Robert Kiprono Cheruiyot

Aus dem Nichts in die Weltspitze

Bei seinem Marathondebüt stellte Cheruiyot 2008 in Frankfurt gleich einen neuen Streckenrekord auf.

Nie zuvor war der damals gerade 20-jährige Cheruiyot einen Marathon gelaufen und noch nie war er vor dem Rennen durch die Bankenmetropole außerhalb Kenias an den Start gegangen. Bei seinem ersten Europa-Trip nutzte der Youngster die Chance seines Lebens. Dabei sah man beim Rennen, dass er über keinerlei Erfahrung bei solchen Läufen verfügt. Statt hinter den Tempomachern zu rennen, lief Robert Kiprono Cheruiyot locker neben der Gruppe her. Schließlich machte er sich aus dem Staub und triumphierte mit einer Kursrekordzeit von 2:07:21 Stunden. Seinen zehntplatzierten Trainer William Kiplagat hatte er um gut dreieinhalb Minuten hinter sich gelassen.

„Ich bin völlig überrascht, dass ich hier gewonnen habe, daran hatte ich während des Rennens gar nicht gedacht“, erklärte Robert Kiprono Cheruiyot, der mit diesem Sieg in Frankfurt für die größte Überraschung in der Geschichte des ältesten deutschen City-Marathons sorgte und sich sofort einen Namen in der internationalen Laufszene machte. 50.000 US-Dollar verdiente er damals und sein Manager bekam das Flugticket erstattet.

„Dieser Sieg hat mein Leben verändert“, sagte Robert Kiprono Cheruiyot, der mit den Prämien seiner Familie aus einer Notlage heraus half: 2007 war sein Vater verstorben. Seine Mutter, die noch vier weitere Kinder hat, übernahm die kleine Farm mit drei Kühen. „Ich habe ihr ein neues Haus gebaut und sieben weitere Kühe gekauft – jetzt hat sie zehn“, erzählte Cheruiyot, der seit seinem Frankfurter Rennen 2008 gut vom Laufsport leben kann.

Im Frühjahr 2009 ging der Kenianer zum ersten Mal beim hochkarätigen Boston-Marathon an den Start und belegte einen beachtlichen fünften Platz in 2:10:06 Stunden. „Damals hatte ich leichte Probleme mit der rückseitigen Oberschenkelmuskulatur.“ Im Herbst kam er als Titelverteidiger zurück nach Frankfurt und lief wiederum ein starkes Rennen. Als Zweiter verbesserte sich der inzwischen 21-Jährige auf 2:06:23 Stunden. Dann gewann er den Boston-Marathon im zweiten Anlauf. „Ich hatte wieder Probleme mit der Oberschenkelmuskulatur als ich nach Boston kam, jedoch hatte ich dieses Mal jeden Tag eine Massage“, erzählte der Kenianer nach dem Rennen, das er mit einem halben Kilometer Vorsprung gewann. 175.000 Dollar erhielt er für diesen Triumph. „Ich werde meiner Mutter jetzt noch ein paar Kühe und Schafe kaufen.“

In der Marathon-Vorbereitung läuft Robert Kiprono Cheruiyot – er ist weder mit dem mehrfachen Boston- und Chicago-Marathon-Sieger Robert Kipkoech Cheruiyot noch mit dem Chicago-Gewinner 2008, Evans Cheruiyot, verwandt – wöchentlich bis zu 250 Kilometer. Der längste Trainingslauf am Stück misst in der Regel 38 km. Zu den Trainingspartnern von Cheruiyot, der zurzeit bei William Kiplagat auch wohnt, gehört unter anderen Vincent Kipruto. Er gewann den Paris-Marathon 2009 mit 2:05:47.

Wer in Boston unter 2:06 läuft, sollte diese Zeit auf einem schnellen Kurs noch deutlich unterbieten können – Robert Kipkoech Cheruiyot ist ein Name, von dem man noch hören wird.

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Schon als Kind 28 km täglich