Vorschau Frauenläufe

Berlin erwartet Rekordbeteiligung

Am Samstag fällt beim Berliner Frauenlauf der Startschuss für rund 13.000 Frauen und Mädchen.

Der größte deutsche Frauenlauf feiert Jubiläum: Am Sonnabend wird in der Hauptstadt die 25. Auflage des Avon Running Berliner Frauenlauf gestartet. Dabei wird es voraussichtlich eine Rekordbeteiligung von rund 13.000 Frauen und Mädchen geben.

Bei Frauenläufen ist ein Aufwärtstrend zu beobachten. Hier der Freihofer’s Run for Women in Albany (New York).

Bild: photorun.net

International existieren schon lange viele große Frauenläufe – zum Beispiel in Oslo und Dublin oder auch in Marokko sowie natürlich in den USA, wo der Freihofer’s Run for Women in Albany (New York) in Kürze zum 30. Mal stattfindet. In Deutschland war die Entwicklung etwas langsamer, jedoch etabliert sich inzwischen mit dem Women's Run in Frankfurt ein zweiter großer Frauenlauf.

Das Berliner Rennen hat seit seiner 20. Auflage im Jahr 2003 fünfstellige Teilnehmerzahlen. Seit der Premiere 1984 wurden bei diesem Lauf bisher genau 102.054 Läuferinnen gezählt. Doch am Anfang war es ein schwieriger Weg für die Berliner.

1984 bekamen die Organisatoren böse Briefe von Männern. „Die fragten uns, wie wir dazu kämen, einen Lauf nur für Frauen zu veranstalten“, erinnert sich der jahrzehntelange Cheforganisator der Läufe des SCC Berlin, Horst Milde. „Aber die Entwicklung zeigt, dass sich unser Engagement gelohnt hat. Immer mehr Frauen erkennen, dass man durch das Laufen ein anderes, besseres Lebensgefühl bekommt.“

In Zusammenarbeit mit Sponsoren haben die Berliner Veranstalter jahrelang viel Werbung für den Frauenlauf betrieben. „Dieser Lauf hat eine phänomenale Entwicklung gemacht und ist zugleich eine Motivation. Ich kenne Frauen, die eigentlich nie bei einem Wettkampf starten – aber beim Frauenlauf in Berlin sind sie dabei“, erzählte die frühere Weltklasseläuferin Kathrin Weßel. Die Berlinerin hat das 10-km-Rennen zweimal gewonnen.

Mit 645 Läuferinnen wurde 1984 der erste Berliner Frauenlauf gestartet. Doch viele Jahre stagnierte das Rennen mit Teilnehmerzahlen von unter 1.500. 1995 versuchte man in Berlin etwas Neues, strich das sportliche Rennen über 10 km und setzte ausschließlich auf einen 5-km-Lauf ohne Wettkampfcharakter. Das Experiment, kopiert vom größten Frauenlauf der Welt in Oslo, wo jährlich über 40.000 Läuferinnen am Start sind, scheiterte.

Schon ein Jahr später war der 10-km-Lauf in Berlin wieder im Programm, und die Läuferinnen kamen zurück. Doch erst bei der 14. Auflage 1997 wurde erstmals die Zahl von 2.000 Frauen und Mädchen erreicht. Weitere zwei Jahre später gab es einen echten Aufwärtstrend, als sich die Teilnehmerzahl mit 4.362 fast verdoppelt hatte. Und sie stieg in den Folgejahren weiter deutlich.

Die frühere Siegerin des New-York-Marathons, Kathrine Switzer, reiste mehrmals nach Berlin, um sich für das Rennen einzusetzen. Die Amerikanerin war es, die sich einst vor 31 Jahren mit einer offiziellen Startnummer in das Feld des legendären Boston-Marathons geschlichen hatte, der damals nur Männern vorbehalten war.

Ein Versuch, sie aus dem Rennen zu nehmen, scheiterte am kräftigen Begleiter der Läuferin, einem Hammerwerfer. Der beförderte den Organisator Jock Semple in den Straßengraben. Kathrine Switzer lief ins Ziel, und es war einer der entscheidenden Schritte in der Entwicklung des Frauen-Langstreckenlaufes.

Sie selbst organisierte später auch in Zusammenarbeit mit AVON Frauenrennen und machte sich dafür stark, dass der Frauen-Marathon 1984 erstmals zur olympischen Disziplin wurde. Bis einschließlich 1968 war die 800-m-Strecke noch die längste Distanz für Frauen bei Olympia.


RUNNER'S WORLD wird mit einer Fotogalerie vom Berliner Frauenlauf berichten.