Leser-Reporter Ursel und Ingo Plehwe

200 km durch die Bilderbuch-Landschaft Bhutans

Leser-Reporter Ursel und Ingo Plehwe wagten sich an diese Herausforderung: den Global Limits Run in Bhutan. Sechs Tage ging es über 200 km durch unberührte Bilderbuch-Landschaften.

Global Limits Run Bhutan

Das ist ein hartes Stück: Ursel und Ingo laufen beim Global Limits Run in Butan 200 km in sechs Tagen. Zur Belohnung gibt´s malerische Landschaften.

Bild: privat

Eigentlich haben wir nie geglaubt an mehreren Tagen hintereinander laufen zu können, aber nach einigen Straßenmarathons, Berg- und Trailläufen wagten meine Frau Ursel und ich auch diese Herausforderung. Durch zwei Trecking-Touren in Tibet kannten wir das Höhenklima. Die Länge der Etappen konnten uns auch nicht schrecken, aber alles zusammen 200 Kilometer in sechs Tagen, 10.000 Meter rauf und 8.000 runter, darunter Pässe mit jeweils 3.500 m zu queren: Das war eine neue Herausforderung!

Wo ist Bhutan?

"Wo ist Buthan?" war die häufigste Frage unserer Freunde. Ganz einfach: Tibet - rechts ab oder Indien etwas rauf, schon ist man in dem Land am Rande des Himalayas, des Donnerdrachens und ewigen Glücklichseiens. Touristisch ist es sehr zurückhaltend, was den Ursprung des Landes erhalten soll und mit einem täglichen Zwangsumtausch von 250 Dollar für Hotel und Essen, was die Qualität des Tourismus hochhält. Der Buddhismus ist allgegenwärtig, die Religion bestimmt das Leben und die Einstellung der freundlichen meist offenen Menschen. Frühes Buchen der Flüge ist ein "Muss", da ausschließlich die staatliche Drukair den einzigen Flughafen Buthans in Paro via Delhi oder Katmandu bedient.

Organisiert von Global Limits unter der Leitung des ehemaligen Race-Champions Stefan Betzelt wurden wir von seinem perfekten Organisations- und Ärzteteam in Thimpu der Hauptstadt Buthans am ersten Tag empfangen. Gleich am ersten Abend gab es eine strenge Kontrolle der Pflichtausrüstung mit anschließendem Kennenlernen beim Abendbuffet. Viele in der Ultraszene bekannte Namen sind bei unserer Premier dabei: Karim Mosta, Michael Snehotta und andere erfahrene Läufer, die mit vielen Berichten von anderen Ultraläufen uns Greenhorns zu beeindrucken wissen.

Das Läuferfeld mit 36 Teilnehmern war nicht nur international aus 18 Nationen besetzt, sondern auch mit allen Alterstufen abgedeckt. Die Jüngste, Jacqueline, ist 18 und der Älteste mit 74 ist Hans Schmid.

Immer noch gut drauf: Ursel und Ingo Plehwe beim Global Limits Run in Bhutan.

Bild: privat

Die erste Etappe beim Global Limits Run in Bhutan

Am nächsten Morgen geht es nach der ersten Übernachtung in einem gut vorbereiteten Zeltcamp am Punakha-Kloster auf die erste Etappe des Global Limits Runs, aber nicht ohne den obligaten Segen des Lama und die Nationalhymne aus 500 Kehlen buthanischer Schüler präsentiert zu bekommen, und das an seinem schulfreien Sonntag - eine organisatorische Meisterleistung. Eine Flachstrecke über 31 km ist immer gut, aber bei mehr als 32 Grad ist das Hinterlassen eines Sohlenmusters im Asphalt das einzige Vergnügen. Nur alle zehn Kilometer können wir an einem Checkpoint Wasser fassen.

Die Strecke ist mit orangefarbigen Bändern und Pfeilen markiert, doch durch die fantastischen Impressionen von Land und Leute ist man häufig abgelenkt und so wird das Auffinden manchmal zur wahren Schnitzeljagd. Noch ein kurzer Anstieg auf 1.750 Meter und das zweite Camp im Innenhof eines Klosters erwartet uns mit einer willkommenen Abkühlung aus dem Schlauch und einer Finisher-Cola. Wie auf der ganzen Tour darf man natürlich einen 5-Sterne-Badkomfort nicht erwarten. Freiluft-Dusche, Fluss oder Schlauch müssen meist genügen.

Müde Füße bei der zweiten Etappe des Global Limits Run

Auf der zweiten Etappe über 29 km sollen unsere etwas müden Füße am frühen Morgen den ersten Pass mit 3.500 Höhenmetern erklimmen. Wir lassen es gemütlich angehen. Es kommen ja noch einige Etappen, und die canyonartigen eingekerbten Singletrails im Regenwald sind auch für die riesigen Stechmücken ein fantastisches Jagdrevier. Nur nicht stehen bleiben, sonst wird man gefressen. Aber besser trocken gestochen als bei Regen von Blutegeln angesaugt zu werden. Die sind auf dieser zweiten Etappe bekannt und werden mit einer Geheim-Mischung von Tabak und Salz ferngehalten.

So kommen wir nach sechseinhalb Stunden und einigen Stichen, aber ohne Blutegel, in einem Bauernhaus auf 2.500 m Höhe an. Sammelquartier ist angesagt und jeder Ankommende sucht sich für seinen Schlafsack einen Platz: Schnarcher oder Nicht-Schnarcher. Der Luxus einer warmen Dusche und gutem Essen muntern auch die Letzten auf für die Bewältigung der dritten Etappe: Über 28 km geht es am nächsten Morgen um 6.30 Uhr zum Pajoding Kloster auf 3.600 m. Ein Höllen-Aufstieg, der nie ein Ende finden will. Global Limits sponsert hier in diesem, eines der ärmsten Kloster Buthans, für 6 Monate einen Englischlehrer. Denn ohne Bildung ist man nichts, sagt man hier.

Bevor wir hier jedoch bei den Mönchen ein barmherziges Nachtquartier finden, gilt es ein versprochenes Fußballmatch anzutreten. Der in diesem Höhenlager wohltrainierten Mönchsequipe haben wir leider nichts entgegenzusetzen. 2:3 unterliegen wir gerne und legen unser müdes Haupt nieder. Viele Blessuren, Blasen, blaue Zehen und geschundene Gelenke werden früh am nächsten morgen zur vierten Etappe versorgt. Die Medizinmänner und -frauen haben einiges zu tun, sind aber immer gut gelaunt. So was spornt auch uns an!

Also noch mal 100 Meter raufklettern zu unserem Start auf 3.700 m und los. 37 km, erst viel abwärts, dann über den Pass 3.500 m herauf und hinunter auf 2.280 m, wo uns ein neues Sammelquartier in einem alten Bauerngehöft erwartet. Wer noch nie ein Kräuterbad im Holzzuber mit heißen Steine erwärmt genossen hat: Hier ist die Gelegenheit. Stefan als Race-Direktor hatte diese Wohltat gesponsert. Super! Warum sollte man weiterlaufen, zumal die fünfte Etappe mit 52 km die Königsetappe ist? Lieber bleibe ich Kaiser im warmen Bad.

"Explore your limits" ist die Devise, also auf und weiter! Durch Reisfelder, über schwankende Brücken, auf schmalen Mauern, rechts der Abgrund, links das Wasser, eine Runde um den Flugplatz von Paro auf Asphalt und hinauf über eine nicht enden wollende Staßenbaustelle. Hier werden Buthans Gelder in die Erneuerung der Infrastruktur gesteckt. Steine klopfende Frauen, viele lachende und uns anfeuernde Kinder, die man auch nach dem vierzigsten noch abklatscht. Wo kommen die nur alle her?

Global Limits Run Bhutan

Bild: privat

Wasser fassen an der längsten Hänge-Brücke Bhutans: Ingo Plehwe beim Global Limits Run 2014 in Bhutan.

Das lang ersehnte Ziel und die Dusche im 5-Sterne-Hotel

Am Ende der Straße ist unter Ziel in der Ruine eines ehemaligen Klosters. Wir durchlaufen das Finisherbanner als 3. Nichts mit Ausruhen, unser Camp ist leider 200 Meter tiefer. Aber auch diese Etappe ist eingesackt. Also essen, am Bach die Füße kühlen, die Ankommenden anfeuern, wie wir es immer tun, und schlafen. Nach der Katzenwäsche im Bach geht es zum großen Finale. Zwar nur 15 km, aber die Krönung sind die letzten vier Kilometer. Der Aufstieg zum Tiegersnest, das bekannteste Kloster Buthans, das durch seinen Brand im Jahre 1998 zu trauriger Berühmtheit gekommen ist.

Nach mehr als 400 Stufen und auf 3.050 m Höhe, bekommen wir einen prächtigen Empfang und durchschreiten das Finisherband. Eine ausführliche Besichtigung des Buddistischen Tempellabyrints krönt diesen Aufenhalt. Aber auf uns wartet noch der Himmel auf Erden in Form eines 5-Sterne-Hotels. Unendliches Duschen und ein riesiges Bett lassen die Anstrengungen vergangener Tage in weite Ferne rücken. In einer prächtigen Abendgala zu Ehren aller Finisher werden auch uns die Weihen zur Bewältigung mehrtägiger Runs erteilt.

Also auf zur Premiere im März 2015 über 210 Kilometer in Sri Lanka. Sicher mit vertrauten Gesichtern und ebenso gut organisiert von und mit Global Limits frei nach der Devise "Explore your Limits."

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