Politische Unruhen

Läufer verzichten auf Trainingslager in Kenia

In der Folge der andauernden politischen Unruhen meiden europäische Läufer das ostafrikanische Land.

Training in der Nähe von Iten

Bild aus ruhigen Tagen: Daniel Komen (rechts) trainierte hier unter anderen mit dem französischen Hindernisläufer Bob Tahri (2. v. rechts) in der Nähe von Iten.

Bild: photorun.net

Aufgrund der politischen Unruhen in Kenia haben europäische Läufer auf ihre geplanten Trainingslager im Land der Läufer verzichtet oder diese vorzeitig verlassen. Das Zentrum der kenianischen Laufstars, vor allem die Orte Eldoret und Iten, sind offenbar nach wie vor nicht sicher.

Während eine Reihe von deutschen Langstreckenläufern, darunter Hindernisläufer Filmon Ghirmai (LAV Asics Tübingen) und Marathonläuferin Melanie Kraus (Bayer Leverkusen), ihre geplanten Trainingslager in Kenia absagten, war Viktor Röthlin froh, nach fünf Tagen Kenia wieder in der Heimat zu sein. Der Schweizer Marathon-WM-Dritte war erst am 28. Dezember, also kurz vor Beginn der Unruhen, die bisher mehrere hundert Tote zur Folge haben, in Eldoret angekommen. "Aufgrund der Unruhen war es vor Ort nicht möglich, sich frei zu bewegen. Auch die Lebensmittel- und Treibstoff- versorgung war nicht mehr sichergestellt. Ich hatte zwar nie Angst, aber stand doch unter dauernder Anspannung" berichtet Röthlin auf seiner Homepage, nachdem er am 3. Januar zurückgekehrt war. "Es wollten viele Menschen das Krisengebiet um Eldoret verlassen und es war nicht klar, ob und wie wir die Rückreise organisieren können. Entsprechend erleichtert sind wir, dass wir nun wieder in der Schweiz sind."

Gegenüber der französischen Sportzeitung L’Équipe berichtete der 3000-m-Weltrekordler Daniel Komen, dass er zu Hause eine Art Flüchtlingslager eingerichtet habe, in dem sich fast 50 Menschen eingefunden haben. "Dass Präsident Kibaki sich geweigert hat, seine Niederlage einzugestehen, hat die Wut ausgelöst. Ich verspüre eine immense Traurigkeit, weil wir zusammenleben müssen. Ich weiß nicht, wie man die Situation lösen kann. Es hat sich etwas beruhigt, aber die Lage bleibt ungewiss" erklärte Komen der L’Équipe. Das Blatt berichtet auch, dass der italienische Trainer Renato Canova, der unter anderen den 25-km-Weltrekordler Paul Kosgei betreut, über die Dörfer gefahren sei, seine Läufer eingesammelt habe und sie dann nach Nairobi gebracht habe.

Um in die Hauptstadt zu gelangen, ist die Junioren-Cross-Weltmeisterin Linet Masai in einem von Polizei eskortierten Konvoi gefahren. So kann sie am Sonnabend beim hochkarätigen Crosslauf in Edinburgh an den Start gehen. In der Woche zuvor war es ihr nicht gelungen, nach Nairobi zu reisen, so dass sie auf ein Rennen in Belfast verzichten musste.

Mitarbeiter der UN haben sich beim deutschen Manager Volker Wagner gemeldet, weil die Vereinten Nationen überlegen, bestimmte Personen aus Kenia auszufliegen, um sie in Sicherheit zu bringen. Die frühere Marathon-Weltrekordlerin Tegla Loroupe, die von Wagner betreut wird, ist UN-Botschafterin für Sport und sehr aktiv bei einer Reihe von Projekten. Loroupe, die erste kenianische Frau die den New York-Marathon gewann, lebt in Kapenguria rund eineinhalb Stunden von Eldoret entfernt.