Forschung

Das Runner’s High ist kein Mythos mehr

Dass Endorphine einen Läufer regelrecht fliegen lassen, stimmt tatsächlich. Hier eine aktuelle Studie.

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Das Runner’s High beglückt schnelle und ausdauernde Läufer.

Bis in die späten neunziger Jahre hielt man das sogenannte Runner’s High mehr für einen Mythos als für eine belegbare Tatsache. Es gab zwar jede Menge Läufer, die es schon einmal erlebt haben wollten, doch es fehlten die wissenschaftlichen Beweise. Was die Sache erschwerte: Es ging um eine der geheimnisvollsten und entwicklungsgeschichtlich ältesten hormonähnlichen Stoffgruppen des menschlichen Körpers: die Endorphine.

Ihren Namen erhielten die Endorphine durch ihre starke Ähnlichkeit mit dem Rauschgift Morphin, und verblüffenderweise produziert jeder Mensch im eigenen Körper Endorphine, die fast ebenso wirken wie die Drogen Morphin oder Heroin. Doch dann zeigten wissenschaftliche Versuche immer eindeutiger, dass sich zwar nach körperlichen Extremsituationen, wie zum Beispiel nach dem Bungee-Jumping, eine hohe Konzentration von Endorphinen im Blut nachweisen lässt, aber dass eben auch beim Laufen (wie auch beim Hören von Musik oder bei einem guten Essen) Endorphine freigesetzt werden.

Vielleicht sind auch Sie bereits einmal in Regionen vorgestoßen, die man als Runner’s High bezeichnet. Auch bei langsamem Lauftempo kommt es nämlich nach etwa einer Stunde zu einer deutlichen Erhöhung der Endorphinkonzentration im Körper, die mit dem entsprechenden Wohlgefühl verbunden sein kann.

Gut dokumentiert wurde die Wirkung der Endorphine beim Laufen durch Untersuchungen, bei denen das Morphin-Gegengift Naloxon verabreicht wurde, das auch die Wirkung der Endorphine hemmt. Die angenehme Stimmung nach einem Dauerlauf ist sofort wie weggeblasen, wenn Naloxon verabreicht wird. Das Wohlgefühl durch Endorphine entsteht jedoch nicht nur bei langsamen, langen Läufen. Vor allem kurze, intensive Läufe steigern die Endorphinbildung. Je höher die Übersäuerung, desto höher die Endorphinbildung. Deshalb haben einige Läufer nur Spaß am Training, wenn sie schnell laufen.

Nun hat eine Gruppe von Wissenschaftlern unter der Leitung von Professor Henning Boecker von der Technischen Universität München den endgültigen Beweis für diese Zusammenhänge geliefert: Zehn Sportlern wurde eine leicht radioaktive Substanz (18F-Dipronorphin) verabreicht, die im Gehirn an exakt jene Opiatrezeptoren andockt, die für Glücksgefühle und Schmerzfreiheit verantwortlich sind.

Dann absolvierten die Männer einen Zwei-Stunden-Lauf und wurden vor und nach dem Lauf einer speziellen Tomografie unterzogen, anhand derer sich verfolgen ließ, wie sich die radioaktive Substanz im Gehirn verteilt. Es stellte sich heraus, dass nach dem Lauf das Dipronorphin viel schlechter andocken konnte, da es von Endor­phin-Konkurrenten verdrängt wurde. „Besonders ausgeprägt war dies im Frontallappen und dem limbischen System des Gehirns“, so Professor Boecker, „die eine Schlüsselrolle bei der emotionalen Verarbeitung einnehmen.“

Das Fazit der Forschergruppe: Der Körper produziert beim Laufen Endorphine, und diese vermitteln tatsächlich Glücksgefühle und unterdrücken Schmerzgefühle. Nun wollen die Mediziner Patienten mit chronischen Schmerzen zum Laufen motivieren.

Was sind Endorphine?

Bein unserer Umfrage zum Thema fragten wir:
Haben Sie auch schon einmal ein Runner's High erlebt?

Hier die Ergebnisse:
46,67 Prozent: Ja, ich habe ein Runners High schon öfter erlebt.
26,67 Prozent: Ja, ich habe es schon einmal erlebt.
20,00 Prozent: Nein, noch nie.
6,67 Prozent: Ja, ich erlebe ein Runners High bei jedem Lauf.