TransRockies Run

177 km durch die Rocky Mountains

Der TransRockies Run ist 177 km lang und überwindet mehr als 4876 Höhenmeter. Till Gottbrath berichtet.

TransRockies Run

Till Gottbrath informiert sich, was er zu tun hat, wenn er einen Bären trifft.

Der TransRockies Run ist ein Trail Running Wettbewerb über 5 Tage im Herzen der Rocky Mountains in Colorado und führt von Beaver Creek nach Aspen. Die Strecke ist rund 177 km lang und überwindet im Aufstieg über 4876 Höhenmeter.

Till Gottbrath ist unser Mann in den Rocky Mountains und berichtet in Tagebuchform vom Etappenlauf. Der ehemalige Chefredakteur der Zeitschrift ‘Outdoor’ nahm bereits zweimal erfolgreich am „Transalpine Run“ teil.

Tag 1: Beaver Creek Resort nach Vail – 15.09 Meilen, 3993 Feet / 24,28 km, 1217 Höhenmeter im Aufstieg. Unsere Zeit 3:29 h, mein Durchschnittspuls 164, Maximalpuls 177, 2032 verbrannte Kalorien.

Der Morgen beginnt mit einer freudigen Überraschung: Mein Ruhepuls liegt bei 56 – und das auf einer Höhe von 2480 Metern. Zuhause habe ich zurzeit 52. Das heißt: Ich bin ganz gut akklimatisiert. Es geht gleich mit einer Überraschung weiter: Als wir das Startgelände erreichen, trottet gerade ein Bär die Skipiste hinauf, nach dem er zuvor die Gore-Tex-Banner vergeblich auf deren Essbarkeit untersucht hatte.

Das Frühstück ist die dritte Überraschung: Fette Pancakes mit triefendem Zuckersirup, Sahne als Option, falls es jemandem zu leicht ist, weiterhin fettes Rührei und als Krönung der Sporternährung echte amerikanischer, kross gebackener Speck. Da lacht das Sportlerherz. Aber ich will mich nicht beschweren: When in America, do as the Americans do!

Nach dem letzten Briefing geht es dann endlich los. Wie üblich tönt „Highway to Hell“ volle Lautstärke aus den Boxen – was die meisten Starter verblüffend kalt lässt. Das ist anders beim Transalpine Run, wo die Masse tobt. Dann geht es erst mal 300 Meter bergauf über Skipisten und danach auf einem sehr schönen Single Trail hinunter Richtung Avon. Dort im Haupttal beginnt der unangenehme Teil des Tages: Rund 10 km neben und teils auf dem Seitenstreifen einer Hauptstraße. Ein warmer Wind steht uns satt im Gesicht, es ist fies zu laufen, die Oberschenkelmuskeln verhärten sich.

Nach rund 18 km biegen wir dann endlich in ein enges Seitental ab. Ein schmaler Single Trail führt dort nach oben – und mein in der Früh noch ach so schöner Puls ist irgendwie gar nicht mehr so niedrig… Im Gegenteil, er bewegt sich in Bereichen, die mir eigentlich Sorgen machen sollten. Aber irgendwie bin ich nicht so erschöpft, wie ich eigentlich sein sollte. Auch jetzt im Camp, wo ich dieses Tagebuch schreibe, sind meine Beine nicht so dick, wie ein Durchschnittspuls von 164 hätte erwarten lassen… Mal sehen, wie ich morgen drauf bin.

Noch kurz zur Zielankunft: Es war ein Wettlauf mit der Zeit, denn hinter uns baute sich ein finsteres Gewitter auf. Groß, mächtig, mit einer eiskalten Böenwalze – wir eilten uns und schafften es gerade so: Wir erreichen Eagle’s Nest (3145 m), einer der Gipfel des Skigebiets von Vail, genau als das Gewitter richtig losgeht. Wer nur drei Minuten nach uns ankommt, ist patschnass. Und wer fünf Minuten nach uns kommt, hat einen Hagelschaden an der Birne … ok, ok, ein bisschen übertrieben. Aber das Gewitter war satt!!


Den Bericht vom zweiten Tag finden Sie hier.

Die Begrüßung der Läufer.

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