Olympia spezial

100 Jahre 42,195 Kilometer

Bei den Olympischen Spielen in Peking feierte der Marathon über 42,195 Kilometer sein 100-jähriges Jubiläum.

Der Marathon der Männer, der bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking als letzte Leichtathletik-Disziplin gestartet wurde und den der Kenianer Sammy Wanjiru gewann, gehört zu den ältesten leichtathletischen Disziplinen. Bereits 1896 bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit in Athen stand das Rennen auf dem Programm. Die heutige Streckenlänge allerdings feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum. Denn erst bei den Olympischen Spielen in London wurden am 24. Juli 1908 erstmals jene 42,195 km gelaufen, die heute Standard sind und für viele hunderttausend Freizeitläufer eine ebenso große wie beliebte Herausforderung.

Sammy Wanjiru, der spätere Sieger, übernimmt die Führung beim Marathon in Peking. Der Kenianer lief 2:06:32 Stunden und war damit fast 50 Minuten schneller als John Hayes vor 100 Jahren.

Bild: photorun.net

Es klingt kurios, aber ohne den Ausbruch des Vesus zwei Jahre zuvor wäre die Distanz heute sicherlich eine andere. Eigentlich sollten die Olympischen Spiele 1908 nämlich in Rom stattfinden und nicht in London. Doch die Vulkan-Katastrophe mit über 100 Toten führte dazu, dass die Italiener die Spiele zurückgaben. Die Engländer sprangen ein.

Bei vorherigen Auflagen der Olympischen Spiele war die Marathondistanz nicht genau festgelegt. Sie betrug rund 40 Kilometer. Das wäre auch in Rom so gewesen. In London jedoch wurden daraus 1908 zum ersten Mal 42,195 km. Dass diese Länge herauskam, hängt wiederum mit dem britischen Königshaus zusammen. Die Strecke wurde damals vom Eingang des Olympiastadions rückwärts vermessen. 40 Kilometer waren in Eton erreicht. Doch der Startpunkt sollte direkt an der Ost-Terrasse des Schlosses Windsor liegen, damit die königliche Familie bequem zuschauen konnte. Von Eton betrug die Distanz bis dorthin noch gut eine Meile. Damit war die Strecke 42 Kilometer lang.

Doch dabei blieb es nicht, denn auch im Olympiastadion war eine Anpassung nötig. Das Ziel musste vor der königlichen Loge platziert werden. So kamen noch einmal 195 Meter hinzu: 42,195 km. Der Londoner Marathon des Jahres 1908 wurde allerdings nicht gleich zum Standardmaß. Das IOC beschloss 1914 zunächst eine Marathonlänge von genau 42 Kilometern. Doch nachdem die olympische Strecke in Amsterdam 1920 aufgrund der örtlichen Gegebenheiten auf 42,75 km verlängert worden war, begann die Diskussion von neuem. Es war schließlich die Weltrekord-Kommission des 1913 in Berlin gegründeten internationalen Leichtathletik-Verbandes IAAF, die ein Jahr nach den Spielen von Amsterdam beschloss, dass die Distanz fortan 42,195 km betragen soll.

Die 195 zusätzlichen Meter im Londoner Stadion kosteten übrigens 1908 Dorando Pietri den Olympiasieg. Der Italiener erreichte als erster das Stadion, brach jedoch erschöpft zusammen. Taumelnd schleppte er sich dann in Richtung Ziellinie. Als der US-Amerikaner John Hayes, der sich seine Kräfte besser eingeteilt hatte, das Stadion erreichte, konnten es einige Offizielle nicht mehr mit ansehen. Sie führten den Italiener über die Ziellinie, was zur Folge hatte, dass Dorando Pietri disqualifiziert wurde. Der Sieger hieß John Hayes in 2:55:18,4 Stunden.

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