Evolution des Menschen

Vom Jäger zum Langstreckenläufer

Die Ausschüttung euphorisierender Botenstoffe im Nervensystem soll evolutionäre Gründe haben. Seit Urzeiten wird der Mensch durch sie zur Bewegung motiviert.

Vom Jäger zum Langstreckenläufer

Wissenschaftler vermuten, dass die Ausschüttung euphorisierender und schmerzdämpfender Botenstoffe im Nervensystem evolutionäre Gründe hat.

Bild: iStockphoto.com / thinair28

Laufen kann Menschen in einen Glückszustand versetzen – bis hin zum „Runner´s High“. Der Mensch scheint zum Laufen geboren. Warum dies so ist, haben nun amerikanische Wissenschaftler der University of Arizona in Tucson untersucht und im „Journal of Experimental Biology“ dargelegt. Sie glauben, dass die Ausschüttung euphorisierender und schmerzdämpfender Botenstoffe im Nervensystem evolutionäre Gründe hat. Sie ist Teil eines neurobiologischen Belohnungssystems. Seit Urzeiten wird der Mensch durch sie zur Bewegung motiviert. Was früher bei der Jagd nützlich war, treibt heute zum Marathon. "Jäger und Sammler waren regelrechte Athleten. Sie rannten zum Essen hin und vor ihren Fressfeinden wieder weg", erklärt Studienleiter David Raichlen. So könnte die natürliche Auslese neurobiologische Mechanismen wie etwa den „Runner´s High“ gefördert haben, um Menschen zur dauerhaften Bewegung zu motivieren.

In einer Studie verglichen die Forscher daher Menschen, Hunde und Frettchen. Während Mensch und Hund sich meist gern bewegen, gehören Frettchen zu den Laufmuffeln. Die kleinen Raubtiere rennen kaum weite Strecken. Für den Test mussten zehn Hobbyläufer, acht Hunde und acht Frettchen eine halbe Stunde lang auf einem Laufband rennen. Im zweiten Experiment sollten sie 30 Minuten auf dem Laufband gehen. Dabei waren die Frettchen allerdings sehr unkooperativ und blieben meist in ihren Käfigen. Vor und nach beiden Laufbandversuchen wurden allen Teilnehmern Blutproben entnommen und die Ausschüttung der natürlichen Stimmungsaufheller verglichen.

Im Ergebnis verursachte das Gehen auf dem Laufband bei keinem der Probanden einen Anstieg körpereigener Opiate. Nach dem Laufen hingegen ließen sich bei Menschen und Hunden große Mengen an Endocannabinoiden (ECBS) im Blut feststellen. Zudem verbesserte sich Stimmung und Motivation der menschlichen Läufer. Da jedoch keiner der menschlichen Probanden einen Walker´s High erlebt hat, vermuten die Forscher, dass die natürliche Auslese sowohl Menschen als auch Hunde für höhere Belastungen belohnt hat. Die Frettchen produzieren hingegen weder beim Walken noch beim Laufen Opiate. Ihnen machte demnach beides keinen Spaß.

Der Studie zufolge haben Menschen ein natürliches Verlangen zu laufen. Die Opiate, die der Körper während des Laufens produziert, regen das Belohnungszentrum des Gehirns an. Also könnten diese Glücksgefühle auch Bewegungsmuffel motivieren? Raichlen macht da erst mal wenig Hoffnung: "Inaktive Menschen sind nicht fit genug, um die Trainingsintensität zu erreichen, die zu dieser Art von Belohnung führt“. Nur wer seine Belastungsgrenze nach und nach aufbaut, profitiert irgendwann von den Endocannabinoiden und wird dann auch durch Glücksgefühle zum Sport motiviert.