Faszination Rennsteiglauf

Anstieg zum Dach der Tour

Auf unwegsamen Wurzelpfaden geht es für die Supermarathon-Läufer beim Rennsteiglauf aufs Dach der Strecke, Plänckners Aussicht am Großen Beerberg auf 973 m.

Über Buckepiste zu Plänckners Aussicht

Vor dem Anstieg zum Dach der Tour, Plänckners Aussicht am Großen Beerberg bei Kilometer 61,7 und 973 m NN, sind einige unwegsame Wurzelpfade, die wiederholt auf der Strecke verstreut sind, und eine beschwerliche Buckelpiste mit groben Steinen zu überwinden. Ein ums andere Mal gerate ich ins Straucheln, kann aber einen Sturz vermeiden. Nicht so ein anderer Läufer vor meinem Vordermann, der schwer auf den Boden knallt. Scheint aber weniger schlimm zu sein als vermutet, denn schnell wird ihm aufgeholfen, und er kann den Rennsteiglauf trotz Blessuren an Knien und Ellenbogen fortsetzen.

Schneehaufen beim Rennsteiglauf

Neun Höhenmeter unterhalb der höchsten Stelle des Thüringer Waldes, an der erwähnten Plänckners Aussicht, findet sich ein riesiger Schneehaufen, extra herangekarrt. Er soll wohl daran erinnern, dass in früheren Jahren selbst im Mai noch mit Schnee in dieser Höhenlage zu rechnen war. Noch im Vorjahr ging beim Rennsteiglauf ein Hagelschauer über dem Thüringer Wald nieder, als ich mich an dieser Stelle befand. Dieses Mal drohen derlei Unbilden nicht. Bei 12 Grad und Dauersonne sind die Bedingungen ideal.

Zeit für eines meiner Rechenspielchen, die mir permanent im Kopf herumspuken. Elf Kilometer sind es bis zum Ziel, das 260 Höhenmeter talwärts liegt. 6:52 Stunden zeigt meine Uhr an. 67 Minuten Zeit, das wäre doch gelacht! Allerdings sind noch zwei Anstiege zu bewältigen, von denen der zweite sich fast zwei Kilometer hinzieht. Dafür lässt sich auf den langen Abstiegen ordentlich Tempo machen, sofern die Kräfte nicht schwinden. Und das tun sie auch nicht!

Das schönste Ziel der Welt

Drei Kilometer vor dem Ziel wird der Hang eines Skilifts überquert, von dem aus sich kurzzeitig der Blick auf Schmiedefeld, den Zielort, offenbart. Begünstigt durch die abwärts führenden Wege, kann ich drei aufeinander folgende Kilometer in 14:30 Minuten hinlegen. Die Überholspur, auf der ich mich befinde, versetzt mich in eine kleine Euphorie. Einen Zwischenanstieg nehme ich im flotten Tempo und versuche im Vorbeilaufen, einen anderen Läufer mitzureißen, dem ich eine Zeit von unter acht Stunden in Aussicht stelle. Aber der winkt resigniert ab. Dann endlich erreiche ich Schmiedefeld. Das letzte Kilometerschild taucht auf. Nur noch 700 Meter! Viele Zuschauer klatschen Beifall.

Ein allerletzter winziger Anstieg ist nichts im Vergleich zu dem, was hinter mir liegt. Das Stadion taucht auf. Akustisch schon von Weitem zu hören, offenbart sich das selbsternannte „schönste Ziel der Welt“ (Wahlspruch: „...das liegt in Schmiedefeld!“) als ein kunterbunter Hexenkessel der guten Laune und der Superstimmung. Der Moderator begrüßt die Ankommenden namentlich, wenn die Dichte der Zieleinläufe es zulässt. Von links umrunden die Marathonläufer, in Neuhaus am Rennweg gestartet, die Laufbahn. Wir Supermarathonläufer haben die Zielgerade direkt vor uns. Auf diesen 100 Metern ziehe ich das Tempo noch einmal an und reiße beim Überqueren der Ziellinie vor Freude die Arme hoch. 7:57:16 Stunden, was will ich mehr? Die Sonne lächelt dazu, und bei 15 Grad ist es sehr angenehm.

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Jeder ist Sieger