Wien-Marathon-Jubiläum

30.000 Läufer und Jagd auf Kursrekorde

Der Jubiläumsmarathon wird ein Rekordlauf: Mehr als 30.000 Läufer haben für den Wien Marathon gemeldet.

Wien Marathon 2008

Tomo Morimoto und Luminita Talpos posieren vor den Werbeplakaten, auf denen sie selbst abgebildet sind.

Der 25. Wien-Marathon verspricht am Sonntag nicht nur das größte sondern auch das hochklassigste Lauf-Event zu werden, das es in Österreich bisher gegeben hat. Schon vor dem Start hat die Jubiläumsveranstaltung Rekorde gebrochen: Ohne Nachmeldungen, die nur noch am Freitag möglich waren, hatten für die Veranstaltung alles zusammen 29.228 aus über 100 Nationen gemeldet. Diese Zahl dürfte noch auf knapp 30.000 ansteigen. Das Elitefeld ist derart besetzt, dass beide Streckenrekorde gebrochen werden können. Die Kursbestzeiten werden zurzeit vom Marokkaner Lahoucine Mrikik (2:08:20 Stunden/2006) und der Italienerin Maura Viceconte (2.23:47/2000) gehalten.

Gemessen an ihren Bestzeiten sind die Kenianer Wilson Onsare und Abel Kirui die Favoriten am Sonntag. Beide liefen bereits unter 2:07 Stunden. Onsare ist dabei mit 2:06:47 etwas schneller, allerdings ist seine Marke auch schon fünf Jahre alt. Daher gilt eher Abel Kirui als Favorit. Bisher hat er eine Bestleistung von 2:06:51 Stunden, die er im vergangenen September als Zweiter des Berlin-Marathons aufstellte – damals war nur einer schneller als Abel Kirui: Haile Gebrselassie, der mit 2:04:26 einen Weltrekord aufstellte.

Kiruis Marathonkarriere hatte 2006 in Berlin begonnen, als er als Pacemaker bei Gebrselassies Weltrekordversuch rannte. Nachdem er die 35-km-Marke nach 1:45:23 Stunden passiert hatte, lief er weiter und war nach 2:17:47 im Ziel. In der Zwischenzeit denkt er selbst daran, einen Weltrekordversuch zu unternehmen: „Der Weltrekord ist wirklich ein Ziel für mich. Ich will ihn brechen – warum sollte es mir nicht gelingen“, sagte Abel Kirui in der Pressekonferenz zwei Tage vor dem Start. Damit löste er sowohl bei den Veranstaltern als auch den Journalisten Erstaunen aus. Denn ein derartiges Tempo ist in Wien nicht geplant. Der 25-jährige Kirui erklärte anschließend allerdings, dass dies ein Ziel für die Zukunft sei. „Am Sonntag möchte ich die erste Hälfte in 63:30 Minuten laufen. Und vielleicht geht es im zweiten Abschnitt noch etwas schneller.“

Seine Landsleute werden Abel Kiruis Hauptkonkurrenten sein. „Bei gutem Wetter möchte ich meine persönliche Bestzeit steigern“, sagte Paul Biwott, der bisher 2:08:17 zu stehen hat. Duncan Kibet und Philemon Kisang sind zwei weitere Kenianer, denen eine Überraschung zuzutrauen ist. Beide rennen ihr Debüt und haben viel versprechende Bestzeiten über die Halbmarathon-Strecke. Kibet lief vor zwei Jahren in San Jose (USA) 60:22, Kisang erreichte 60:55 bei seinem Sieg in Mailand vor einem Jahr. Das hochklassige Stramilano-Rennen entschied er auch Anfang April wieder für sich.

„Ich werde auf jeden Fall mit der Spitzengruppe mitlaufen“, sagte Duncan Kibet. Der 29-Jährige hatte die vielleicht bestmöglichen Trainingspartner in seiner Vorbereitung auf das Debüt. Er gehört zur Gruppe des italienischen Managers Dr. Gabriele Rosa. „Ich habe mein komplettes Training zusammen mit Martin Lel und Robert Cheruiyot absolviert“, sagte Duncan Kibet. Lel hatte am 13. April den London-Marathon gewonnen, Cheruiyot triumphierte acht Tage später in Boston.

Nachdem sie die Olympia-Nominierung knapp verpasst hatte, entschloss sich Tomo Morimoto zu einem neuen Start beim Wien-Marathon. „Vor zwei Jahren habe ich hier meinen ersten Marathonsieg gefeiert. Ich bin zudem eine gute Zeit gelaufen, die immer noch meine persönliche Bestzeit ist. Ich habe gute Erinnerungen an Wien und habe mich daher entschlossen, hier an den Start zu gehen“, erklärte die 24-jährige Japanerin, die als Ersatzläuferin für Peking vorgesehen ist. 2006 war sie in Wien 2:24:33 gelaufen. „Diese Zeit möchte ich am Sonntag verbessern.“ Gut möglich, dass am Ende der Streckenrekord von 2:23:47 Stunden fällt.

Mit der Startnummer 1 geht allerdings eine andere Läuferin an den Start: Vorjahressiegerin Luminita Talpos. Bei sehr hohen Temperaturen war die Rumänin vor einem Jahr 2:32:21 Stunden gelaufen. „Mein Ziel ist die Olympiaqualifikation. Wahrscheinlich wird dafür eine Zeit um 2:28 Stunden reichen. Aber ich fühle mich in Form für einen schnelleren Lauf. Ich hoffe, dass ich mich auf 2:25 verbessern kann“, sagte Luminita Talpos, die bisher 2:27:32 erreichte.

Eine andere, die vielleicht ganz vorne mitlaufen kann, ist Beatrice Omwanza. Die Bestzeit der Kenianerin steht bei 2:27:19 Stunden, gelaufen in Berlin 2004. „Dass ich diese Zeit in den vergangenen Jahren nicht mehr verbessern konnte, hing mit meinen Trainingsbedingungen zusammen. Ich habe bis zum letzten Jahr parallel gearbeitet für die kenianische Post. Aber inzwischen habe ich diesen Job aufgegeben und konzentriere mich vollkommen auf das Laufen“, sagte Beatrice Omwanza.

Text: race-news-service.com
Foto: photorun.net


Duncan Kibet und Abel Kirui (rechts) vor dem Wien-Marathon.