Cross-WM

Äthiopien siegt auch ohne Bekele

In einem dramatischen Sprint-Finish wurde der Athiopier Gebremariam Cross-Weltmeister.

Cross-WM in Amman

Das Männerrennen bei der Cross-WM.

Auch in Abwesenheit des Crosslauf-Serienweltmeisters Kenenisa Bekele ging die Goldmedaille über die Männer-Langstrecke nach Äthiopien: Etwas überraschend setzte sich auf einer schweren Strecke in Amman (Jordanien) am Sonnabend Gebre Gebremariam über 12 km vor Moses Kipsiro (Uganda) und Zersenay Tadese (Eritrea) durch. Keine Überraschung gab es im 8-km-Rennen der Frauen. Hier gewann mit Florence Kiplagat die Siegerin des kenianischen WM-Qualifikationsrennens, die zuvor bereits zum engen Favoritinnenkreis gehört hatte. Ihre Landsfrau Linet Masai gewann Silber vor der Äthiopierin Meselech Melkamu.

Aufgrund des verletzungsbedingten Fehlens des Titelverteidigers Kenenisa Bekele hatten die Kenianer auf das erste Einzel-Gold über die Männer-Langstrecke seit Paul Tergat 1999 gehofft. Doch dazu kam es in Amman nicht. Am Ende reichte es für den stärksten der Kenianer nicht einmal zu einem Podestplatz: Leonard Komon musste sich, allerdings nur knapp geschlagen, in 35:05 Minuten mit Rang vier begnügen.

Auf den letzten 150 Metern waren noch sechs Athleten in den Kampf um die drei Medaillen involviert. Das dramatische Sprint-Finish gewann der 24-jährige Gebre Gebremariam in 35:02 Minuten mit zwei Sekunden Vorsprung vor Moses Kipsiro und Zersenay Tadese. Hinter dem viertplatzierten Komon folgen Habtamu Fikadu (Äthiopien/35:06) und Matthew Kisorio (Kenia/35:08). Für Gebre Gebremariam war es der mit Abstand größte Erfolg seiner bisherigen Karriere, in der er allerdings bereits als 19-Jähriger im Olympiafinale über 5.000 m stand. Damals belegte er in Athen 2004 Platz vier. Im vergangenen Jahr war der Äthiopier bei der Cross-WM in Edinburgh als 17. ins Ziel gelaufen, so dass man ihn in Amman nicht zu den Topfavoriten gezählt hatte.

Den Kenianern gelang es aber immerhin die Goldmedaille in der Mannschaftswertung zu verteidigen. Hier siegte das Team knapp vor Äthiopien und Eritrea.

Der einzige deutsche Starter bei den Cross-Weltmeisterschaften, Sebastian Hallmann (LG Stadtwerke München), lag wie erwartet deutlich zurück. Er kam auf der schweren 12-km-Distanz, die teilweise einem Bergrennen ähnelte, als 104. von 145 gestarteten Läufern ins Ziel. Hallmann hatte mit 39:29 Minuten einen Rückstand von 4:27 Minuten zum Sieger.

Bei den Frauen schaffte es Florence Kiplagat in der Schlussphase des 8-km-Rennens noch ihre führende Landsfrau Linet Masai abzufangen. Masai hatte sich zeitweilig einen Vorsprung von rund 50 Metern erarbeitet und sah schon wie die sichere Siegerin aus. Doch am Ende gewann Kiplagat in 26:13 Minuten mit drei Sekunden Vorsprung. Die drittplatzierte Meselech Melkamu lief 26:19. Die nächsten Plätze belegten Lineth Chepkurui (Kenia), Wude Ayalew (Äthiopien/beide 26:23) und die aus Kenia stammende, amtierende Cross-Europameisterin Hilda Kibet (Niederlande/26:43).

Auch für die erst 22-Jährige Florence Kiplagat war dieser Sieg der größte Erfolg ihrer Karriere. Vor zwei Jahren hatte sie bei der Cross-WM in Mombasa (Kenia) immerhin schon einmal einen fünften Platz belegt. Es ist das erste Mal seit 1994, dass eine Läuferin im Trikot Kenias die Frauen-Langstrecke bei der Cross-WM gewann. Auch die Teamwertung ging erstmals seit acht Jahren nicht an Äthiopien sondern an Kenia. Äthiopien war hier Zweiter vor Portugal. Keinen guten Tag hatte Stephanie Twell (Großbritannien). Die dreifache Junioren-Cross-Europameisterin belegte Rang 38 in 28:46 Minuten.

Text: race-news-service.com
Foto: www.photorun.net