Der Film

Lauf um dein Leben

Eine Geschichte von Versagen, Enttäuschung, Hoffnung, Glück und Liebe: Der Lebenswandel von Andreas Niedrig kommt als Film aufbereitet in die Kinos.

Der Wunsch nach Veränderung ist für viele Menschen der erste Schritt in ihrer Läuferkarriere. Darum geht es auch im Kinofilm „Lauf um Dein Leben“ (ab 24. April im Kino). Birgt allein der Filmtitel schon einige Dramatik, so wird diese noch durch den Untertitel gesteigert, „Vom Junkie zum Ironman“. Der Film erzählt die dramatische Wandlung von Andreas Niedrig vom Drogenabhängigen zum Weltklasse-Triathleten.

Andreas Niedrig ist mittlerweile weit über die Triathlonszene hinaus bekannt. Sein Buch „Vom Junkie zum Ironman“ war bei Erscheinen im Jahr 2002 viel beachtet. Niedrig sorgte sportlich beim Langdistanz-Triathlon in Roth 1997 für Aufsehen: Nicht etwa durch seine Vorgeschichte als Junkie, die damals öffentlich noch gar nicht bekannt war – und das macht die Geschichte noch dramatischer – sondern durch seine Zeit von 8:06:58 Stunden, die schnellste Zeit, die ein Ironman-Neuling jemals erzielt hat.

Das Filmplakat.

Bild: Gabriella Meros/Kinowelt, Kerstin Stelter/enigma film

Der Film von Adnan G. Köse setzt über zehn Jahre vor dem Ironman-Triumph ein. Andreas gerät in den Drogensumpf und erlebt alle damit einhergehenden Begleitumstände zwischen Rausch, Beschaffungskriminalität und Niedergang. Der Film zeigt schonungslos diesen teuflischen Kreislauf. Die Kamera vermeidet nicht den grausamen Blick auf die in der Vene steckende Heroinspritze, die sich der Junkie auf der öffentlichen Toilette drückt. Der Rausch währt kurz. Danach geht es noch tiefer in den Sumpf. Die Drogen beherrschen den Körper. Sinneswahrnehmungen werden gestört, der zugedröhnte Drogenkranke halluziniert in einer Pfütze liegend.

Zwischendrin gibt es nur kurze Lichtblicke, wie die dicke Freundschaft zwischen den „fantastischen Vier“, die davon träumen, mit dem selbst reparierten Bus um die Welt zu fahren. Einer der Freunde wird bewegend gespielt von Axel Stein. Aber auch diese Freundschaft steht unter dem Joch der Droge. Ein anderer Lichtblick sind die Momente familiärer Harmonie mit Andreas’ Frau Sabine und dem gemeinsamen Kind; aber auch die werden durch die dunklen Abgründe des Drogenmilieus überschattet. Kein Kraut scheint gegen die Macht der Drogen gewachsen zu sein.

Weit mehr als die Hälfte des Films handelt von der Geschichte des „ersten“ Andreas Niedrig, des Drogenkranken. Hier liegt der Filmschwerpunkt, mit eindrücklichen Bildern, die haften bleiben. Dazu gehört der Tod von Freunden, der Rausschmiss aus der gemeinsamen Wohnung mit Sabine. Erst weit in der zweiten Filmhälfte beginnt die sportliche Karriere. Ein Schlüsselerlebnis ist ein Waldlauf, den Andreas nach abgebrochener Drogentherapie mit seinem Vater unternimmt. Ist der dominante Vater Schuld an der Entwicklung, der Drogenkarriere? Ist er der Auslöser für die sportliche Laufbahn? – Der Film deutet dies nur an, lässt die Möglichkeit offen. Andreas erkennt noch gerade früh genug seine Situation und will sich ändern. Er will laufen, aber er will kein Hobbysportler sein. So vertraut er sich Oscar - gespielt von Uwe Ochsenknecht - an, der ihn trainieren soll und zugleich sein Mentor wird. So beginnt die sportliche Erfolgsstory.

Lauf um dein Leben
Max Riemelt (links) als Andreas Niedrig, hier bei einer ersten Lauftrainingsszene mit seinem Trainer und Mentor Oscar (Uwe Ochsenknecht, 52, rechts)

Triathleten oder Läufer, die an dieser Stelle einen heroischen Film aus dem Umfeld der bunt glitzernden Triathlonwelt erwarten, werden enttäuscht sein. Die Lauf- und Triathlonszenen im Film sind bewusst zurückhaltend nachgestellt, reduziert. Es geht nicht um die Sportart, es geht um die Geschichte des Ex-Junkies, überzeugend dargestellt von Max Riemelt, der sich seinen Weg nach oben erkämpft und dabei bis zur totalen Erschöpfung geht. Sowenig wie Heroin eine Einstiegsdroge ist, kann der Film-Andreas Laufen als Ausgleich-, Hobby- oder Gesundheitssport begreifen. Er läuft tatsächlich um sein Leben.

Der Zuschauer ist an manchen Stellen vielleicht entsetzt, schockiert oder findet die Szenen übertrieben (oder fühlt sich an „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ erinnert). In der Schlusssequenz taucht aber noch der echte Andreas Niedrig auf, der dem Zuschauer die Authentizität der Filmgeschichte, und das ist vielleicht die größte Stärke dieses bewegenden Films, vor Augen führt.

Urs Weber

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