Wolfram Müller:

„Das EM-Finale in Barcelona ist das große Ziel“

Mittelstreckler Wolfram Müller spricht im großen Interview über das zurückliegende Jahr. 2010 will er ins EM-Finale.

Wolfram Müller

Wolfram Müller belegte vor einem Jahr bei der Hallen-EM eine starken vierten Platz.

Bild: photorun.net

Als Titelverteidiger wird der 1.500-m-Läufer Wolfram Müller (Erfurter LAC) am Wochenende bei den Deutschen Hallenmeisterschaften der Leichtathleten in Karlsruhe an den Start gehen. Der 28-Jährige hat ein ebenso hartes wie tragisches Jahr hinter sich. Darüber spricht Wolfram Müller im Interview:

Beim Hallenmeeting in Leipzig zeigten Sie mit einer Zeit von 3:42,60 Minuten im 1.500-m-Rennen aufsteigende Tendenz. Würden Sie bei der Hallen-WM starten, wenn Sie die Qualifikationszeit noch erreichen?

Wolfram Müller: „Nein, selbst wenn ich die Hallen-WM-Norm noch erreichen sollte, werde ich nicht in Doha starten. Die Vorbereitung auf den Sommer hat Priorität. Bei den Europameisterschaften in Barcelona ist das Erreichen des Finales das große Ziel.“

Vor gut einem Jahr starb Ihr Freund und langjähriger Trainingspartner René Herms. Denken Sie noch oft an ihn?

Wolfram Müller: „Ja, natürlich. Der Tod von René war ein Einschnitt im Leben, an dem ich lange zu knabbern hatte und diese Gedanken werde ich sicher nie los. Ich gehe auch regelmäßig an sein Grab und pflege es mit.“

Wie haben Sie es damals unter diesen Umständen geschafft, zurückzukommen und Rang vier bei der Hallen-EM zu erreichen?

Wolfram Müller: „Es ist mir damals extrem schwer gefallen, ins Training zurückzukommen, denn so schnell ließ sich dieser Schicksalsschlag nicht verarbeiten. Ich habe versucht mich im Training zu motivieren und mir neue Ziele zu setzen. Aber es gab Tage, an denen ich sehr deprimiert war und heulend da gesessen habe. Erst im Laufe der Zeit konnte ich dann besser damit leben.“

Nach der Hallensaison folgten weitere Tiefschläge – zunächst die Verletzung, Trennung vom Trainer und die verpasste Berliner WM.

Wolfram Müller: „Ich hatte richtig gut trainiert, war in Topform und dann haben wir immer noch eins drauf gepackt. Doch dann kam die Verletzung, die zu spät richtig behandelt wurde. Ich wusste, dass es kaum Sinn machen würde, es mit der WM-Qualifikation noch zu versuchen, aber ich habe alles dran gesetzt. Ich wollte nicht aufgeben.“

Dann ging auch noch Ihr Verein, die LG Asics Pirna, den Bach hinunter …

Wolfram Müller: „Die Sache mit dem Verein war eine längerfristige Entwicklung, die daher auch nicht überraschend kam. Es herrschte schon eine Weile eine negative Stimmung.“

Im Herbst hieß es, Sie würden Ihren persönlichen Sportsponsor verlieren – aber Sie laufen immer noch mit Asics-Ausrüstung.

Wolfram Müller: „Ja, Asics unterstützt mich weiterhin. Im Herbst bin ich ein paar Straßenläufe gerannt und habe gesehen, dass es wieder besser läuft für mich. Nach den Asics Grand 10 in Berlin kam Asics dann glücklicherweise wieder zurück, so dass ich weiter Unterstützung erhalte.“

Sie sind dann zum Erfurter LAC gewechselt – wer ist jetzt Ihr Trainer?

Wolfram Müller: „Ich werde jetzt von Enrico Aßmus betreut, der auch Sebastian Keiner trainiert. Wir haben eine große Trainingsgruppe und es macht wieder Spaß. Ich musste mich da erst reinfuchsen, aber jetzt läuft es von Rennen zu Rennen besser.“

Text: race-news-service.com
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