100 Meilen Berlin

Auf den Spuren deutscher Geschichte

78 liefen zum Gedenken an die Todesopfer 160 km entlang der ehemaligen Berliner Mauer. Michael Vanicek und Jan Prochaska siegten.

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Gordon Vevers und Eddie Mahoney liefen vor 23 Jahren als erste um die Berliner Mauer. Dieses Bild zeigt sie nach dem Lauf vor ihrer Kaserne.

Bild: Horst Milde

Am Sonnabend startete in Berlin ein einzigartiger Lauf: Die Strecke führte über 100 Meilen entlang der ehemaligen Berliner Mauer. Die rund 160 km nahmen 92 Läufer in Angriff, von denen 78 das Ziel erreichten. Sie liefen unter dem Motto: Du sollst nicht vergessen!

Michael Vanicek und Jan Prochaska liefen mit einem strahlenden Lächeln und bestens gelaunt nach 16:22 Stunden im Stadion an der Lobeckstraße in Kreuzberg ein. Die beiden Ultraläufer von der Laufgemeinschaft Nord gewannen damit gemeinsam die Premiere der "100MeilenBerlin".

Pfarrer Rainer Eppelmann, ein ehemaliger Bürgerrechtler in der DDR und Minister für Abrüstung und Verteidigung der letzten DDR-Regierung, ist jetzt Schirmherr der 100 Meilen Berlin, dem Erinnerungslauf auf den Spuren der Berliner Mauer. Am Sonnabend gab er das Startzeichen für dieses Rennen.

Rainer Eppelmann zitierte bei der Pressekonferenz für das Rennen das „Elfte Gebot“: Du sollst nicht vergessen! Dieses Gebot passt genau zum Lauf über die 160 Kilometer, der nicht kürzer sein kann, weil er sonst nicht die frühere Berliner Mauer umrunden würde.

Es gab zuvor keine Sportveranstaltung in Deutschland, die den Bau der Mauer in Berlin und Deutschland ins Gedächtnis zurückrief. „Das Gedächtnis ist kurz, aber das Leiden wegen der Berliner Mauer war lang“, heißt es in der Pressemitteilung der Veranstalter, der LG Mauerweg unter Leitung von Alexander von Uleniecki.

Die Mauer in Staaken, hier starteten die beiden britischen Soldaten 1988.

Bild: Horst Milde

Starteten am Sonntag 92 Läufer, war es am 29. und 30. April 1988 einsamer: Nur zwei Läufer starteten. Gordon Vevers und Eddie Mahoney, zwei Sergeants der King’s Own Scottish Borderers der Britischen Armee in Spandau, liefen in der Nacht von Freitag zu Sonnabend 1988. Um 20 Uhr starteten sie in Staaken unter den überraschten und misstrauischen Blicken der DDR-Grenztruppen ihren Lauf um die Berliner Mauer. 17 bis 18 Stunden waren für die Umrundung angesetzt – nach 15:50 Stunden waren sie damals im Ziel. Zweimal setzten sie dabei mit einem Sturmboot über die Havel. Sie verloren 5 Kilo an Gewicht und sammelten 10.000 DM für leukämiekranke Kinder in London. Beide laufen heute immer noch – Gordon Vevers ist inzwischen Major in Edinburgh – und beide erinnern sich noch gut an ihren Lauf.

Es gibt international einige Gedenkläufe mit großen Teilnehmerfeldern. Seit 1921 wird der „Comrades Marathon" (89 km) in Südafrika ausgetragen, als Erinnerung an die Leiden der Soldaten im Ersten Weltkrieg. Das Rennen begann mit 34 Läufern, jetzt ist es limitiert auf 18.000 Teilnehmer und hat große Bedeutung in Südafrika.

Die Medaille, die alle Berliner Teilnehmer am Wochenende erhielten, ist übrigens Chris Gueffroy gewidmet. Gueffroy (* 21. Juni 1968 in Pasewalk; † 5./6. Februar 1989 in Berlin) war das vorletzte Todesopfer an der Berliner Mauer und das letzte Opfer, das durch den Einsatz von Schusswaffen ums Leben kam.

„Die 100 Meilen Berlin auf dem Berliner Mauerweg sind für die Gedenkkultur in unserem Land wichtig. Der Lauf wird nach der erfolgreichen Premiere hoffentlich fortgesetzt“, erklärte Horst Milde. Der Initiator des Berlin-Marathons hat die Veranstalter unterstützt.