Leserreporterin Sandra Kahl

"Haut mich der Mann mit dem Hammer raus?"

Eigentlich wollte Leserreporterin Sandra Kahl die Königsdiziplin den anderen überlassen, doch dann entschied sie sich für die Teilnahme am Frankfurt-Marathon.

Frankfurt-Marathon 2014 - Die Fotos
Leserreporterin Sandra Kahl

Sandra Kahl wollte eigentlich gar keinen Marathon laufen, doch dann wurde sie doch infiziert.

Bild: Privat

Der Frankfurt-Marathon war ein Erlebnis! Eigentlich wollte die respektvollen 42 Kilometer den anderen überlassen, für mich kam das nicht in Frage. Mit meinem normalen Training und einem Just-for-Fun-Lauf, bei dem ich 30 km lief, war mein Interesse trotzdem geweckt.

Vier Monate lange trainierte ich wie verrückt auf dieses Event hin - vom Halbmarathoni zum Marathoni war das Ziel. Dies blieb leider nicht ohne Folgen: Mit einer Überlastung im rechten Bein stehe ich am Start, aber voller Ehrgeiz. Ein Wechselbad der Gefühle! Habe ich genug trainiert trotz mehrerer Pausen durch die Überlastung? Schafft mein Bein das heute? Haut mich der Mann mit dem Hammer raus? Mein Ehrgeiz ist stark und ich will über den roten Teppich in die Festhalle einlaufen!

Der Startschuss lässt alle Beschwerden verschwinden

Aus dem letzten Startblock nehme ich nun die Herausforderung an. Um 10 Uhr fällt der Startschuss und lässt alle Beschwerden verschwinden. Man ist mit dem Umfeld eins und wartet darauf, dass sich die Welle in Bewegung setzt. Sechs Minuten später überquere ich die Startlinie. Mein Lauf beginnt. Leider ohne GPS-Uhr, die konnte in der Stadt keinen Empfang finden. Somit hatte ich keine Paceangabe. Aber was soll’s? Ich laufe und genieße es. Und trinken nicht vergessen, dachte ich mir unterwegs noch. Die ersten Kilometer flogen dahin, immer wieder kamen die schnelleren Läufer an uns vorbei. Bands sorgten für Stimmung. So auch die Zuschauer mit ihren Zurufen, und zwischendurch meine Freundin Annette, die für mich durch halb Frankfurt geflitzt ist, um mich anzufeuern. Danke Annette für deine Unterstützung! Und den tollen Motivationsschildern!

Der Lohn vieler anstrengender Kilometer: Der Einlauf nach 42 Kilometern in die Frankfurter Festhalle.

Bild: Privat

Bei Kilometer 21 war die Hälfte geschafft. Super! Jetzt nur noch die zweite Hälfte. Und schon fand ich mich das erste Mal hinter den Büschen wieder: Wer viel trinkt, muss auch mal die Strecke verlassen. Bei Kilometer 23 fing mein Bein an zu zwicken. Ich war überhaupt überrascht, dass es so lange hielt, aber alles war im grünen Bereich. So lange es nicht schmerzte, konnte ich das Tempo weiter halten.

"Der Gedanke an die Frankfurter Festhalle motiviert mich"

Auf dem Weg zur Schwanheimer-Brücke hörte ich von weitem schon die Moderation von Markus aus unserem Laufverein. Er sorgte dort für Stimmung auf und an der Strecke. Mit einer großen Portion von Anfeuerungsrufen lief ich wie beflügelt weiter. Ab Kilometer 33 wurde mein linker Oberschenkel hart. Oh weh, aber alles hielt. Ich hatte bis Kilometer 35 trainiert, bis dahin war alles in Ordnung. Allerdings begannen nur ein Kilometer später Krämpfe. Die Beine wurden müder, aber ich hielt das Tempo. Bei Kilometer 38 musste ich das zweite Mal in die Büsche. Die letzten vier Kilometer musste ich ziemlich beißen. Die Beine waren müde, und ich hatte auch keine Lust mehr. Aber der Gedanke an die vielen Zuschauer und die Festhalle motiviert mich.

Festhalle in Frankfurt

Bild: Privat

Der Gedanke an den Zieleinlauf in die Frankfurter Festhalle war Motivation dafür, auch anstrengende Kilometer zu überwinden.

Die Mainzer Landstraße war erreicht. Der Mann mit dem Hammer war zu sehen. Meine Beine wurden schwerer. Er hatte mich während des Laufs nicht eingeholt. Die Zuschauer motivierten zusätzlich. Und auch meine Laufgruppe stand dort und feuerte mich auf den letzten Metern an. Das tat so gut. Dann ging es hinein in die stimmungsvolle Festhalle. Das Tempo habe ich gedrosselt, um die Stimmung aufzusaugen: roter Teppich, dunkle Halle und das Farbenspiel der Lichtstrahler. Herrlich diese Atmosphäre!

Und so vergesse ich sämtliche Strapazen der letzten Stunden und reiße die Arme nach oben. Dem Finisher-Foto folgt der Durchlauf durchs Ziel nach 4:24:55 Stunden. Eine Zeit mit der ich nie gerechnet hätte. Denn ich hatte eher auf 4:40 Stunden spekuliert – Ankommen war alles! Der Muskelkater am nächsten Tag lässt mich kaum laufen, aber zu schön war das ganze Erlebnis. Wie heißt es noch gleich: Der Schmerz geht, der Erfolg bleibt. Und das war sicher nicht mein letzter Marathon.

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