Ausprobiert

Wie fühlt es sich an, barfuß zu laufen?

Für die Serie "Ausprobiert" hängte unser Redakteur seine Laufschuhe an den Nagel - für einen Barfußlauf.

Daniel barfuß

Unten ohne: Unser Redakteur tat seinen Füßen etwas Gutes und lief barfuß am Strand.

Bild: Marieke Stasch

Die Bedingungen:
1. Laufschuhe und ­Socken sind tabu, nicht ­einmal Zehen­schuhe ­werden zugelassen.
2. Sand ist ein idealer Untergrund für nackte Füße. Ebenso geeignet ist der Rasen im Stadion.
3. Aha-Effekt genießen: Nach dem Barfußlauf (der anfangs nicht länger als 10 Minuten dauern sollte) Laufschuhe anziehen und ein paar Kilometer laufen.


Haben Sie schon mal den Namen Abebe Bikila gehört? Nein? So heißt das äthiopische Ausnahmetalent, das im Jahr 1960 bei den Olympischen Spielen in Rom den Marathonlauf gewann – barfuß! Weil die Laufschuhe, die der damals 28-Jährige aus seiner Heimat mit zu den Spielen gebracht hatte, durchgelaufen waren, und sich in Rom kein passender Ersatz finden ließ, entschied sich Bikila dafür, den Marathon trotzdem mitzulaufen – ohne Schuhe. Er gewann nach 2:15:16 Stunden und stellte damit sogar eine neue Weltbestzeit auf.

Der Praxistest: Barfußlauf am Strand

42,195 Kilometer, so weit möchte ich bei meinem Barfußlauf gar nicht kommen. Mir geht es eher darum, einen Eindruck davon zu kriegen, wie es sich anfühlt, komplett ohne die Hightech-Unterstützung der neuesten Laufschuhgeneration zu laufen. Die ersten Laufschritte am Strand sind unrhythmisch: Beinahe ängstlich und ausschließlich auf dem Vorfuß taste ich mich am Strand vorwärts. Dabei kralle ich mich mit meinen Zehen so stark in den butterweichen Sand, dass ich spüre, wie meine Waden arbeiten müssen – als Rück- bis Mittelfußläufer eine ungewohnte Belastung. Als nach einem Kilometer meine Uhr vibriert, um mir das Tempo anzuzeigen, fehlen zu meiner Überraschung rund 30 Sekunden zur gefühlten Pace. Ich beginne, mit meiner Lauftechnik zu spielen: Kurze Schritte wechseln sich mit langen ab, mal werfe ich das Bein weit nach vorn, dann wieder komme ich weit hinter dem Körperschwerpunkt auf. Und Bikila ist tatsächlich einen ganzen Marathon barfuß gelaufen? Unfassbar! Davon angespornt renne ich richtig drauflos, wetze durch das Wasser und springe über die sich am Strand brechenden Wellen. Spaßeshalber ziehe ich anschließend noch meine gut gedämpften Laufschuhe an, um auszulaufen. Ein unglaubliches Gefühl: Wie auf Wolken gleite ich federleicht über den ­Asphalt. Was für einen Unterschied unsere Laufschuhe machen!

Übrigens, Abebe Bikila wiederholte seinen Olympiasieg und gewann auch den Marathonlauf bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio. Dieses Mal trug er allerdings Laufschuhe und lief noch mal drei Minuten schneller als bei seinem Sieg in Rom. Niemals würde ich einen Laufwettkampf, geschweige denn einen Marathon, ohne Schuhe laufen, das steht für mich nach meinem Barfußlauf fest. Doch von Zeit zu Zeit werde ich im Training auch mal die Schuhe weglassen, das bin ich meinen Füßen schließlich schuldig, die mich zuverlässig Jahr für Jahr viele tausend Kilometer durch die Gegend laufen lassen.

Ausprobiert - Wie fühlt es sich a:

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