Miles (100 mi) & more (7.500 Hm)

Berg-Ultralauf Chiemgauer 100

100 Meilen und 7.500 Höhenmeter war die Herausforderung beim Chiemgauer 100 im Juli 2014, der Leserreporter Horst Raber sich stellte.

Sonnenaufgang nach der Laufnacht beim Chiemgauer 100

Nach der Laufnacht entschädigte die Sonne die Teilnehmer des Chiemgauer 100 mit einem traumhaften Sonnenaufgang.

Bild: privat

„Miles (100 mi) & more (7.500 Hm)“ unter diesem Moto stand mein diesjähriger Jahreshöhepunkt, der Chiemgauer 100, ein 100-Meilen-Berg-Ultralauf in den Chiemgauer Alpen südöstlich des Chiemsees.

Nach optimaler Vorbereitung stand ich also am Freitagmittag, 25. Juli 2014, in Ruhpolding. Es ist schon erstaunlich, wie ich mich immer wieder dabei erwische, die anderen Athleten zu mustern und zu begutachten. Nach ihrem Äußeren beurteilt, befinde ich diese immer fitter und deutlich austrainierter als mich selbst, jedoch kann ich dabei natürlich nicht in ihre Köpfe sehen. Ich weiß, was ich kann, ich weiß genau, was ich mir zutraue, ich bin vielleicht nicht so fit wie die, aber härter im nehmen, einfach zäher und leidensfähiger. Letztendlich ist es das, was zählen wird auf einer Strecke von 100 Meilen, die Härte und die Ruhe, um nicht zu überpacen und das Rennen vorzeitig beenden zu müssen. Ein paar 100-km-Läufe kannte ich ja bereits, aber die Kilometer jenseits der 100 waren auch für mich Neuland.

Start zum Chiemgauer 100 am Freitag

Man konnte seinen Startzeitpunkt zu jeder vollen Stunde zwischen 14 und 19 Uhr wählen. Zu bedenken war, dass man bei Kilometer 87 nochmals durch das Sportstadion (Start & Ziel) laufen musste und dieses aus organisatorischen Gründen nicht vor 4.30 Uhr wieder verlassen durfte. In wilden Rechnereien berücksichtigte ich Kilometer und Höhenmeter berücksichtigt, alte Chiemgauer- und Zugspitzläufe. Die ersten 70 Kilometer kenne ich nicht, auch wenn Verlaufen eigentlich unmöglich ist, da ich den GPS-Track bereits im Navi hatte.

Letztendlich entschied ich mich für 17 Uhr als Startzeit, und müsste gegen 5.30 Uhr wieder im Stadion sein. Bei optimalen Bedingungen startete ich mit drei weiteren Teilnehmern um Punkt 17.00 Uhr. Keine Gewitterneigung mehr auf dem Wetterradar, es sollte eine sternenklare Nacht werden. Ausgerüstet mit einem Trinkrucksack, Windjacke, Erste-Hilfe-Set, Handy, Stirnlampe, Navi und ein paar Gels gingen wir nun auf die Reise durch die erste Nacht. Ob es eine zweite Abenddämmerung auf der Strecke geben würde, wusste zu diesem Zeitpunkt noch keiner von uns.

Bereits nach etwa 5 Kilometern trennten sich unsere Wege, zwei verabschiedeten sich nach vorne, einer nach hinten. Einen der Schnelleren überholte ich bereits an der ersten Verpflegungsstelle wieder, den anderen bekam ich längere Zeit nicht zu Gesicht.

$(Nach einem Sonnenuntergang in die Nacht)$Nach einem total kitschigen Sonnenuntergang hinter dem Chiemsee mit der Stirnlampe die Nacht hindurch zu laufen, war herrlich. Die Strecke war mit Bändern, Reflektoren und Pfeilen sehr übersichtlich gekennzeichnet. Bis auf einen kleinen Sturz und ein aufgeschürftes Knie brachte die Nacht nichts Besonders. Meiner Zeit um 30 Minuten voraus, kam ich in der Morgendämmerung pünktlich zum Start des 100-km-Laufes um 5 Uhr im Stadion an. Die Stirnlampe und das Navi verbannte ich aus meinem Rucksack. Den Rest der Strecke kannte ich ja bereits.

Nach etwa 100 Kilometer führte die Strecke beim Chiemgauer 100 an der Hörndlwand entlang.

Bild: privat

Aufstieg zur Hörndlwand am Morgen

Den Aufstieg zum Untersbergsattel und zur Hörndlwand genoss ich in diesem Jahr mehr den je. Denn wenn man, wie ich bei meinen vergangenen Teilnahmen, über die 100-km-Strecke startet, ist es bei diesem Aufstieg schon extrem heiß. Nach 102 Kilometer kam ich oben an der Hörndlwand an, es folgte ein sehr steiler und schottriger Abstieg bis zur nächsten Verpflegungsstation bei Kilometer 106. Bei Kilometer 125 traf ich den Läufer vor mir erneut. Er musste sein Rennen für diesen Tag beenden. Ich fühlte mich noch gut, allerdings nicht so gut, dass ich den Aufstieg zum Hochfelln laufen wollte. Ein gutes Stück daraus hat eigentlich einen angenehm zu laufenden Anstieg. Jedoch war der so mit langem Gras überwuchert, dass die Steine und Wurzeln am Rad des Weges nicht gut gesehen werden konnten.

Steiler Abhang neben der Strecke

Da es linkerhand mit einer etwa 70° Neigung auf einem Wiesenhang steil bergab ging und das Heben der Beine nicht mehr so ganz flüssig funktionierte, beschloss ich, diesen Aufstieg lieber schnell wandernd zurückzulegen als laufend. Am Gipfel angekommen, musste ich den nach mir gestarteten, späteren Zweitplatzierten, passieren lassen. Ich konzentrierte mich weiterhin auf mein Rennen und auf meinen mittlerweile ziemlich sicheren 3. Platz. Der Abstieg auf allen Vieren durch die Latschenkiefern und Felsen funktionierte reibungslos und so konnte ich hochmotiviert und bester Laune die letzten 20 Kilometer ins Ziel in Angriff nehmen.

Siegerehrung beim Chiemgauer 100 mit Pokalen in Form des Höhenprofils

Bild: privat

Bei der Siegerehrung zum Chiemgauer 100 erhielten die Sieger Pokalen in Form des Höhenprofils. Unsere Leserreporter Horst Raber (links) erreichte den dritten Gesamtplatz.

Bei Kilometer 153 startete ich noch den Versuch, unter der 25 Stundenmarke zu bleiben, musste allerdings drei Kilometer vor dem Ziel erkennen, dass dies heute wohl nicht mehr möglich sein sollte. Egal – mein Kilometer-Schnitt war über die gesamte Strecke um drei Sekunden schneller als auf den 100 Kilometern des Zugspitz Ultrails. Dies lag vermutlich daran, dass hier je Kilometer nur 93 statt 108 Höhenmeter Anstieg je Kilometer zu bewältigen waren. Ich nahm das Tempo heraus und genoss die letzten drei Kilometer bis zum Ziel in vollen Zügen. Das Teilnehmerfeld war mit 55 Startern voll besetzt. Der 100-km-Sieger von 2011 & 2012, Rudi Döhnert, verbesserte an diesem Tag den Streckenrekord um mehr als eine Stunde. Der 100-Meilen-Sieger von 2012, Thomas Wagner, blieb als Zweitplatzierter auch noch unter dem alten Streckenrekord. Hinter diesen beiden als Dritter zu stehen, ist eine Ehre für mich, und ich bin glücklich, nun endlich die langersehnte Teilnahme beim Ultratrail Mont Blanc in trockenen Tüchern zu haben.

Nach einer mehr oder weniger schlaflosen Nacht gab es am nächsten Tag die erste richtige Siegerehrung meines Lebens. Platz 3 Overall hört sich schon gut an. Wenngleich auch die Teilnehmerzahl überschaubar war, jede/r, der hier startet weiß, was er oder sie tut. Oder vielleicht doch nicht ganz? Über diese Strecke kamen nämlich lediglich 18 Herren ins Ziel, vier weitere verkürzten auf 141 km, der Rest musste den Lauf abbrechen. Bei meinem Saisonhöhepunkt 2015, dem Ultratrail Mont Blanc, hängen die Trauben dann noch etwas höher, hierfür wäre eine Top Ten Platzierung in der AK schon mehr als ein voller Erfolg.

Von 55 Startern (5 Damen und 50 Herren) erreichten 3 Damen und 18 Herren beim Chiemgauer 100 das Ziel. Unser Leserreporter Horst Raber belegte in 25:05:33 Stunden den dritten Gesamtplatz.

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