Auf der Strecke von 1970

"Ich und tausend andere im Central Park"

Ulrike Thurm Anyway-New-York-Marathon

Die Strecke wurde von tausenden Menschen gesäumt, die anfeuerten, Wasser reichten oder einfach nur motivierten.

Bild: Ulrike Thurm

Für mich war dies der ursprünglichste aller Marathonläufe, im echten Spirit. Dabei sein ist alles! Es ging nicht um irgendwelche Bestzeiten, Stunden, Minuten oder Sekunden, sondern um den wirklichen Sport, die Freude an der gemeinsamen Bewegung, die Begeisterung des Dabeiseins und des Ankommens. Der Run-Anyway-Marathon 2012.

Frenetisch gefeiert von der New Yorker Bevölkerung, ganz nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel! Da ich allerdings zu den wenigen Laufexoten gehöre, die ganz ohne Uhr läuft, also auch ohne moderne GPS Steuerung, hatte ich hier ein kleines Problem. Im Vorfeld hatte man mir gesagt, dass die Strecke um den Central Park eine Länge von sieben bis acht Kilometern hat, also die historische Marathonstrecke bedeutet, den Central Park fünf Mal zu umrunden. Mit meinen circa fünf bis sechs Kilometern von meinem Hotel bis zum Central Park müssten dann also fünf Umrundungen ausreichen. Gesagt, getan.

Ich wurde getragen von der Welle der Begeisterung entlang der Strecke, durch einen schottischen Dudelsackspieler, Schweizer Kuhglocken, afroamerikanischen Trommelgruppen, die aus vollstem Herzen geschmetterte amerikanische Nationalhymne, den Jubel und die Anfeuerungsrufe der entgegenkommenden Marathonläufer. Der Central Park wurde von den Marathonis in beiden Richtungen umrundet.

Auch wenn es keinen großen Zieleinlauf gab, jeder war stolz auf seine Leistung.

Bild: Norbert Wilhelmi

Aber irgendwann, zu Beginn der vierten Runde des extrem hügeligen Central Parks, schmerzten meine Beine unvorstellbar, klar, als Flachlandläuferin aus Berlin war ich diese Berge im Central Park nicht gewöhnt. Natürlich lief ich als Diabetikerin auch mit einem viel zu hohen Blutzuckerwert, denn ich wollte ja kein Risiko eingehen, ich dachte zu Anfangs, dass es keinerlei Verpflegung entlang der Strecke geben würde, keinerlei medizinische Betreuung, also musste ich alles, was ich auch für meine Diabetesversorgung im Notfall brauchen würde, mit mir tragen: Eine Blutketonmessgerät, den Precision Xceed mit Blutzucker- und Blutketonmessstreifen, Insulin, Einmalspritzen, Ersatzkatheter für die Insulinpumpe, meinen Freestyle Navigator, damit ich zumindest glukosemäßig richtig navigiert bin, Massen an Gels, da diese möglichst viele Kohlenhydrate bei geringem Gewicht gewährleisten und vor allem Wasser. Glücklicherweise gab es dann ja doch Verpflegung, vor allem „Wasserstellen“. Ich füllte also einmal pro Runde meine zwei kleinen Wasserflaschen, mehr konnte ich bei meiner sowieso schon sehr üppigen Versorgung in meiner Laufweste nicht transportieren, aber reichte das bei den hohen Blutzuckerwerten?

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"Ich hatte es geschafft!"