Weltumrundung von Jesper Olsen

Einmal um die ganze Welt

Jesper Olsen hat die Welt umrundet - laufend! Er lief 37.000 Kilometer in vier Jahren und einem Monat. Das Interview.

Jesper Olsen

Hier läuft Jesper Olsen gerade über die Brooklyn Bridge.

Bild: Ecco

Herr Olsen, wie viele Kilometer und wie viele Tage sind Sie bei Ihrem World Run gelaufen?
37.000 Kilometer. Gestartet bin ich am 1. Juli 2008, angekommen am 28. Juli 2012, ich bin also vier Jahre und einen Monat unterwegs gewesen allerdings hatte ich wegen einer Malaria-Infektion und zwei Armoperationen eine achtmonatige Pause zwischendrin.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, um die Welt zu laufen?
Weltumrundungen gab es ja schon zuvor – ob mit dem Rad, dem Flugzeug, dem Auto, wandernd; aber niemand ist gelaufen. Ich war neugierig, ob ich das schaffen könnte. ich bin mit 15 meinen ersten Marathon gelaufen, habe 24-Stunden- und Sechs-Tage-Läufe absolviert. Da war die Welt der nächste Schritt. Es war ja bereits mein zweiter World Run: Die Vorbereitungen zum Lauf benötigten zweieinhalb Jahre, aber 25 Jahre Training.

Für große Ziele braucht man Visionen: Haben Sie ein Vorbild?
Ich glaube nicht an Vorbilder. Aber neben meiner Familien haben mich zwei Personen inspiriert, erstens: Paavo Nurmi, die finnische Läuferlegende aus den 20er Jahren. Er gewann neun Goldmedaillen in drei Olympischen Spielen (1920, 1924, 1928), daneben drei Silbermedaillen. Er brach 25 Weltrekorde, und dennoch führte er ein sehr einfaches Leben. Zweitens: Der Entdecker Roald Amundsen, er war der erste Mensch, der eine Expedition erfolgreich zum Südpol führte, wobei er ja über Captain Scott triumphierte und dabei echte Willenskraft auf einem unbekannten Gebiet bewies. Er versuchte nicht, gegen die Natur anzukämpfen, sondern versuchte, ein Teil von ihr zu sein, was ein wichtiger Grund war für seinen Erfolg.

Jesper Olsens Weltumrundung- Die Bilder

Segler brauchen ihr Boot, Piloten ihr Flugzeug. Was muss man als Läufer für eine Weltumrundung mitbringen?
Ein sehr gutes Paar Laufschuhe! Ich habe mich über eineinhalb Jahre hinweg immer wieder mit meinem Ausrüster Ecco getroffen, um sicherzugehen, dass ich die für mich bestmöglichen Schuhe mitnehme. Man will schließlich nicht auf halber Strecke durch den Mittleren Osten feststellen, dass man einen Fehler gemacht hat. Ich bin in den Biom-Modellen von Ecco gelaufen, abwechselnd mit Biom B und dem Biom Trail. Die Natural Motion Technologie unterstützt meine Füße, ohne sie einzuengen und stellte sicher, dass es meinen Füßen gut ging.

Was war die größere Herausforderung bei Ihrem Lauf - der physische oder psychische Stress?
Beide Seiten sind gleichermaßen wichtig. Ich habe 30 Jahre Marathon- und Ultramarathon-Erfahrung, was die Grundlage für ein Unterfangen wie dieses bedeutet. Obendrein muss ich sagen, die Motivationsfrage ist entscheidend. Wenn Du all diese Tage und Monate vor Dir hast, und einem das so unmöglich vorkommt, ist es die mentale Seite, die entscheidet, ob Du am nächsten Tag aufstehst und weiterläufst.

Als Sie da vorbeiliefen, haben die Leute am Straßenrand eigentlich begriffen, was Sie da gerade machen?
Nicht immer. Im nördlichen Teil von Äthiopien zum Beispiel ist es mir passiert, dass mich die Leute beschimpften und sogar Steine nach mir warfen, aber dort ist es auch sehr abgelegen und stammesmäßig orientiert. Meistens war es aber genau umgekehrt, und die Leute waren sehr freundlich und entgegenkommend. In der Sahara war es so, dass bei jeder Oase, die ich erreichte, eingeladen wurde, mich die Leute zum Tee baten und ich mit dem Gedanken weiterlief, neue Freunde gefunden zu haben. Und sie verweigerten jede Bezahlung. Im Mosambik liefen Männer, Frauen und Kinder die nächsten zehn Kilometer bis zum nächsten Dorf mit mir.

Haben Sie etwas über die Länder, die Orte, die Menschen gelernt, die Sie passiert haben?
Es war phantastisch, dass ich die Gelegenheit hatte, so viele schöne Länder zu sehen, mich so vielen unterschiedlichen Kulturen auseinandersetzen zu können und so viele verschiedene Menschen kennen zu lernen. Ich bin ja Politikwissenschaftler, deshalb hat mich diese Seite schon immer fasziniert. Generell: Das wichtigste, was ich gelernt habe, war, dass andere Kulturen viel freundlicher sind als wir es ihnen zutrauen – ohne dies wäre ich nicht in der Lage gewesen, meinen Lauf zu Ende zu bringen. Die Welt ist bei weitem nicht so gefährlich, wie uns Glauben gemacht wird.

Hatten Sie sonst auch mal Begleitung auf Ihrem langen, einsamen Lauf?
Neben den Erfahrungen in Mosambik gab es eine ganze Reihe von Läufern, die mich längere Zeit begleiteten. Die ersten 7.000 Kilometer ist Sarah Barnett mit mir gelaufen, vom Nordkap bis zum Mittelmeer. Und Uusitalo aus Finnland begleitete mich dreimal während der Zeit in Mosambik, Ecuador und Kolumbien.

Was war der schönste Ort der Welt während Ihres Laufs?
Überraschenderweise waren der Sudan und Ecuador zwei meiner Favoriten, die Menschen dort waren sehr freundlich und hilfsbereit.

Und was war der schrecklichste Moment?
Als die Menschen Steine nach mir warfen in Nord-Äthiopien!

Hatten Sie mal Probleme mit der Ernährung unterwegs, mit den Getränken oder der Nahrung?
Man ist gezwungen, das zu essen und zu trinken, was die Menschen vor Ort dir anbieten. Das ist Teil der Herausforderung. Man kann sich nicht von Energieriegeln und Sportgetränken ernähren - in der Mitte der Sahara wird man die schließlich kaum finden. Ja, ich bin mal krank geworden, in Afrika, aber ich habe fantastisches Essen entdeckt in Südamerika. Und die Schokolade in Kolumbien und Ecuador war die beste, die ich jemals gegessen habe.

Haben Sie eine Gegend entdeckt, in die Sie noch einmal reisen möchten?
Auf meinem ersten World Run habe ich Sibirien für mich entdeckt, und ich freue mich schon darauf, dass ich demnächst dort einen Marathon laufen kann. Jetzt, bei meinem zweiten World Run, haben mich Peru und Ecuador besonders fasziniert.

Jetzt sind Sie im Ziel: Worauf freuen Sie sich als Nächstes? Und womit belohnen Sie sich?
Kürzere Läufe! Neulich habe ich einen 10-km-Lauf in Helsinki gemacht. Es war sehr interessant zu sehen, welchen Effekt der World Run hatte, allerdings keinen guten. Ich war zehn Minuten langsamer als vor dem World Run.

Haben Sie schon Zukunftspläne? Was macht jemand, der schon um die Welt gelaufen ist?
Er legt die Beine hoch, ruht sich aus und versucht, nicht von noch mehr Weltumrundungen zu träumen... Ich glaube, meine Familie würde mich umbringen!