Leser-Report vom Eco Trail Ouarzazate

75 Kilometer durch die Wüste Marokkos

Leser-Reporter Maik Becker berichtet vom Eco Trail Ouarzazate, einem 3-Etappen-Rennen über 75 Kilometer durch die Wüste Marokkos.

Eco Trail Ouarzazate, 75 Kilometer durch die Wüste Marokkos

Bei 30 Grad geht es beim Eco Trail Ouarzazate ganze 75 Kilometer durch die Wüste im Süden Marokkos.

Bild: privat

Drei Etappen durch die Wüste Marokkos

In drei Etappen galt es beim Eco Trail Ouarzazate 75 Kilometer zu bewältigen. Die Bedingungen hierfür waren für die Europäer alles andere als Gewohnheit. 30° Celsius und trockene Luft herrschten auf einer Höhe zwischen 1.600 und 2.000 Meter in einer Wüstenregion im Süden Marokkos am Fuße des Hohen Atlas. Ouarzazate, der Ausgangspunkt des Events liegt 200 km südlich von Marrakech. Die Spitze des Starterfelds setzte sich zusammen aus einer Handvoll starker, aufstrebender Marokkaner, die sich beim Eco Trail Ouarzazate die Hörner abstoßen sollten. Hinzu gesellten sich drei spanische Ultra Trail Läufer, ein Franzose, der bei allen drei Ausgaben dieses Events schon dabei war, ein Pulk Marokkaner aus allen Teilen des Landes, Hobbyläufer aus Frankreich, der Schweiz, Belgien, Italien und Deutschland. Alles in allem 40 Starter, die die Herausforderung annehmen.

Mentale Herausforderungen

Das Terrain entspricht nicht klassischen Trails, sondern eher einem schnellen Crosslauf. Auf wechselndem Untergrund geht es hügelig auf und ab. Mental schwierig sind dabei die langen Geradeauspassagen. Der Blick Kilometer geradeaus, die Gegner flimmern in der Hitze. Nur nicht wahnsinnig werden, Tempo rausnehmen, trinken. Die trockene Luft macht besonders am ersten Tag zu schaffen.

Laufen durch die Kulisse von Filmklassikern

Loses Geröll, Sand, fester Fahrweg, durch Wasserläufe – für Abwechslung ist gesorgt. Die erste Etappe geht nach 23 Kilomtern vor der Kulisse des Ait Ben Haddou zu Ende. Hier wurden Filmklassiker wie Sodom und Gomorrha, Laurence von Arabien, Jesus von Nazareth und neuzeitliche Blockbuster wie Games of Thrones und Die Mumie gedreht. Fantastische Location für einen Zieleinlauf.

Halbmarathon in der Oase

Tag 2 verläuft auf einem Rundkurs in der Oase Skoura, einer von Berbern bewohnten Kleinstadt 20 Kilometer nördlich von Ouarzazate. Der verwinkelte, aber schnelle Kurs liegt größtenteils im Schatten der Palmen. Auf der kurzweiligen Strecke machen einzig die letzten 5 Kilometer in praller Sonne zu schaffen. Der Sieger bewältigt die 21 Kilometer in 70 Minuten – auf dem Untergrund eine starke Leistung.

Umweg auf der Königsetappe

Die Königsetappe folgt am dritten Tag. 30 Kilometer sind ausgeschrieben, die Zielankunft auf 2.000 Meter Höhe. Durch mehrere Täler geht es sanft auf und ab. Die vergangenen beide Tage machen sich jetzt bemerkbar. Die Beine sind nicht mehr so frisch. Die nahe Ziellinie verleiht jedoch Flügel. Ein Ende dieses Hochgefühls kommt jedoch prompt. Anwohner eines angrenzenden Dorfes änderten die Streckenmarkierung. Mehr als die Hälfte des Starterfeldes wird fehlgeleitet. So werden aus 30 Kilometer mal eben 36. Das Wasser wird knapp, der nächste Verpflegungspunkt ist nicht in Sicht. Ungewollt taucht bei der Suche nach dem richtigen Weg dann doch noch ein echter Trail auf. Durch bewässerte Plantagen geht es in saftigem Grün zurück auf die markierte Piste.

Faszinierende Eindrücke boten sich den Teilnehmern des Etappenlaufs.

Bild: privat

Mohamed Elmorabity und Veronique Coustenoble am schnellsten

Am Ende überqueren alle glücklich die Ziellinie. Im Wissen an die Grenzen gegangen zu sein, etwas Spezielles geleistet zu haben, sind Platzierungen für die meisten Nebensache. Nicht so für die Sieger. Bei den Männern war der Marokkaner Mohamed Elmorabity, der jüngere Bruder des Marathon-des-Sables-Gewinner Rachid Elmorabity, der Schnellste, bei den Frauen dominierte Veronique Coustenoble, eine erfahrene französische Multisport-Ausdauerathletin die Konkurrenz.

Lauf-Highlight in Marokko

Die Veranstalter geben sich alle Mühe, den Eco Trail Ouarzazate in der Region zu etablieren. Lokale Politik, Presse und das marokkanische Fernsehen waren präsent. Hier und da klemmte es bei Organisation noch etwas. Kinderkrankheiten gab es, Besserung wurde jedoch versprochen. Die Verpflegung war landestypische Hausmannskost, stets von guter Qualität. Die Stimmung unter den Teilnehmern war großartig. Von kulturellen oder religiösen Unterschieden war nichts zu spüren. Alles in allem war der Trip zum Eco Trail Ouarzazate ein lohnenswerter Ausflug in eine ungewohnte Region. Für Einsteiger im Trail-Lauf mit einem gewissen Abenteuersinn ist es das richtige Event.

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