Martin Kreitzberg beim New-York-Marathon 2014

50. Marathon zum 50. Geburtstag

Die Serie ist komplett: Unser Leserreporter Martin Kreitzberg finishte beim New-York-Marathon 2014 zum 50. Mal über die 42,195 Kilometer.

Martin Kreitzberg beim New-York-Marathon 2014 - Die Fotos

20 Monate liegen jetzt hinter mir, 20 Monate des Projekts "race2NewYork". Die Idee, meinem 50. Geburtstag ein Motto zugeben, war anstrengend; und als ich es dann gefunden hatte, war die Umsetzung noch anstrengender. Um in New York meinen 50. Marathon finishen zu können, mussten innerhalb von 20 Monaten 13 Marathons gelaufen werden.

Martin Kreitzberg war beim New-York-Marathon 2014 mit der Kamera unterwegs. Es war sein 50. Marathon. Damit erfüllte er sich einen Traum zum 50. Geburtstag.

Bild: privat

Es begann im April 2013 mit dem Wien-Marathon, es folgten Hamburg, Düsseldorf, Duisburg, Münster, Köln und meine Geburtstags-Feier, dann die Rheinische Post, und immer Training und schreiben, schreiben, nochmals schreiben und natürlich laufen. In 2014 ging es mit Bonn weiter, Rotterdam, Düsseldorf, Hamburg, Duisburg, Berlin und Essen. Ich konnte es kaum glauben, ich hatte es geschafft. Vor New York 49 Marathon zu finishen. Es war angerichtet, es konnte los gehen. Auf nach New York mit meinem Begleiter Robert!

Am Marathontag geht um 4:15 Uhr der Wecker, dabei wird mein Start erst um 10:55 Uhr erfolgen. Ich will nicht aufstehen und ich stehe auch nicht auf, jedenfalls nicht um 4:15. Um 5 Uhr ziehe ich mich dann doch an, um nach unten zugehen, denn der Bus fährt um 5:45 Uhr und wartet auf keinen. Auf mich erst recht nicht, denn eine Reiseleiterin ist Kölnerin - Ihr versteht was ich meine.

Im Bus geht es zum Start nach Fort Wadsworth, wo sich 52.000 Läufer versammeln, um über die Verrazano Brücke zu laufen - wenn Sie dran sind. Über 800 Busse laden dort die Läufer ab. Bis bis 7 Uhr müssen alle die mit den Bussen kommen dort sein, denn dann wir die Brücke für den Verkehr geschlossen. Wahnsinn. Andere kommen mit der Staten Island Fähre oder mit dem Taxi, wenn sie nicht mit dem Bus kommen können.

Dort angekommen, suchen wir unser Dorf. Es gibt drei Dörfer - grün, blau und orange. In den Dörfern gibt es Kaffee und Bagels zum Frühstück. Wir stellen uns artig in die Reihe für den Kaffee und den trockenen Bagel und suchen uns dann ein windgeschütztes Plätzchen. Was nicht einfach zu finden ist.

Die Dörfer sehen aus wie eine Heerschar von Obdachlosen. Alle kauern auf dem Boden zusammen, sitzen auf Pappkartons oder Kissen, eingepackt in allerlei verschiedenen Decken, Folien oder sonst was, wir übrigens auch. Zwei Jogginghosen, zwei Sweatshirts, Mütze, Schal klingt irgendwie nach Expedition in die Antarktis. Es ist kalt und windig.

"Und plötzlich treffe ich Andreas aus Bonn beim New-York-Marathon"

Wir finden einen netten Platz, ich hatte mir was zu lesen mitgebracht – die ZEIT. Ich wollte ja als guter deutscher Bildungsbürger hier auffallen. Und ich sag es Euch, ich falle auf. Als ich die Zeitung ausbreite, melden sich sofort Deutsche, aber nicht irgendwelche Deutsche, sondern welche, die wir kennen. Der nette Bonner, der mir beim Bonn-Marathon ein Bier angeboten hatte, Andreas, wollte ja auch in New York laufen. Unter 52.000 Läufern finde ich DEN ANDREAS aus Bonn. WAHNSINN.

Die Zeit geht zum Glück schnell vorüber, auch dank der ZEIT. Endlich wird die letzte Welle aufgerufen, meine Welle. Nun zählt es.

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Bildergalerie: New-York-Marathon 2014 - Fotos
Foto: Norbert Wilhelmi

Mein 50. Marathon beginnt mit der amerikanischen Nationalhymne und Frank Sinatras "New York, New York". Gänsehaut. Über die Verrazano-Brücke geht es von Staten Island über Brooklyn, Queens und die Bronx nach Manhattan. Das Gerücht, dass die oben laufenden pinkeln und die unten nass werden, bestätigt sich nicht.

Mit 60 Stundenkilometern fegt der Wind durch die Gassen

Die Verrazano-Brücke ist der höchste Punkt der Strecke und drei Kilometer lang, der Wind bläst sehr kräftig - laut Zeitung 60 Stundenkilometer. Es ist so kalt und der Wind so stark, dass man sich anstrengen muss, die Spur zu halten. In Brooklyn werden wir von einer braunen UPS-Flotte überholt, die die ganzen Klamotten der Teilnehmer zum Central Park bringen - unzählige Fahrzeuge.

Endlich auch Zuschauer! In Brooklyn hatten viele Zuschauer Willkommensschilder gemalt und stehen am Rand um uns anzufeuern. Hier sind auch die ersten der unzähligen Bands und spielen für uns Läufer. Läufer so weit das Auge sieht. Auch nach 10 Kilometern ist das Feld noch so voll. Hier merkt man, dass etwa 75 % der Läufer Erstläufer sind. Das Wetter ist toll, zwar windig, aber nicht so wie auf der Brücke, und die Sonne ist durch gekommen.

Ein Läufer schließt sich einer Band an, ein Mundharmoniker. Da muss man stehen bleiben und zuhören, der spielt so toll und die Band geht voll darauf ein. Es geht durch Brooklyn in Richtung Williamsburg. Eigentlich sollten meine Kinder als erste Zwischenstadion in Downtown Brooklyn sein, aber die U-Bahnen sind so voll, dass wir uns erst am zweiten Punkt sehen werden. Die Bands am Rand sind einfach fantastisch. In Brooklyn spielt ein tolles Jugendblasorchester, da muss man stehen bleiben und den Mädels und Jungs Applaus geben: "Thank you for your support to us". Auch laola geht. Junge Menschen werden von dem Verrückten aus Germany mit dem rotweißen Trikot nach allen Regeln der Kunst dazu verführt. Rheinländer halt.

Halbzeit. Und ein fantastischer Blick auf die Skyline von Manhatten

In Williamsburg ist es totenstill, keine riesigen Zuschauermengen, sondern vielmehr entgeistert schauende Kinder und Erwachsene. In Williamsburg leben überwiegend orthodoxe Juden. Wir kommen in Richtung Halbzeit. Von der Pulaski Brigde genießen wir einen fantastischen Blick auf die Skyline von Manhattan. Kurz vor der Queensboro Brigde sehe ich endlich meine Kinder. Leicht sind sie zu erkennen, die rotweiße Fahne weht im Wind. Die ersten Läufer dehnen sich und gehen. Das hatte ich bei Kilometer 25 vorher noch nie gesehen!

Jetzt noch die First Avenue hoch, acht Kilometer geradeaus und hoch und runter. Ich treffe Andreas, der eine halbe Stunde vor mir gestartet ist. Er hat immer noch seinen Fußball auf dem Kopf. Zeiten sind hier egal, der Spaß steht im Vordergrund, das Erlebnis, die Anerkennung, nachher der Stolz, es geschafft zuhaben. Dies ist allen Läufern anzumerken und wird sich noch Tage in der Stadt sichtbar machen, denn jeder, der mit der Finishermedaille herum läuft (ich bin damit eine Woche zum Leidwesen meiner Kinder herumgelaufen), erhält überall Zuspruch und Anerkennung. Die Amerikaner bewundern ihre Helden.

Immer noch stehen viele Leute am Rand, die uns Läufer frenetisch anfeuern. Über zwei Brücken noch – Willis Ave. Bridge und Madison Brigde – nach Harleem und dann über die Fifth Avenue in Richtung Central Park. Unzählige Menschen säumen die Fifth Avenue. Noch vier Meilen. Gemalte Motivationssprüche von Kinder hängen an Parks und machen Mut, auch die letzten Meilen zu schaffen. Und dann ist es da, das Schild "Central Park Welcomes You". Ich bekomme beim Schreiben noch Gänsehaut, es ist einfach unbeschreiblich, ich höre auf meinem iPhone mein oder unser Lied – Tage wie diese. Wie perfekt ist das denn? Und danach "Auf uns". Einfach Gänsehaut. Noch zwei Meilen.

Meine Kinder haben es leider nicht mit der Fahne zum Ziel geschafft; egal, ich laufe auch ohne Fahne aber mit unseren Farben Rot-Weiß erhobenen Hauptes ins Ziel. Geschafft. Ich überglücklich. Ich hab es tatsächlich geschafft, nur für mich. Ein wenig Stolz schwingt da mit.

Hat Leserreporter Martin Kreitzberg es nach dem New-York-Marathon in die New York Times geschafft?

Mission accomplished, Medaille, Küsschen rechts und links, und dann ab ins Hotel. Leider ist der Weg vom Ziel zum Ausgang verdammt lang, ein gefühlter Marathon. Am Ausgang des Central Parkes sieht es aus, als ob eine Prozession von blau gekleideten Klu-Klux-Clan-Mitgliedern sich den Weg bahnt. Als ich nach einer Odyssee im Hotel ankomme, ist Robert schon da. Erschöpft aber glücklich, er hat trotz seiner Erkältung den New-York-Marathon geschafft. Nach einem kleinen Schläfchen feiern wir Helden bei Bier, Pizza und Nudeln.

Am nächsten Morgen kaufen wir uns sofort die New York Times, um zu schauen, ob ich es - Robert hatte es bestimmt geschafft - in die Times geschafft hatte. Ich hatte es nicht geschafft, naja war zu erwarten bei 5:06 Stunden, aber egal. Robert und ich sind sofort los, um mit dem Chefredakteur der New York Times zu reden. So nicht!

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