Extremlauf

550 km durch Sinai

Christian Schiester läuft 11 Tage allein durch die ägyptische Wüste. Eindrücke vom Abenteuer Sinai.

Sprintduell

Ein Wettkampf der tierischen Art: Christian im Sprintduell mit den Kamelen der Karawane.

Bild: Karl Lüger, Red Bull Photofiles

Es ist geschafft! Durch endlose Canyons und sandige Weiten, vorbei an Militärcheckpoints und scharfen Granaten hat Christian Schiesters Weg quer durch die Halbinsel Sinai geführt. Nach 73 Stunden, 16 Minuten und 24 Sekunden Laufzeit bzw. 501 zurückgelegten Kilometern und über 5.000 Höhenmetern hat der Steirer am elften Tag sein Ziel, den Golf von Suez, erreicht. Erster Kommentar nach Schlusssprint und „Köpfler“ ins Meer: „Das war in vielerlei Hinsicht der bisher heißeste Tanz meines Lebens!“

„Vor allem mental ist es ein harter Brocken: Der Zivilisation am Start den Rücken zu kehren und sich alleine in die Wüste aufzumachen. Ohne zu wissen wohin der Weg genau führt und was einen erwartet, außer der Hitze und der fast erschlagenden Weiten aus Geröll und Sand.“ Mit dieser Aussage versuchte Christian Schiester nach seiner Rückkehr aus Ägypten einen ersten Einblick in sein Abenteuer Sinai zu geben.

Die über 1.200 Höhenmeter auf den Katharinenberg zählten zum härtesten Teil des Rennens.

Bild: Karl Lüger, Red Bull Photofiles

In Nuweiba, an der Ostküste Sinais, ging es am ersten Tag los in Richtung Norden zum Eingang des Coloured Canyons. Dort erwartete die Karawane neben einem beeindruckenden Farbenspiel der Natur auf den ziegelroten Felsen auch unwegsames Gelände und viele Auf- und Ab-Passagen. Durch Sand und Geröll führte der Weg danach in Richtung Süd-Westen zum Katharinenberg. Jeder Schritt wurde durch die in Sand verborgenen Steine zur Herausforderung, zwei Mal musste der Extremläufer nach einem „Überknöchler“ mit schmerzverzerrtem Gesicht weiterhumpeln. Der Mosesberg (2.283 Meter hoch) und der Katharinenberg (mit 2.637 Metern Höhe) bildeten die anstrengendsten und kältesten Etappen. Auf bis zu -5°C fielen die Temperaturen nach Sonnenuntergang auf den Gipfeln. Tagsüber ging es bei über 40°C bergab weiter zur Westküste, wo Schiester nach elf Tagen überglücklich den Zielort El Tor erreichte.

Trotz der Strapazen fiel das Resümee des Steirers durchwegs positiv aus: „Ich hatte weder konditionelle noch muskuläre Schwierigkeiten. Ich konnte immer wieder ohne Probleme bis an die Grenzen gehen, sowohl körperlich als auch mental. Das Training in der Sauna hat sich definitiv ausgezahlt.“ Auch in Sachen Material war Sinai eine Reise wert: Drei Paar Schuhe, sechs Paar Socken, verschiedene Stirnlampen, drei Rucksäcke sowie Schlafsack und Isomatte wurden für den kommende Wüstenläufe getestet. Die optimale Ausrüstung steht jetzt fest.

Den Beduinen konnte Schiester wertvolle Tipps in Hinsicht Ernährung abschauen. So werden getrocknete Datteln und ein spezieller Hirsebrei bei seinen kommenden Wüstenabenteuern zum täglich Brot gehören.

„Es war ein gelungener Test, abgerechnet wird jedoch erst bei den Rennen. Die Erfahrung und die spirituellen Momente in Sinai kann mir aber keiner mehr nehmen. Es war wirklich unglaublich zu sehen, mit wie wenig der Mensch auskommen und dennoch gute Leistungen erzielen kann“, erklärt der zweifache Familienvater.

Zielsprint der Sinaiquerung

Bild: Karl Lüger, Red Bull Photofiles

Geschafft! Christian Schiester erreicht per Sprint ins Meer den Golf von Suez.

Seine sonstigen Erlebnisse in der Wüste schildert Schiester so: „ Wir haben uns vor Militärpatrouillen versteckt, uns mit einem spröden Schlauch zehn Meter abgeseilt, die nette Bekanntschaft mit bewaffneten Opiumbauern gemacht und uns durch militärisches Sperrgebiet mit herumliegenden Granaten geschlichen. Also nicht nur sportlich hat Sinai des Öfteren für hohen Puls gesorgt!“

Für den Extremläufer dauert die Pause nach seiner Rückkehr in das winterliche Österreich nur kurz: Im März wird er zum nächsten Wüstenabenteuer aufbrechen, dort startet er beim ersten Desert Cup (250 km in sechs Tagen) in der Atacama Wüste Chiles.


Infos: Roland Bogensperger
Bilder: Karl Lüger, Red Bull Photofiles