Dirk Bräutigam

"Ich freue mich schon auf das nächste Trainingscamp"

Dirk Bräutigam war 2012 erstmals im RUNNER'S-WORLD-Camp an der Algarve. Dieses Jahr kam er wieder und schildert seine Eindrücke aus zwei Jahren Camp-Erfahrung.

Dirk Bräutigam

Dirk Bräutigam nahm 2012 und 2013 am RUNNER'S WORLD-Trainingscamp teil.

Bild: Urs Weber

Zu Beginn meiner "Läuferkarriere" stieß ich auf die Werbung des RUNNER'S-WORLD-Camp an der Algarve. Sätze wie "Trainieren wie die Profis", "7 Tage Lauftraining der Extraklasse" fielen mir förmlich ins Gesicht. Da ich gerade in der Vorbereitung auf meinen ersten Marathon war, dachte ich mir, dass ein wenig professionelles Training nicht schaden könnte. Mein Interesse war geweckt.

Im Internet fand ich nähere Informationen über das Team, welches uns vor Ort betreut. Dort finden sich Laufpersönlichkeiten wie Martin Grüning, nicht nur stellvertretender Chefredakteur der Zeitschrift RUNNER'S WORLD, sondern auch ehemaliger Spitzenläufer mit einer Marathonbestzeit von 2:13 Stunden, und Sonja von Opel sowie Urs Weber, letzterer ebenfalls Redakteur bei RUNNER'S WORLD, die beide absolute Sportfreaks sind mit Marathonbestzeiten von denen ich nur träumen kann. Kurzum: Meine Neugier siegte und ich meldete mich zum Camp an der Algarve an. Kaum zu glauben das dies nun schon ein Jahr her ist und nun mein zweiter Besuch im Trainingslager anstand. Ja, ich bin einer der vielen Wiederholer, die sich alljährlich in den RUNNER'S-WORLD-Camps wieder treffen und dort zusammen trainieren.

Eine Vorabinformation an alle zukünftigen Teilnehmer. Nehmt unbedingt warme Laufsachen mit, d.h. auch lange Hosen, evtl. Mützen. Das Training beginnt morgens um 7 Uhr mit dem Morgenlauf in den Sonnenaufgang. Zu diesem Zeitpunkt des Tages sind die Temperaturen noch etwas kühl, dazu weht der Meerwind.

Am Flughafen fielen mir schon die typischen Camp-Mitstreiter auf. Sportlich gekleidet, schlank, Laufschuhe tragend. Man kam schnell ins Gespräch, was bei Läufern ja nie ein Problem darstellt. Nach rund drei Stunden Flug landeten wir am Flughafen Faro, wo wir von Sonja von Opel herzlich begrüsst und abgeholt wurden. Nach ca. einer Stunde Busfahrt erreichten wir das Hotel Yellow Monte Gordo Beach im beschaulichen Örtchen Monte Gordo. Monte Gordo ist ein kleines Örtchen, in dem die Freizeitangebote und Beschäftigungsmöglichkeiten ziemlich beschränkt sind. Der Strand und somit auch das Meer befinden sind nur fünf Gehminuten entfernt. Es gibt neben Bars und Restaurants kleine Geschäfte, wo man günstig einkaufen kann.

Für uns Sportler bietet es jedoch ein Paradies an Lauf- und Trainingsmöglichkeiten. Kilometerlange Laufstrecken, mal profiliert, mal asphaltiert, ein modernes Leichtathletikstadion, in dem viele Spitzensportler während des kalten Winters in Deutschland und anderswo trainieren. So kann es durchaus sein, dass man während des Tempotrainings auf Laufprofis wie Corinna Harrer trifft.

Nun aber zum Wesentlichen, dem Training: Täglich wird vor- und nachmittags eine Trainingseinheit verschiedener Dauer und Intensität angeboten. Im Prinzip konzentriert sich die Planung auf drei Kerneinheiten, und zwar einem Intervalltraining zur HFmax-Bestimmung, einem langen Lauf und einem 5-km-Wettkampf. Die übrigen Laufeinheiten sind locker und regenerativ. Zusätzlich werden nachmittags ausführliche Dehn- und Kraftübungsprogramme durchgeführt. Der eine oder andere Teilnehmer macht nebenbei noch weitere Einheiten, so dass teilweise ein Laufpensum von über 200 Kilometer in der Woche absolviert wird.

Das Intervalltraining findet Anfang der Woche im 3 km entfernten Leichtathletikstadion statt. Zuvor wird nach einem kurzen Aufwärmprogramm ein HFmax-Test durchgeführt. In verschiedenen Gruppen wird dann ein Intervalltraining durchgeführt. Der lange Lauf in der Mitte der Woche führt durch Pinienwälder und ein Naturschutzgebiet, einige Marathonis laufen über 30 km. Auch hier läuft man in verschiedenen Gruppen, so dass jeder die Strecke in seinem Tempo zurücklegen kann und keiner alleine laufen muss.

Der 5-km-Wettkampf ist der Höhepunkt am Ende der Woche. Die Wettkampfstrecke ist etwas profiliert, da die ersten 2 km durch den Pinienwald gehen. Leider hat mich in diesem Jahr bei km 4,1 mein Knie/Oberschenkel verlassen und ich durfte die letzten km ins Ziel humpeln. Es sei zu erwähnen, dass nicht derjenige Sieger wird, der als Erster das Ziel erreicht, sondern derjenige, der am Abend zuvor seine Laufzeit am besten eingeschätzt hat.

Für alle Frühaufsteher, aber auch für Morgenmuffel, startet täglich morgens um 7 Uhr ein Warm-up-Programm am Strand. Ja, ich weiß, ich fragte mich vorher auch, warum ich um Himmels Willen im Urlaub um 6.45 Uhr aufstehen sollte. Aber ihr werdet merken, dass es sich lohnt in der Gruppe gemeinsam am Strand dem Sonnenaufgang entgegenzulaufen und schon mal die Knochen und Gelenke für den Tag vorzubereiten. Ohnehin ist man abends nach dem straffen Programm so müde, dass das frühe Aufstehen kein Problem ist.

Zusammenfassend gesagt ist das Programm vielfältig, anspruchsvoll und fordernd, aber macht irre viel Spass. Da insgesamt vier Trainer anwesend waren (Daniel Eilers, Mitarbeiter bei RUNNER'S WORLD und ein erfahrener Läufer, sowie Sonja, Martin und Urs), konnte eine sehr gute Betreuung für jedes Leistungsvermögen gewährleistet werden. Ob Laufanfänger oder ambitionierter Freizeitläufer, jeder findet in den Gruppen seinen Platz. Gerade die tolle Gruppendynamik und die Motivation durch die Trainer ließ den einen oder anderen über sich hinauswachsen.

Abends traf man sich zu verschiedenen Vorträgen rund ums Laufen, Ernährung, Trainingsplanung und ließ dann den Abend bei einem Glas Bier oder Wein (natürlich auch bei Alkoholfreiem) ausklingen. Zudem war ein Mitarbeiter von Brooks anwesend, der Schuhe zum Testen dabei hatte. Zusätzlich gab es die Möglichkeit, nach einer Videoaufzeichnung eine Laufstilanalyse durchführen zu lassen.

Die Unterstützung, Betreuung und Beratung durch das Trainerteam war vorbildlich und sehr professionell. Alle Vier waren nicht nur tolle Begleiter, sondern sie standen immer mit Rat und Tat zur Seite und nahmen sich für jeden Zeit. Man spürte, dass sie das Laufen lieben und ihren Job gerne machen, sodass man von der positiven Einstellung förmlich angesteckt war. Was bei diesem Camp besonders ist, ist die Betreuung und Trainingsplanung auch über das Camp hinaus.

Insgesamt waren mehr als 40 Läufer verschiedenster Alters- und Leistungsklasse anwesend. Man kam schnell ins Gespräch und unternahm außerhalb der Trainingseinheiten viel miteinander. Freundschaften entstanden, die auch über das Camp hinaus gepflegt werden.

Am Ende des Camps stelle ich mir immer die Frage: Ist das Trainingscamp sinnvoll? Meiner Meinung nach zu 100 Prozent ja. Selten haben Freizeitläufer die Gelegenheit unter professioneller Anleitung zu trainieren. Ich habe in einer Woche sehr viel lernen und mein Training optimieren können. Ein mindestens genauso wichtiger Punkt ist das gemeinsame Training in Gruppen. Wenn man sonst, wie ich, eher Einzelläufer ist, wird man von der Gruppendynamik förmlich angesteckt und so manch einer erreicht Ziele, an die er zuvor noch gezweifelt hat. Und last but not least: Man enflieht den kalten und nassen Witterungen und läuft bei perfekten Temperaturen und hat einen wunderschönen Strand direkt vor der Nase. Ich freue mich jetzt schon wieder auf das nächste Trainingscamp.

Text: Dirk Bräutigam

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RUNNER'S-WORLD-Camp an der Algarve