Alex Hutchinsons Lauflabor

Warum Läufer Muskeln für gesundes Altern brauchen

Altersbedingtem Muskelabbau können Läufer entgegenwirken. Eine aktuelle Studie der Universität Birmingham zeigt die Risiken auf und wie man dem Abbau entgegenwirken kann.

Fit im Alter

Laufen fördert die Gesundheit im Alter, Muskelaufbau ist ebenfalls wichtig.

Bild: iStockphoto.com / matthewennisphotography

Eine aktuelle, aufschlussreiche Studie des Doktoranden Michael McLeod und dessen Kollegen an der Universität von Birmingham befasst sich mit altersbedingtem Muskelschwund. Sie ist unter dem Titel “Live strong and prosper: the importance of skeletal muscle strength for healthy aging” in der Zeitschrift Biogerontology erschienen.

Jetzt bin ich nicht gerade ein Muskelprotz, wie jeder weiß, der mich mal getroffen hat. Aber ich bin mir zunehmend bewusst, dass Muskeln nicht nur eine mögliche ästhetische Zugabe sind. Vor allem nicht, wenn man älter wird.

Die Studie legt einige bittere Wahrheiten über Sarkopenie, den altersbedingten Muskelabbau, offen: Bis zum Alter von 80 Jahren verlieren die meisten Menschen ungefähr 30 Prozent ihrer Muskelmasse. Wenn man nichts dagegen macht, kann dies nicht nur für die Mobilität, sondern auch für den Stoffwechsel sowie allgemeinen Gesundheitszustand ernste Folgen haben.

Mit zunehmendem Alter brauchen Läufer mehr Protein

Es gibt einige nennenswerte Punkte in der Studie. Das wären zuerst einmal die Protein-Erfordernisse. Immer wieder gibt es Debatten darüber, wie viel Protein man für eine optimale Muskelgesundheit wirklich braucht und meist haben sie einen gemeinsamen Nenner: „Mehr als die aktuellen Mindestempfehlungen und weniger als die Muskelmänner in den Fitnessstudios glauben.“

Was mir bisher nicht bewusst war, sich jedoch als bewiesen herausgestellt hat, ist, dass ältere Menschen beträchtlich mehr Protein brauchen als jüngere, um dasselbe Niveau der Muskelproteinsynthese zu stimulieren. Eine Analyse legte dar, dass die Einnahme einer Proteindosis von 0.24 g/kg Körpergewicht nach dem Training genüge, um eine maximale Proteinsynthese bei jüngeren Männern (ca. 22 Jahre alt) zu stimulieren, während ältere Männer (ca. 71 Jahre alt) diese Stufe erst bei einer Dosis von 0.40 g/kg erreichten.

Lebenserwartung vs. Gesundheit

In einem weiteren interessanten Teil der Studie werden die Pros und Kontras zweier verschiedener Trends der Gesundheitsratgeber gegenübergestellt. Einerseits gibt es eine Reihe von Beweisen dafür, dass eine reduzierte Kalorienzufuhr das Leben vieler Organismen, von der Fruchtfliege bis hin zur Maus, verlängert. Medikamente, die diese Wirkung nachahmen, verlangsamen das Tempo der Proteinsynthese und scheinen somit die Lebensspanne der Labor-Organismen zu erweitern.

Training wiederum beschleunigt die Proteinsynthese, um beispielsweise größere Muskeln aufzubauen. Bedeutet das also, dass viel Training uns zwar fitter macht, aber auch früher ins Grab bringt? Ich habe mich schon oft gefragt, wie man die Forschung zur verminderten Kalorieneinnahme mit den offensichtlichen Vorteilen von Training in Einklang bringt.

Ein wesentlicher Punkt, auf den die Studie auch hinweist, ist, dass die Lebensverlängerung der Mäuse in einer „thermo-neutralen, keimfreien Umgebung und unter Bedingungen, die ausreichend Nahrung und Wasser bereithielten“ stattfand. Also in einem Laborkäfig, was nicht dasselbe ist wie die reale Welt. Man kann zwar sehr schwach und zerbrechlich werden, sich aber immer noch am Leben festklammern.

Gilt dasselbe für uns Menschen? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Die viel wichtigere Frage ist, was man will: „Möchten wir unsere Lebenserwartung verlängern und dafür Kompromisse in unserer Gesundheit und Fitness eingehen”, fragen die Forscher, „oder möchten wir lieber ein gesundes aktives Leben führen, das die Erhaltung unserer Muskelmasse, Kraft und Funktionsfähigkeit miteinschließt?” - Sie können sich meine Antwort denken.

Vergleich dreier MRT-Muskelquerschnitte: ein 24-Jähriger, ein 66-jähriger Mann und ein Läufer gleichen Alters.

Bild: runnersworld.com

MRT-Aufnahmen liefern Beweise

Der letzte aufschlussreiche Punkt in der Studie ist visueller Art und zeigt einen MRT-Muskelquerschnitt dreier Männer. Von besonderem Interesse sind hier die beiden 66-Jährigen, zwischen denen der einzige große Unterschied in ihrer gewohnheitsmäßigen körperlichen Aktivität besteht. Einer (D) geht 3.141 Schritte am Tag, der andere (E), fast viermal so viel, nämlich 12.445 Schritte pro Tag.

Interessant zu sehen ist, dass beide Männer beinahe dasselbe wiegen, einer jedoch fast dreimal so viel Muskelmasse wie der andere besitzt. Eine gute Motivation, sich weiterhin viel zu bewegen.

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