Hannover-Marathon 2012

Doppeltes Sprint-Finish beim Hannover-Marathon 2012

Dramatik pur beim Hannover-Marathon 2012: Joseph Kiptum und Megersa Bacha lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das erst mittels Zielkameras entschieden werden konnte.

Hannover-Marathon 2012 Bilder

Gleich zweimal gab es beim Marathon Hannover ein Sprint-Finish, das so knapp war, dass es jeweils erst auf der Ziellinie entschieden wurde. In einem mitreißenden Duell triumphierte zunächst der Kenianer Joseph Kiptum in 2:09:56 Stunden vor dem zeitgleichen Äthiopier Megersa Bacha Chikuala. Rund 20 Minuten später erlebten die Zuschauer erneut einen ganz engen Kampf um den Sieg. Dabei setzte sich dann die Russin Natalya Puchkova mit der Kursrekordzeit von 2:30:17 Stunden durch. Ganz knapp geschlagen war hier Aberume Mekuria (Äthiopien), die ebenfalls mit 2:30:17 gestoppt wurde. Fotos vom mitreißenden Finish und dem Geschehen darum herum finden Sie in unserer ausführlichen Bildergalerie über diesem Absatz.

Knapp, knapper, Hannover-Marathon 2012: Erst die Zielkameras konnten Joseph Kiptum (rechts) als eindeutigen Sieger ermitteln.

Bild: Norbert Wilhelmi

Alle Laufwettbewerbe zusammengerechnet, registrierten die Veranstalter des Marathon Hannover eine Rekordzahl von 15.456 Meldungen. Bei gutem Laufwetter säumten etwa 150.000 Zuschauer die Strecke.

Während bei den Männern keine deutschen Spitzenläufer am Start waren, liefen zwei deutsche Topathletinnen in Hannover. Dabei war am Ende die routinierte Bernadette Pichlmaier (LAG Mittlere Isar) etwas schneller als die junge Katharina Heinig (Eintracht Frankfurt). Die 43-jährige Pichlmaier wurde Zehnte mit 2:38:17, während die 22-jährige Tochter der früheren Weltklasse-Marathonläuferin Katrin Dörre-Heinig direkt dahinter als Elfte 2:39:03 rannte. Katharina Heinig lag lange Zeit auf Kurs für die avisierte Zeit von rund 2:35 Stunden. Doch auf den letzten zehn Kilometern hatte sie Probleme und wurde langsamer. Wenigstens reichte es im dritten Marathon erstmals zu einer Zeit von unter 2:40 Stunden.

Im Rennen um den Sieg hatte Natalya Puchkova, die mit einer Bestzeit von 2:33:03 gestartet war, bereits frühzeitig einen großen Vorsprung. Die Halbmarathonmarke passierte die 25-jährige Russin in 1:13:47 Stunden. Nach 30 km betrug ihr Vorsprung auf eine fünfköpfige Verfolgergruppe mit äthiopischen Läuferinnen bereits 1:15 Minuten. Erst zu diesem Zeitpunkt begannen die Äthiopierinnen, die sonst dafür bekannt sind vom Start weg vorneweg zu laufen, mit einer ernsten Verfolgungsjagd. Der Vorsprung schmolz, und es wurde noch einmal sehr spannend. Als Natalya Puchkova auf die Zielgerade einbog, hatte sie immer noch einen guten Vorsprung. Doch auf den letzten 250 Metern startete Aberume Mekuria einen Sprint. Am Ende erreichte sie zwar die Russin, doch überholen konnte sie sie nicht mehr. Auch die Ränge drei und vier gingen an Äthiopierinnen, Halima Hassen Beriso (2:30:26) und Zeineba Hasso Hayato (2:30:27).

Im Männerrennen geriet die avisierte Halbmarathon-Zwischenzeit von 64:00 Minuten, mit der der Kursrekord von 2:08:52 angegriffen werden sollte, schnell außer Reichweite. Die Tempomacher rannten nicht schnell genug. Eine neunköpfige Spitzengruppe erreichte den Halbmarathonpunkt schließlich nach 65:45 Minuten und die 30-km-Marke nach 1:33:25. Obwohl es nach einer Zielzeit von knapp unter 2:12 Stunden aussah, kam am Ende doch noch ein Ergebnis unter 2:10 heraus.

Nach der 35-km-Marke liefen die Afrikaner endlich schneller. Die Kenianer Joseph Kiptum und Peter Kurui sowie die Äthiopier Megersa Bacha Chikuala und Abdisa Sori Bedada lagen vorne. Kiptum löste sich dann nach 41 km, doch Chikuala konnte die Lücke noch einmal schließen. Auf der Zielgeraden lieferten sich die beiden dann einen erbitterten Kampf mit mehreren Führungswechseln. Am Ende lag Kiptum ganz knapp vorne. Kurui wurde Dritter mit 2:10:09, gefolgt von Bedada (2:10:15). Tamrat Bekele (Äthiopien), ein jüngerer Bruder von Langstrecken-Superstar Kenenisa Bekele, belegte bei seinem Debüt Rang fünf in 2:11:11. Es war Kenenisa Bekele, der Tamrat den Flug nach Hannover zahlte und ihm somit den Start ermöglichte.

Dem Sieger Joseph Kiptum kam das lange Zeit gemächliche Tempo entgegen. „Ich hatte ein Magenproblem. Wenn die Tempomacher schneller gelaufen wären, hätte ich in der Spitzengruppe nicht mitlaufen können“, erklärte der 24-Jährige, der sich während des Laufes zweimal übergeben musste und in seinem zweiten Marathon trotzdem noch seine Bestzeit um elf Sekunden verbesserte. „In der vergangenen Nacht habe ich nicht schlafen können. Morgens um drei Uhr habe ich dann ein paar Bananen gegessen. Die habe ich irgendwie nicht vertragen. Umso glücklicher bin ich jetzt, dass ich trotzdem gewonnen habe“, sagte Joseph Kiptum.