Hilfe wird dringend benötigt

Läuferspenden für die Flutopfer in Pakistan

Der deutsche Läufer Ralf Klug lebt zur Zeit in Pakistan. Hier sein dramatischer Aufruf zu Spenden für die Flutopfer in Pakistan.

Läuferspenden für die Flutopfer in Pakistan

Ralf Klug setzt sich für den Wiederaufbau in den überfluteten Gebieten in Pakistan ein.

Bild: Ralf Klug

Beim Prag-Marathon 2010 machte Ralf Klug von sich reden, als er den kompletten Lauf rückwärts lief. Sein Rückwärts-Marathon in 6:44:24 Stunden war uns einen eigenen Bericht wert. Inzwischen arbeitet der Läufer mit einer Marathon-Bestzeit von 2:58 als Techniker am Deutschen Konsulat im pakistanischen Karachi.

Die dramatische Lage der Menschen in Pakistan erlebt er so hautnah und das Elend, das die Flut anrichtet, ließ ihm keine Ruhe. Ralf Klug machte sich auf die Suche nach einer vertrauenswürdigen Organisation vor Ort. Hier sein Bericht:

„Bei meiner Suche bin ich auf MALC (Marie Adelaide Leprosy Centre) aufmerksam geworden. Es wird geleitet von Frau Dr. Pfau (81 Jahre), die seit über 50 Jahren als Ärztin in Pakistan und Afghanistan arbeitet. Diese Einrichtung hat über 150 Außenstellen in Pakistan und beschäftigt sich eigentlich mit der Bekämpfung von Tuberkulose und Lepra. Auch dank ihres unermüdlichen Einsatzes gilt Lepra seit 1996 in Pakistan als unter Kontrolle. Die Organisation hat sehr schnell nach der Flutkatastrophe ihr bestehendes Netzwerk dazu genutzt, sich um die Flutopfer zu kümmern. Unterstützt wird MALC seit Jahren vom DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (www.dahw.de).

Letzte Woche besuchte ich Frau Dr. Pfau das erste Mal in ihrem Lebrakrankenhaus in Karachi. Sie lebt in einer winzigen, bescheiden Wohnung im Krankenhaus. Jeden Tag fährt sie kurz vor 8.00 Uhr nach der „Lagebesprechung“ mit Mitarbeitern Von MALC raus ins „Feld“, um sich einzelne Projekte anzuschauen und Menschen zu behandeln. Am Samstag, den 21. August, traf ich mich mit ihr, um verschiedene Projekte anzuschauen. Die Sicherheitslage hatte sich auf Grund von „gezielten Tötungen“ wieder einmal verschlechtert. Von ihrem Verwaltungsleiter Mr. Lobo wurden einige Telefonate geführt, um herauszufinden, welche Stadtteile zu meiden sind.

Beladen mit einigen Zelten, ein paar Medikamenten, etwas Zwieback für Kinder verließen wir das Krankenhaus in Richtung des ersten Flüchtlingscamps. Etwa 900 Familien (pro Familie rechnet man ca. 10 Personen) sind in einem Rohbau einer Wohnsiedlung untergekommen. Die Siedlung gehört dem Staat, der relativ unbürokratisch die Anlage zur Verfügung gestellt hat. Momentan wird eine gewisse Grundversorgung mit Lebensmitteln und Wasser auch von öffentlicher Stelle gestellt. Wobei man wissen muss, dass es hier ums Überleben geht, keiner weiß wie lange das funktioniert. Die Versorgung mit Wasser klappt nur sehr bedingt.

Frau Dr. Pfau, 81 Jahre alt, ist seit über 50 Jahren als Ärztin in Pakistan und Afghanistan tätig.

Bild: Ralf Klug

MALC hat hier einen Mann fest abgestellt, der Informationen über medizinischen Bedarf sammelt und Kontakt zur Zentrale hält. Frau Dr. Pfau untersucht ein paar Patienten mit TB, führt dann schnell ein paar Telefonate und gibt Bestellungen durch. Dann spricht sie mit dem Verwalter der Flüchtlingsanlage und führt wieder Telefonate. Sie pocht darauf, dass so schnell wie möglich ein Lehrer ins Lage geschickt wird damit die Kinder wieder unterrichtet werden. Ich bin etwas irritiert mit welchem Nachdruck sie dies einfordert. Später im Auto auf dem Weg zur nächsten Station erklärt sie mir, ohne dass ich danach frage, dass es unheimlich wichtig ist, dass die Kinder nach den traumatischen Erlebnissen wieder Alltag erfahren. Unterwegs bekommt ihr pakistanischer Mitarbeiter einen Anruf, der ihn sichtlich erregt. In einem Dorf ist ein Gebäude, im dem Flüchtlinge untergebracht waren, zusammengebrochen. Die örtliche Verwaltung hat angeordnet, dass die Leute sich in ein Gebäude der MALC begeben sollen, ohne mit der Organisation Rücksprache zu halten. Frau Dr. Pfau überlegt nur einen Moment und sagt dann: ‚Das ist doch nur fair, wo sollen die auch hin? Natürlich müssen wir helfen.‘

An der nächsten Station angekommen, einer Krankenstation von MALC werden wir von einem Mitarbeiter empfangen, der uns die Listen mit der Registrierung der Flutopfer präsentiert. Nur Familien, die registriert sind, bekommen Hilfe. Es geht darum einen Überblick zu behalten, den Bedarf zu ermitteln und möglichen Missbrauch zu vermeiden. Ganz einfach ist das nicht – wer ist von der Flut betroffen? Nur die Leute die vor dem Wasser fliehen mussten oder auch die Wanderarbeiter, die auf dem Weg waren als Saisonarbeiter bei der Ernte zu helfen und die jetzt mindestens ein Jahr ohne Einkommen sind? Auch sie wissen jetzt nicht wohin.

Nach 20 Minuten wird Frau Dr. Pfau ungeduldig, sie sagt, dass mit den Listen sei ja ganz toll, aber jetzt müsse endlich angefangen werden, die Lebensmittel zu verteilen. Die Menschen könnten ja schließlich keine Listen essen. Innerhalb von 30 Minuten ist alles organisiert. Die Leute stellen sich schön in Reihen auf, immer nur 5 dürfen auf das Gelände kommen. Nur wer auf der Liste steht bekommt etwas, quittiert wird mit dem Fingerabdruck.

Richtig große Flüchtlingslager sieht man in Karachi wenig, das liegt daran, dass die meisten irgendwo untergekommen sind. Das heißt aber, dass in einer kleinen Wohnung mit 10 m² jetzt nicht eine Familie lebt, sondern 2 bis 4 Familien. Wie das geht? Es geht eigentlich nicht, aber die Menschen versuchen irgendwie zu überleben.

Wir laden noch schnell vier Zelte ab, dann geht es weiter. Es ist jetzt schon 3 Uhr nachmittags und langsam stellt sich Hunger bei mir ein. Aber wir haben Ramadan und außer „heimlichem Trinken im Auto“ wird nicht mehr riskiert, man will ja nicht provozieren.

Das nächste Lager ist eine armselige Ansammlung von Behelfshüten aus Holzstangen, und Abfallmaterieal. Hier sind auch um die 1.000 Familien. Das Problem hier ist die Verständigung, es gibt unter den Bewohnern kaum jemand der Urdu, geschweige denn Englisch spricht. Frau Dr. Pfau telefoniert wieder, organisiert einen Übersetzer für Mittwoch, dann will sie wieder kommen und Untersuchungen machen.

Dann bauen wir ein Zelt auf, es gibt einen Tuberkulose-Fall, der soll isoliert werden. Nachdem das Zelt aufgebaut ist, wird er hinein gelegt und von Frau Pfau untersucht. Wir verteilen Zwieback an die Kinder (Kinder dürfen auch im Ramadan tagsüber essen). Es ist fürchterlich, wenn man sieht, wie gierig sie das trockene Brot verschlingen, die Versorgung mit Lebensmittel soll so schnell wie möglich anlaufen.

In unserem „Isolationzelt“ hat der TB-Patient Gesellschaft von seiner Familie bekommen, sie wissen nicht wohin sie sonst sollen. Frau Dr Pfau telefoniert, am Montag müssen weitere Zelte hierher gebracht werden.

Zurück im Leprakrankenhaus geht Frau Dr. Pfau sofort ins Büro zu Mr. Lobo und tauscht Informationen aus. Zwei Reporter vom ZDF warten auf sie. Eigentlich ist Frau Pfau sehr müde von der Woche und Sonntag ist eigentlich der Tag an dem sie „nur“ im Krankenhaus bleibt und Papierarbeit macht und nicht ins „Feld“ fährt. Aber die ZDF-Reporter sollen sehen, was los ist. Delegieren möchte sie diese Aufgabe nicht. Die Reporter sagen, es sei kein Problem, sie könnten die Reportage von ihrem Projekt auch auf dem Rückweg am Mittwoch oder Donnerstag machen. Frau Dr. Pfau sagt, nein, das ist zu unsicher: ‚Wer weiß, ob ich da noch lebe oder was sonst dazwischen kommt, also dann morgen früh nach der Messe.‘

Ja gut entgegnen die Reporter, wann sollen wir kommen? Um 7.00 Uhr antwortet Frau Dr. Pfau.

Momentan versorgt MALC ca. 2.500 Familien mit Essen, also etwa 25.000 Menschen. Mr. Lobo erwartet, dass die Zahl wird noch steigen wird. Für 25 Euro kann man einer Familie für etwa sieben Tage das Überleben sichern. Wobei die explodierenden Preise von Grundnahrungsmitteln ein Problem darstellen. Der Preis von Mehl hat sich die letzten 10 Tage zum Beispiel vervierfacht.

Spenden für die Flutopfer in Pakistan
Ralf Klug unterwegs mit den Helfern von Frau Dr. Pfau.

Es gibt viele NGOs (Nicht-Regeirungs-Organisationen), die gute Arbeit leisten. Aber natürlich auch schwarze Scharfe. Der Einblick, den ich bei MALC nehmen durfte, hat mich fest überzeugt, dass das Geld was der DAHW für die Flutopfer zur Verfügung gestellt wird durch die Zusammenarbeit mit MALC genau da ankommt wo es gebraucht wird.

Wer im Moment nicht spenden kann soll bedenken dass auch in ein paar Monaten (z.B. Weihnachten) noch Mittel gebraucht werden. Nach Aussage von Frau Dr. Pfau müssen die betroffenen mindestens ein Jahr betreut werden wegen dem Ausfall zweier Ernten. Nachdem das Wasser wieder weg ist, kommt der Wiederaufbau, die Menschen müssen neue Unterkünfte bauen, Saatgut und Vieh muss beschafft werden sowie die Felder wieder mit Bewässerungen hergerichtet.“

Dieser bewegenden Schilderung des Läufers Ralf Klug schließt sich die Redaktion von RUNNER’S WORLD an und ruft zu Spenden für die Flutopfer in Pakistan auf.

Das Spendenkonto lautet:
Empfänger: Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. (oder die Kurzform DAHW)
Kontonummer: 9696
BLZ: 790 500 00
Bank: Sparkasse Mainfranken Würzburg
Verwendungszweck: Flood

Hinweis:
Bis 200 Euro sind Spenden auf dieses Konto steuerlich ohne Nachweis absetzbar, es reicht die Kopie des Kontoauszugs/ Überweisung. Bei höheren Spenden wird auf Anfrage (per Mail, mit Angabe der Zahlung, Datum, Name, Summe) eine Spendenquittung erstellt.