Leser-Reporter Arne Brandes in Chicago

19 Plätze vor dem Star aus Kenia

Yes, I finished vertical! Leser-Reporter Arne Brandes berichtet davon, wie er beim Chicago-Marathon 2013 aufrecht ins Ziel kam - und wie er 19 Plätze vor einem Star aus Kenia liegen konnte.

Leser-Reporter Chicago Arne Brandes Artikel

Mit Chicago-Sieger Dennis Kimetto (Mitte) im selben Flieger.

Bild: privat

Wie nah wir uns mit unserem sportlichen Hobby in der Nähe von Weltklasse-Sportlern befinden und sogar in Wettkämpfen direkt gegen diese antreten dürfen, das wurde mir auf meinem Rückflug von Chicago nach Amsterdam bewusst. Als der Pilot unseres Fluges KL0612 von Chicago nach Amsterdam den Sieger des Chicago-Marathons, den Kenianer Dennis Kimetto, von großem Applaus begleitet an Bord begrüßte, lag ich mit Sitzreihe 25 stolze 19 Plätze vor ihm.

Am Vortag noch lag ich 11.013 Plätze hinter ihm, und wir kämpften in derselben Wertung gegeneinander. Weder in der Formel-1 noch im Tennis, Fußball oder der Tour de France wäre es für uns möglich, gegen die Weltspitze im Profisport anzutreten.

Mit der Begegnung im Flugzeug endete mein diesjähriges Highlight: Der Bank of America Chicago-Marathon.

Der Start meines neuen Ziels begann bereits im Januar. Die Online-Anmeldung dauerte gerade mal drei Stunden, dann waren nach diversen Abstürzen der Webseite die mehr als 40.000 Startplätze bereits vergriffen. Die erste Etappe, Geduldsprobe und Zittern, war also geschafft. Es hieß schon sehr früh: Startklar machen für Chicago.

Nach der langen Vorbereitungszeit landete ich bereits am Mittwoch vor dem Lauf rechtzeitig in Chicago, um mich vom Jetlag zu befreien und mich schnell in die amerikanischste Stadt der Vereinigten Staaten von Amerika, gelegen am Lake Michigan, einzuleben.

Als Tourist durch Chicago vor dem großen Tag.

Bild: privat

Mit mir taten dies schon tausende Andere, die man deutlich an Schuhen, Kleidung und den Starterbeuteln in der knapp 3 Millionen Einwohner zählenden Stadt als Läufer und Teilnehmer identifizieren konnte. Diese besuchten genau wie ich sämtliche Touristenattraktionen, die sitzend zu erleben waren. So fanden wir uns alle in Rundfahrtbussen und -booten, in Kaffees, Sportbars und Restaurants wieder, um zu verhindern, dass wir uns schon im Vorfeld platte Füße holten. Und es waren eben diese Sport-Touristen, die am letzten Abend vor dem großen Event in den Vapianos der Stadt wieder anzutreffen waren, um dadurch Wartezeiten von 60 bis 90 Minuten für eine Portion Pasta zu verursachen.

Am Sonntag, dem 13. Oktober 2013, war es dann endlich so weit: Nachdem mir einer der Organisatoren noch „Have good luck – and finish vertical!“ gewünscht hatte, wurde zunächst gemeinsam die amerikanische Nationalhymne gesungen und eine Showeinlage eines Militärjets über dem Grant Park dargeboten.

Nicht fehlen durfte ebenfalls eine Schweigeminute in Gedenken an die Opfer des Boston-Marathons im April dieses Jahres, in dessen Zeichen der Chicago-Marathon ebenfalls stand: Aus Sorge vor erneuten Terroranschlägen wurde die Laufstrecke von zahlreichen Polizisten, Militärs und FBI-Agenten mit Sprengstoffsuchhunden abgesucht. Sämtliche Mülltonnen entlang der Strecke wurden versiegelt und Briefkästen kurzerhand entfernt. Neu war auch, dass jeder Läufer, mit transparenten Kleiderbeuteln ausgestattet, gescannt und durchsucht wurde und dass der Läuferpark sowie der gesamte Start- und Zielbereich von der Öffentlichkeit nicht betreten werden durfte.

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