Jacob Kendagor siegt

Außenseiter-Sieg beim Berliner Halbmarathon 2013

Außenseiter Jacob Kendagor siegte beim Berliner Halbmarathon in 59:36 Minuten. Ein 24-Jähriger kollabierte auf der Strecke und starb.

Berliner Halbmarathon

Jacob Kendagor gewann in Berlin.

Bild: SCC-Events/Camera 4

Ein Außenseiter hat den 33. Vattenfall Berliner Halbmarathon gewonnen: Jacob Kendagor triumphierte beim größten und hochklassigsten deutschen Rennen über die 21,0975 km am 7. April. Der Kenianer lief mit 59:36 Minuten eine Topzeit und blieb erstmals in seiner Karriere unter einer Stunde. Auch die schnellste Frau kam bei sehr kalten Temperaturen von rund 4 Grad Celsius aber sonnigem Wetter aus Kenia: Helah Kiprop siegte mit 67:54 Minuten und erzielte damit die drittbeste je in Berlin gelaufene Zeit. Während Falk Cierpinski (SG Spergau) mit 65:46 eine Bestzeit erreichte, gab Anna Hahner (run2sky.com) verletzt auf. Die Rekordzahl von 30.114 Läufern hatte sich für das Rennen angemeldet.

24-jähriger Läufer starb
Überschattet wurde der 33. Berliner Halbmarathon von einem Todesfall. Ein Läufer aus dem Osten Deutschlands war kurz vor dem Ziel zusammengebrochen. Ein Notarzt konnte ihn zunächst reanimieren, doch der 24-Jährige verstarb kurze Zeit später auf einer Intensivstation der Charité Mitte. Weitere Einzelheiten sind noch nicht bekannt. Zuletzt hatte es vor drei Jahren einen Todesfall bei dem Berliner Halbmarathon gegeben.

Hochklassiges Männer-Rennen
Im Rennen der Männer erreichten vier Kenianer hinter einem Pacemaker die 10-km-Marke nach 28:23 Minuten: Jacob Kendagor, Silas Kipruto, Victor Kipchirchir und Kenneth Kipkemoi. Kurz danach war es Kendagor, der das Tempo etwas erhöhte. Eingangs des Kurfürstendamms konnte nur noch Silas Kipruto mithalten. Bei einem gleichbleibend hohen Tempo passierten die beiden den 15-km-Punkt in 42:19 Minuten. Rund zwei Kilometer später fiel die Entscheidung: Der 28-jährige Jacob Kendagor löste sich von seinem Konkurrenten. Mit einer Bestzeit von 61:15 Minuten angereist, verbesserte sich der Kenianer um 1:39 Minuten. Mit 59:36 erzielte er die fünftschnellste Zeit des Jahres, wenn man jene Rennen nicht mitrechnet, deren Strecken nicht rekordtauglich sind. Lediglich in Ras Al Khaimah (Vereinigte Arabische Emirate) gab es in diesem Jahr bisher schnellere Zeiten bei den Männern.

Jacob Kendagor hatte vor einem Jahr schon einmal eine Weltklasseleistung in Berlin gezeigt, als er mit 1:11:59 Stunden Dritter über 25 km wurde. Jetzt kehrte er in die deutsche Hauptstadt zurück und feierte den bisher größten Sieg seiner Karriere. „Für mich war es heute nicht zu kalt. Das Wetter und die Strecke waren gut. Ich bin froh, dass ich in Berlin wieder eine sehr gute persönliche Bestzeit gelaufen bin“, sagte Jacob Kendagor, der aus Eldoret kommt und dort unter anderen mit den Marathonläufern Wilson Chebet und Sammy Kitwara trainiert.

Die Kenianer dominierten einmal mehr das Rennen durch die City: Silas Kipruto wurde Zweiter mit 60:12 Minuten, gefolgt von Victor Kipchirchir (60:27), Kenneth Kipkemboi (60:45), Frederick Ngeny (61:37) und Joseph Kiptum (61:38).

Persönliche Bestzeit für Falk Cierpinski
Nach langer Zeit mit Verletzungsproblemen und gesundheitlichen Schwierigkeiten gab es für Falk Cierpinski ein Erfolgserlebnis: Der Läufer der SG Spergau kam als 13. ins Ziel und erzielte eine persönliche Bestzeit mit 65:46 Minuten. Zeit und Platzierung sind zwar noch lange nicht hochklassig, doch wichtiger war für Falk Cierpinski, dass er endlich einmal ein Rennen ohne größere Probleme beenden konnte. „Das ist ein Meilenstein für mich“, erklärte er. „Nach acht Kilometern fingen zwar die Schulterprobleme, die sich auf die Atmung auswirken, wieder an, jedoch hatte ich zuletzt dahingehend auch im Training Fortschritte gemacht. Ich bin weitergelaufen und zum ersten Mal verschwanden heute die Probleme wieder. Ich habe den Bock jetzt umgestoßen!“ Man darf nun gespannt sein auf das nächste Marathonrennen von Falk Cierpinski.

Aufholjagd bei den Frauen
Helah Kiprop hatte sich im Rennen der Frauen frühzeitig abgesetzt. Schon vor der 10-km-Marke ließ sie ihre Landsfrauen Philes Ongori und Valentine Kipketer hinter sich. Die 10-km-Marke erreichte sie dann nach 32:17 Minuten mit vier Sekunden Vorsprung vor der Titelverteidigerin Ongori. Fortan baute Helah Kiprop ihren Vorsprung deutlich aus. Am Ende jedoch wurde es noch einmal knapper. Denn Philes Ongori kam zwei Kilometer vor dem Ziel bis auf 50 Meter heran. „Ich wusste nicht, dass es so knapp war“, sagte Helah Kiprop, die jedoch den Vorsprung hielt. „Ich konnte Helah nicht mehr einholen, denn sie wurde am Ende wieder schneller“, sagte Philes Ongori, die als Zweite 68:01 Minuten lief. „Ich freue mich über diese Zeit, denn ich hatte eine schwere Zeit seit dem vergangenen April. Zunächst starb mein Vater, dann war ich verletzt“, sagte die 26-Jährige, die nun einen Marathon laufen möchte und eine Topzeit von 2:20 bis 2:21 Stunden anpeilt.

Für Helah Kiprop war es nicht nur ein Sieg sondern auch eine erfolgreiche Revanche. Im vergangenen Jahr hatte sie erst im Schlusssprint gegen Philes Ongori verloren. Mit nur einer Sekunde Rückstand wurde sie damals Zweite. Am Sonntag war es nun umgekehrt. „Beim Start war mir so kalt, dass ich mich kaum bewegen konnte. Aber als wir liefen, wurde es besser“, sagte die Siegerin.

Hinter der drittplatzierten Japanerin Mai Ito (70:00) folgten zwei weitere Kenianerinnen: Valentine Kipketer (70:48) und Lilian Jelagat (71:59). Während Sonia Samuels (Großbritannien) mit 72:36 Rang sechs belegte, war es kein guter Tag für Anna Hahner (run2sky.com). Nach 14 km musste sie aufgrund von Problemen im linken Fuß aussteigen. „Es ging nach fünf Kilometern los: Ich konnte nicht richtig auftreten, der Fuß schmerzte. Ich habe dann versucht, stärker über den rechten Fuß zu laufen, aber das war natürlich unrund. Es machte keinen Sinn, so dass ich bei 14 km aus dem Rennen gegangen bin. Jetzt muss ich sehen, was mit dem Fuß ist“, sagte eine enttäuschte Anna Hahner. „Vor einiger Zeit hatte ich schon einmal leicht etwas gemerkt an der Sehne, aber dann war es wieder okay.“ Anna Hahner muss für eine Marathon-WM-Nominierung einen Leistungsnachweis über die Halbmarathonstrecke bringen und dabei zumindest 72:59 Minuten erreichen.