Alex Hutchinsons Lauflabor

Warum fittere Läufer mehr schwitzen

Je trainierter Läufer sind, desto schneller beginnen sie zu schwitzen. Darüber hinaus haben die fitteren Läufer eine größere Schweißproduktion pro Drüse.

Männer schwitzen schneller als Frauen

Bild: iStockphoto.com / tacojim

Seit vielen Jahren wird das Schwitzverhalten bei Sportlern untersucht und inzwischen ist hinlänglich bekannt, dass Ausdauertraining den Körper dazu bringt, mehr zu schwitzen. Doch neuerdings haben Forscher Zugang zu einem „äußerst empfindlichen und zuverlässigen Sudorometer (Instrument zum Messen der Schweißmenge) - in diesem Fall, zur sogenannten QSART-Kapsel, die mit größter Genauigkeit analysieren kann, wie und warum gut trainierte Sportler mehr schwitzen. Haben sie mehr Schweißdrüsen? Erzeugen diese Schweißdrüsen jeweils mehr Schweiß? Oder beginnen sie vielleicht früher mit der Schweißproduktion?

Kurzum, ja.

Eine neue Studie von Forschern der Soonchunhyang Universität in Südkorea untersuchte die Schweißproduktion von Langstreckenläufern. Die Studie verglich 16 trainierte 5-km- und 10-km-Läufer mit 20 untrainierten Probanden. Die Forscher nahmen die VO2max der Teilnehmer als Marker für ihre allgemeine aerobe Fitness und stellten die Ergebnisse ins Verhältnis zur Schweißproduktion.

Je trainierter die Läufer, desto schneller beginnen sie zu schwitzen. Die offenen Kreise stellen die untrainierten Probanden dar und die gefüllten Kreise sind die Läufer.

Bild: runnersworld.com

Je fitter Sie sind, desto schneller beginnen Sie zu schwitzen

Die Graphik links oben neben diesem Text zeigt, wie lange es dauerte, bis die Schweißproduktion einsetzte, nachdem die Schweißdrüsen mit Azetylcholin chemisch stimuliert wurden. Die offenen Kreise stellen die untrainierten Probanden dar und die gefüllten Kreise sind die Läufer. Es wird ziemlich deutlich: Je höher die VO2max der Probanden, desto schneller reagieren ihre Drüsen auf das Signal und beginnen zu schwitzen.

In der zweiten Grafik zeigt sich, wie viel Schweiß eine einzelne Schweißdrüse im Stande war zu produzieren. Wieder wird klar, dass eine höhere VO2max auch einer größeren Schweißproduktion pro Drüse entspricht.

Lauflabor Warum Läufer mehr schwitzen

Bild: runnersworld.com

Ein höherer VO2max geht mit einer größeren Schweißproduktion pro Drüse einher. Wieder stellen die offenen Kreise die untrainierten Probanden dar und die gefüllten Kreise sind die Läufer.

Ausdauertraining bewirkt stärkeres Schwitzen

Es gibt einige andere Unterschiede zwischen den Probandengruppen, die in der Studie beschrieben werden, beispielsweise auch eine größere Dichte der Schweißdrüsen bei trainierten Läufern. Die Quintessenz bleibt bestehen, dass Ausdauertraining den Körper lehrt, mehr und eher zu schwitzen. Andere Studien fanden heraus, dass Läufer sogar bei niedrigeren Temperaturen anfangen zu schwitzen als Nichtläufer. All das hat etwas Gutes für sich, weil es trainierten Läufern ermöglicht, mehr Wärme abzuführen, um ihre Körpertemperatur unter dem kritischen Wert zu halten, an dem sie gezwungen wären, langsamer zu werden.

An dieser Stelle lohnt es sich auch über eine angemessene Flüssigkeitszufuhr zu sprechen. Mehrere Studien haben herausgefunden, dass schnellere Finisher beim Marathonlauf eher dazu neigen, zu dehydrieren als langsamere Finisher. So verlor Haile Gebrselassie während seiner Weltrekordrennen bis zu 10 % seines Körpergewichts. Es ist verlockend, diese Ergebnisse als Beweis dafür anzusehen, dass Dehydrierung Sie schneller macht (im Irrglauben, dass der Gewichtsverlust auch das Laufen leichter macht),- doch das ist ein wenig zu einfach. Die schnellsten Läufer neigen im Allgemeinen dazu, die höchste VO2max und so vermutlich auch die höchste Schweißproduktion zu haben. Dies führt somit auch zur stärksten Dehydrierung, wenn sie eine „angemessene“ Menge getrunken haben. Sie werden nicht schneller, indem Sie sich während des Rennens absichtlich dehydrieren; Sie werden schneller, indem Sie fitter werden (was darauf hinausläuft, dass Sie auch stärker dehydriert werden können).

Inzwischen hat Matthew Cramer, ein Forscher am Thermal Ergonomics Laboratorium an der Universität Ottawa, darauf hingewiesen, dass die Beziehung zwischen Schwitzen und der VO2max ein wenig komplizierter sei als in obiger Studie dargestellt. Er verweist auf zwei Studien, die zu zeigen, dass während eines Bewegungstests (im Vergleich zu einem chemisch stimulierten Schweißtest), die VO2max die Schweißproduktion nicht vorherbestimmt, sobald man Unterschiede in der Wärmeerzeugung, Körpergröße und anderen Faktoren in Betracht zieht.

Angenommen, Sie nehmen zwei Personen, die eine mit einer hohen VO2max und die andere mit niedrigem VO2max, und bitten beide, mit der gleichen relativen Intensität - z.B. 60 % der VO2max - zu trainieren. Die Person mit der hohen VO2max wird tatsächlich mehr schwitzen, aber nur deshalb, weil sie auch viel schneller läuft und so mehr Hitze erzeugt. Wenn Sie beide bitten, bei Intensitäten zu trainieren, die dasselbe Niveau der Wärmeproduktion erzeugen (und wenn sie in etwa das gleiche Gewicht und die gleiche Größe haben), dann werden beide tatsächlich auch die gleiche Menge schwitzen.

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie man dies mit den obigen Ergebnissen, die zeigen, dass die Schweißdrüsenproduktion und Reaktionszeit mit der VO2max korrelieren, in Einklang bringen soll. Am Ende scheint aber der Grundsatz, dass Sie um so mehr schwitzen, desto fitter Sie sind, wahr zu sein – aber die eigentliche Ursache dafür ist, dass Sie dann auch im Stande sind, härter zu trainieren und mehr Wärme zu erzeugen.]

Alex Hutchinson veröffentlicht am 11. April 2014

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