Doping im Freizeitsport

Ungewollt gedopt

Auch bei vermeintlich harmlosen Mitteln ist Vorsicht geboten – einige Erkältungsmittel etwa enthalten verbotene Substanzen

Erkältungsmittel

Viele Erkältungsmittel enthalten Ephedrin, ein Aufputschmittel, das auf der Liste der verbotenen Substanzen steht.

Bild: Klaus Uwe Gerhardt / pixelio.de

Doch selbst mit ehrenhaften Absichten kann man in die Dopingfalle stolpern. „Als harmlos empfundenes Alltagsverhalten führt unter ungünstigen Umständen zu einem positiven Dopingtest“, warnt die Kampagne „Real Runners“ in der Broschüre „Unwissenheit schützt vor Doping nicht“. So wurde der Mythos vom positiven Morphintest nach dem Verzehr von Mohnkuchen durch einen Versuch des Kölner Instituts für Biochemie bestätigt.

Doch auch bei anderen vermeintlich unbedenklichen Mitteln ist Vorsicht geboten. Wer sich beispielsweise mit einer Erkältung herumschlägt, sollte nicht blind in den Arzneischrank greifen, denn viele Erkältungsmittel enthalten Ephedrin, ein Aufputschmittel, das auf der Liste der verbotenen Sub­stanzen steht. Und auch Asthmatiker müssen aufpassen: In vielen Asthmasprays sind sogenannte Beta-2-Agonisten zu finden, die prinzipiell verboten und als In­halation genehmigungspflichtig sind.

Ein Wirkstoff, der nicht auf der Dopingliste steht, ist die Modedroge Kreatin. Während das ebenfalls zur Gruppe der Glykoproteinhormone gehörende Erythropoetin (Epo) mittlerweile als Radfahrerdroge verschrien ist und mit harten Strafen verfolgt wird, kann Kreatin ohne jegliche Ahndung eingenommen werden. Der Leiter des Instituts für Dopinganalytik in Köln, Wilhelm Schänzer, schätzt, dass „mindestens 70 bis 80 Prozent der Athleten in Schnellkraftsportarten Kreatin nehmen“. Der Grund, warum dies noch nicht als Doping gewertet wird, ist, dass Kreatin vom Or­ganismus selbst hergestellt wird und auch in Fleisch und Fisch enthalten ist.

Ulrich Haas, Vorsitzender der deutschen Anti-Doping-Kommission, sieht in der Aminosäureverbindung, die Übersäuerung verhindert und die Energiespeicher der Muskeln auffüllt, dennoch ein „von außen zugeführtes Mittel zur Leistungssteigerung“. Da bisher aber weder eine Verbesserung der Leistung noch Nebenwirkungen eindeutig nachgewiesen wurden, ist Kreatin weiterhin rezeptfrei in Apotheken und vor allem im Internet erhältlich, wo es zu überhöhten Preisen und ohne Qualitätsgarantie verkauft wird.

Das größte Risiko von Stimulan­zien besteht gerade für Ausdauersportler in ihrer verzerrenden Wirkung. Wenn die persönliche Leistungsgrenze, die nor­malerweise frühzeitig durch natürliche Erschöpfungserscheinungen angezeigt wird, überschritten wird, tritt der Körper in einen Generalstreik: Es kommt zum Zusammenbruch, mitunter sogar mit Todesfolge. Ein hoher Preis dafür, „das Letzte aus sich herausgeholt“ zu haben.

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Verbotene und nicht verbotene Substanzen