der Halbmarathon-Marke erreichen wir das ehemalige Fischerdorf Heiligensee. Bisher sind wir immer havelaufwärts gelaufen. Jetzt geht es aber bis zum Erreichen des Tegeler Sees und durch Conradshöhe havelabwärts. Der Tegeler See mit seinen Badestellen, Angler- und Seglervereinen liegt rechter Hand und jetzt begleitet uns (hoffentlich) der Vollmond auf dem weiteren Weg entlang der Greenwich-Promenade mit vielen Ausflugsschiffen und der schönen und von Platanen gesäumten Uferpromenade. Ab hier werden uns die mitgeführten Stirnlampen sicherlich einen guten und auch notwendigen Dienst erweisen. Jetzt sind es von dem Verpflegungspunkt an der DLRG-Station Reiswerder nur noch 4 Kilometer bis in das Ziel im Sport Centrum Siemensstadt. Die Kleingartenkolonie „Am Hohenzollernkanal“ begrüßt Euch mit stimmungsvollem Kerzenlicht und bald seht Ihr auch rechts vom Saatwinkler Damm das Flutlicht im Sport Centrum Siemensstadt strahlen. Im Ziel dürft Ihr besonders stolz auf diese Leistung in der wunderbaren Seenlandschaft sein: Denn mit 43,308 Kilometer habt Ihr keinen Marathon, sondern mit 1.022 Meter über der klassischen Marathondistanz von 42,195 Kilometer, fast einen Ultra-Marathon gefinisht!“

Was sich liest, als entstammte es einem Werbeprospekt für Touristen, entpuppte sich beim tatsächlichen Erlebnis als in allen Punkten zutreffend und wurde durch das umwerfende Flair noch beeindruckender. Das schöne Wetter lockte Massen von Radfahrern und Spaziergängern, mit denen sich die Läuferinnen und Läufer die Wege teilen mussten, ans Havelufer und an die Uferpromenade des Tegeler Sees. Laubenpieper tummelten sich in den vielen Kleingärten entlang der Strecke, die Biergärten waren voller Gäste, und nicht nur beim in der Ausschreibung erwähnten Stadtfest in Hennigsdorf herrschte Volksfeststimmung. Manchmal wurde es eng auf den Wegen, wenn die Marathonis sich durch flanierende Grüppchen winden mussten. Aber das nahmen sie gern in Kauf, denn vielerorts bewiesen die Berliner Sportsgeist, applaudierten und feuerten sie an. Bei dem wolkenlosen Abendhimmel wurden sie außerdem mit einem leuchtend klaren Vollmond belohnt, der sich mit zunehmender Dunkelheit immer klarer über der Seenlandschaft abzeichnete. Als zusätzliches Highlight erwies sich ein Feuerwerk, das nördlich des Tegeler Sees entzündet wurde.

Laufen in der Dunkelheit beim Berliner Vollmond-Marathon

In der Endphase wäre man ohne Stirnlampe verloren gewesen, speziell wenn man nicht über Ortskenntnis verfügte, denn die blassen weißen Pfeile hätte man in der fast völligen Dunkelheit der Wald- und Gartenlandschaft nicht erkennen können. Gänsehautstimmung pur entfachte die aus vielen Kerzen und Lampions illuminierte Gartenkolonie „Am Hohenzollernkanal“, begleitet von Anfeuerungsrufen der Kleingärtner und Besucher. Dort war auch irgendwo die Marathonmarke. Der Flughafen Berlin-Tegel befand sich in unmittelbarer östlicher Nähe, was unverkennbar durch laute Geräusche startender oder landender Maschinen zu hören war. Aber auch das Ziel war nicht mehr fern. Wie auf dem Hinweg musste beim Überqueren der Gartenfelder Straße die Grünphase abgewartet werden. Spätestens beim Einbiegen vom Saatwinkler Damm in die Gartenkolonie „Am Rohrdamm“ war das grelle Flutlicht des Sport Centrums Siemensstadt zwischen den Bäumen zu erspähen und der Zielsprecher zu hören. Nach einer letzten halben Runde im hell erleuchteten Stadion, erreichten die Teilnehmer glücklich das Ziel, wo sie alle namentlich begrüßt und mit Applaus empfangen wurden. Selbst der Bläserchor Lankwitz zeigte Durchhaltevermögen und erfreute die Ankommenden mit ihrer Musik (wie auch schon an verschiedenen Streckenpunkten unterwegs).

Gertrud Meyer vom Verein „Von Kindern für Kinder e.V.“ hing den Finishern die von einer Töpferei im Thüringer Wald angefertigten Keramikmedaillen um. Zur Zielverpflegung gehörte auch, wie könnte es anders sein, ein eigens für den Lauf organisiertes „Vollmondbier“. Die meisten Teilnehmer äußerten sich lobend über den Lauf. Maximaler Spaßfaktor: Jemand vergab in einem Rating fünf Sterne von fünf möglichen! Diesem Urteil dürften sich die meisten Teilnehmer anschließen können. Im Gästebuch der Veranstaltung finden sich durchweg positive Rückmeldungen. Der Termin für den dritten Berliner Vollmondmarathon steht schon fest: Er wird auf den 20. August 2016 fallen. Viele der diesjährigen Teilnehmer werden diesen Termin im Visier haben. Hoffentlich wird die Veranstaltung auch neue Freunde finden. Verdient hätte sie es allemal!

Aus nordhessischer Sicht war ein Marathoni des KSV Baunatal im Starterfeld, der seine Vorjahresteilnahme wiederholte: Heiko Rammenstein nutzte den Lauf als Vorbereitung auf einen im Herbst geplanten Ultralauf. Ausgestattet mit Kamera, genoss er die tolle Atmosphäre, machte hier und da Fotos und war bis etwa Kilometer 30 ganz gut unterwegs. Dann aber bremste ihn ein schmerzender Fuß aus, verursacht durch eine ungünstige Schuhwahl. Nach einer längeren Pause am Verpflegungsstand sieben am Forsthaus bei Kilometer 33,5 sowie am von der DLRG betreuten Verpflegungsstand acht bei Reiswerder (Kilometer 39,5), die er beide zur Stärkung und zum Fotografieren des Vollmondes nutzte bzw. sich fotografieren ließ, konnte er seinen Weg einigermaßen schmerzfrei fortsetzen. Die Kräfte verließen ihn nicht, und das war ein gutes Zeichen. Nach 4:12:47 Stunden erreichte er zeitgleich mit einem anderen Läufer das Ziel, dem er sich auf den letzten zwei bis drei Kilometern angeschlossen hatte. Denn dessen Stirnlampe leuchtete heller als seine eigene, und so konnte er den Weg besser finden. Das folgende Zitat aus Heikos Gästebucheintrag verdeutlicht, dass er trotz zwischenzeitlicher Fußschmerzen viel Vergnügen am Lauf hatte: „Ihr habt wieder ein Event auf die Beine gestellt, das seinesgleichen sucht.“

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