Leser-Reporter Gunther Hörichs

118 Kilometer und 3.500 Höhenmeter an einem Tag

Leser-Reporter Gunther Hörichs lief den kompletten Malerweg in der Sächsischen Schweiz an einem Tag. Dabei bewältigte er 118 km und 3.500 Höhenmeter.

Start am Liebethaler Grund

Motiviert starten Gunther Hörichs und seine Mitstreiter nachts am Liebethaler Grund.

Bild: privat

Mit 118 km und 3.500 Höhenmeter ist der Malerweg eine harte Nuss

Im Herbst 2013 entstand bei mir die Idee den Malerweg in der Sächsischen Schweiz im Ganzen an einem Tag zu erlaufen.

Ursachen waren spannende Laufberichte aus verschiedenen Laufzeitschriften und natürlich eine gehörige Portion Abenteuerlust. In den Laufzeitschriften fiel mir auf, dass sich die Trailszene hauptsächlich im südwestlichen Teil der Republik tummelt. Die wunderschöne bizarre Felslandschaft der Sächsischen Schweiz erschien mir für die Trailszene als zu wenig bekannt und kaum erschlossen. Da der Malerweg in der Sächsischen Schweiz als einer der schönsten Wanderwege Deutschlands gut ausgeschildert und für jeden nachvollziehbar ist, erschienen mir die 118 km und rund 3.500 Höhenmeter als Herausforderung geeignet. Nach meinen Recherchen wurde der Malerweg bisher nur in mehreren Tagesetappen erlaufen, somit kam noch die Chance auf eine Premiere dazu.

Ambitionierte Mitstreiter waren in meiner Trainingsgruppe „Wolfsrudel“ des LSV Pirna schnell gefunden. Mit Egi (Egbert Röhr) und Uli (Ulrich Kimmel) konnte ich auf erfahrene Ultraläufer bauen. Mit 58 Jahren hatten wir einen ordentlichen Altersdurchschnitt. Zu uns gesellten sich noch kurzfristig die zwei Jungspunde Stefan und Heiko (Stefan und Heiko Wegner), die für sich dasselbe Vorhaben zwar erst für Juni geplant hatten aber die gemeinsame Premiere bevorzugten.

Für unser Vorhaben interessierte sich auch der Förderverein Nationalparkfreunde Sächsische Schweiz e.V. und bot Unterstützung zur Logistik und in Form von Shirts für uns drei „LSV-Läufer“ an. Das Angebot nahmen wir gern an, vereint doch Trailrunning Mensch und Natur hervorragend.

Die ersten zwölf Kilometer vom Startpunkt in Pirna-Liebethal bis Wehlen

Gut vorbereitet stehen wir fünf Männer zuzüglich Sonja am 18.04.2014 03:00 Uhr am Startpunkt in Pirna-Liebethal, dem Eingang zum Liebethaler Grund, bereit. Sonja wird uns bis zur knappen Hälfte der Tour begleiten. Ausgerechnet jetzt hatte sich die Stadt Pirna noch schnell entschieden und im ansonsten romantischen Grund eine kleine Brücke wegen Einsturzgefahr gesperrt. Selbstverständlich trauen wir uns nicht in der Dunkelheit die furchterregenden immerhin ca. 80 cm hohen Absperrgitter zu übersteigen. Vorbei an der alten Lochmühle, an der auch das Richard Wagner-Denkmal steht, geht es über Mühlsdorf Richtung Lohmen. Von Lohmen aus laufen wir durch den Uttewalder Grund und erreichen nach 12 km Stadt Wehlen an der Elbe, wo uns Annette bereits mit dem Begleitfahrzeug erwartet. Aufgeregt erzählt Sie uns von Ihren netten Begegnungen mit Mardern auf der Motorhaube. Bis dahin ist die Strecke zwar landschaftlich reizvoll, wovon wir wegen der Dunkelheit nichts sehen, aber wenig anspruchsvoll. Nur den Kopf muss man beim Felsentor rechtzeitig einziehen. Für die Warmlaufphase ist es ausreichend.

Von der Stadt Wehlen bis Hohnstein

Hinter Wehlen wird es endlich etwas anspruchsvoller und wir dürfen über schmale uralte Sandsteinstufen den Weg Richtung Bastei einschlagen. Auf der 76 m langen Basteibrücke, die ansonsten in der Saison unter einer Überpopulation an Touristen leidet, sind diesmal nur wir sechs Läufer. Welch herrliche Ruhe! Nach Überquerung der Basteibrücke mit wunderschönem „Es schlafen noch alle Blick“ übers Elbtal, geht es im Galopp wieder 180 Höhenmeter über viele Stufen runter ins Tal nach Kurort Rathen um gleich wieder den Aufstieg vorbei an der Amselfallbaude nach Rathewalde zu nehmen.

Vom anschließenden Hockstein mit Blick übers Polenztal nach Hohenstein steigen wir über die für heute erste Stiege durch die Wolfsschlucht mit seinem Felstunnel und viele weitere Stufen ins Polenztal hinunter. Schon nach wenigen Metern durchs Tal kommt der nächste Anstieg mit dem passenden Namen „Schindergraben“, bei dem endlich ein paar in den Weg gelegte junge Felsen zu umlaufen sind.

Nach nunmehr drei Stunden Laufzeit und 24 km ist wacht der Tag endlich auf und wir können unsere Stirnlampen vom Kopf in die Laufrucksäcke verbannen.

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