Bernd Cullmann

"Meinen Start verdanke ich Armin"

Bernd Cullmann, war der Startläufer, Das er überhaupt in Rom starten durfte, hat er Armin Harry zu verdanken.

Für meinen Start in der Staffel hat sich Armin Hary starkgemacht. DLV-Präsident Max Danz wollte allen Ernstes noch ein Ausscheidungsrennen zwischen Manfred Steinbach, Walter Mahlendorf und mir festsetzen. Doch Armin sagte nur: „Bernd ist unser bester Startläufer. Wenn er nicht läuft, laufe ich auch nicht.“

Eine Viertelstunde vor dem Start war ich – wie immer in dieser Situation – unglaublich nervös. Ich habe oft gedacht: Ich gebe euch 50 Mark, wenn ich nicht starten muss. Aber als der Starter das Kommando zum Ausziehen gab, wurde ich ganz ruhig. Als hätte ich meine Nervosität mit dem Trainingsanzug ausgezogen. In der Startkurve saßen jede Menge deutsche Jugend­liche, die für Stimmung sorgten. Ich kam perfekt aus dem Block, da hat alles gepasst. Ich war schneller als der Startläufer der Engländer, Radford, auf der Bahn vor mir. Ray Norton, der zweite Amerikaner, war wohl etwas überrascht, lief zu früh los und übertrat die Wechselmarke – ich bin da nicht ganz unschuldig …

Es dauerte ja dann noch 15 Minuten, bis wir als Sieger feststanden. Ich hätte mich aber auch über die Silbermedaille gefreut – bei meiner Vorgeschichte! Diese Goldmedaille hing für mich wirklich am seidenen Faden. Nachdem ich 1960 deutscher Hallenmeister geworden war, schmerzte plötzlich ein Knie. Aber es war nicht der Meniskus, an dem ich 1959 operiert worden war. Es dauerte, bis ich endlich einen Arzt fand, der mir helfen konnte und mich mit zwei Cortisolspritzen für die deutsche Meisterschaft fit machte. Da wurde ich auf 100 Meter Zweiter hinter Armin, Vierter auf 200 und Meister mit der 100-Meter-Staffel. 14 Tage später, bei den Ost-West-Ausscheidungen für die Olympischen Spiele in Hannover, plagten mich die Folgen einer stümperhaften Backenzahnentfernung.

Ein paar Jahre lief es noch gut bei mir. 1961 wurde ich Hallenmeister in Stuttgart und verbesserte den inoffiziellen Weltrekord über 60 Yards. „Ein zweiter Armin Hary“, schrieben die Zeitungen. Meine Hoffnungen auf Tokio 1964 wurden dann aber durch die zweite Meniskus-OP zunichte gemacht. Seit 2010 habe ich ein neues Kniegelenk, mit dem ich mich wieder ganz gut bewegen kann. Zum Golfspielen reicht es jedenfalls und zum Edelsteinschleifen auch noch.

Meine Goldmedaille habe ich zu meinem 70. Geburtstag meiner Heimatstadt Idar-Oberstein geschenkt. Dort ist sie jetzt im Stadthaus für jedermann zu sehen. Es war ein Dank für den überwältigenden Empfang, den die Stadt mir 1960 nach Rom bereitet hat. Die Schüler hatten frei, 30.000 Menschen waren auf der Straße, man fuhr mich im offenen Auto durch die Stadt von der Felsenkirche zu meinem Heimatstadion des TuS Tiefenstein. Das war sehr erhebend.

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Armin Harry - der schnellste Sprinter den Deutschland je hatte


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