Interview

"Ich drücke mich vorm Laufen."

Brian Metzler sprach mit Lance Armstrong, der nach seiner Rad-Karriere den Marathon für sich entdeckte.

Der siebenfache Tour de France-Sieger Lance Armstrong lief in Boston 2:50:58 Stunden. Es war die dritte Marathonteilnahme des 36-Jährigen, nachdem er 2006 (2:59:36 Stunden) und 2007 (2:46:43 Stunden) beim New York-Marathon startete. Mit Armstrong sprach Brian Metzler, Redakteur der amerikanischen RUNNER’S WORLD-Ausgabe, direkt nach seinem Zieleinlauf.

Lance Armstreong bei seinem Zieleinlauf in Boston 2008.

Ihr erster Eindruck?
Oh, es gibt viele Hügel da draußen auf der Strecke. Es waren mehr, als ich dachte und sie liegen genau in den kritischen Kilometerphasen. Auch das Bergablaufen habe ich gemerkt. Vielleicht weil ich mit meinen rund 79 Kilogramm doch eher ein schwerer Läufertyp bin. Bergab und sofort wieder bergauf...

Sie wollten knapp unter 3:00 Stunden laufen und meinten, dass Sie nicht ganz so fit wären wie im November vor New York?
Vielleicht hatte ich es mir ein wenig leichter vorgestellt, aber ich glaube, dass 2:50 Stunden auf diesem Parcours wirklich nicht so schlecht sind. Wäre ein Marathon nur 20 Meilen (32 km, Anm. d. Red.) lang, würde er mir keine Sorgen bereiten, aber diese sechs Meilen extra, die machen es mir schwer, die sorgen für die Schmerzen, die steifen Muskeln.

Warum tun Sie sich das an? Der Marathon ist doch auf diesem Niveau wirklich hart?
Wenn ich nichts hätte, auf das ich mich vorbereiten müsste, dann würde ich voraussichtlich keinen Sport treiben. Ich würde auf der Couch sitzen und mir sagen: ‚Hey Lance, du hast 25 Jahre Sport getrieben, jetzt ist es an der Zeit, ab und zu mal einen Monat nichts zu tun.’ Aber mit einem Marathon als Ziel fällt es mir leicht, täglich rauszugehen und etwas für meine Gesundheit zu tun. Und das ist notwendig.

Ist das Geld, welches Sie bei den Marathons für Ihre Livestrong-Organisation erlaufen, auch ein Antrieb?
Seit 1997 haben wir 200 Millionen Dollar zur Bekämpfung von Krebs gesammelt und alleine bei diesem Boston-Marathon haben 50 Läufer für unsere Organisation 250.000 Dollar gesammelt. Ja, das ist auch eine tolle Motivation.

Sind Sie eigentlich vor Boston auch noch viel Rad gefahren?
Ob Sie es glauben oder nicht: So gut wie überhaupt nicht. Ich habe das Radfahren bewusst vom Trainingsplan verbannt, sonst drücke ich mich allzu gerne auf dem Rad vor dem Laufen.

Und was kommt als Nächstes?
New York! Aber mein Ziel, dort 2:30 Stunden bis 2:35 Stunden zu laufen, habe ich inzwischen etwas revidiert. Um das zu schaffen, muss man sich wirklich sehr fokussieren und auch seinen kompletten Lebenswandel auf das Laufen einstellen. Nicht zuletzt die Ernährung. Mit meinem jetztigen Lebensstil lässt sich das nicht vereinbaren.
Ich möchte frei sein, mit meinen drei Kindern so viel und so oft spielen, wie ich will, mich mit Freunden auf ein Bier verabreden und wenn ich will, dann jeden Abend. Nein, das passt mit einem so ambitionierten Zeitziel nicht zusammen.

Wie wird es Ihnen morgen gehen?
Da werde ich abends zu Hause auf dem Sofa sitzen, die Beine hochgelegt und ein Glas Rotwein in der Hand und tagsüber...da werde ich auf dem Rad gesessen haben. Endlich wieder!