Rückenschmerzen

Totale Entlastung schadet

Eine Trainingspause ist mit Rückenschmerzen nicht zwingend notwenig und kann sogar den Heilungsprozess aufhalten.

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Langes Sitzen am Arbeitsplatz kann zu Rückenschmerzen führen.

Bild: Konstantin Gastmann / pixelio.de

Wie geht man nun mit Schmerzen um, wenn sie doch während des Trainings auftreten? Sollte man sofort pausieren oder weitermachen? Georg Supp nennt die ­Faustregel: „Wenn Schmerzen auch Stunden nach der Trainingseinheit weiter bestehen, muss der Läufer Umfang und Intensität deutlich reduzieren. Führt auch das reduzierte Training immer noch zu einer anhaltenden Verschlechterung, muss der Betroffene pausieren. Spürt der Läufer während des Trainings einen Schmerz, der jedoch ­sofort nach Beendigung der Einheit verschwindet, kann er so weitertrainieren.“

Eine absolute Trainingspause sei nur sehr selten notwendig, meint Supp. „Oft schadet die totale Entlastung mehr, als sie nützt. Die Belastbarkeit aller Strukturen nimmt ja bei Nichtgebrauch ab. Das Ver­letzungsrisiko ist dann bei einer Wieder­aufnahme des Trainings deutlich erhöht. Wie das Training im Falle einer Verletzung oder bei Rückenschmerzen am besten zu ­gestalten ist, das sollte der Betroffene mit einem erfahrenen Physiotherapeuten oder Sportmediziner besprechen.“

Laufen selbst ist jedoch so gut wie nie die Ursache. Supp: „Im Kontext von Rückenschmerzen gibt es dazu keine brauchbaren wissenschaftlichen Studien. Wenn ein Läufer mit Rückenschmerzen zu uns kommt, suchen wir zuallererst im Alltag nach auslösenden oder erhaltenden Fakto­ren. Acht Stunden täglich krummes Sitzen sind eine größere Belastung für den Rücken als dreimal eine Stunde Laufen pro Woche.“

Wenn die Rückenschmerzen immer wieder auftreten, unerträglich werden oder mit Empfindungsstörungen einhergehen (Kribbeln, Taubheit, Schwäche), kommt man um den Gang zum Arzt nicht herum. Eine genaue Diagnostik gibt Aufschluss über die Ursache, und eine gute Behandlung mit Physiotherapie und einem Kräftigungsprogramm kann helfen, den Rücken wieder schmerzfrei und beweglich zu machen. Viele Krankenkassen bieten für ihre Ver­sicherten auch Präventionsprogramme an, bei denen neben gezielten Übungen zum Muskelaufbau auch Tipps für einen rü­ckengerechten Alltag und einen rückengerechten Arbeitsplatz vermittelt werden.

Auch wenn die Bandscheibe stark geschädigt und es zu einem Vorfall gekommen ist, bedeutet das keinesfalls das Aus für die Läuferkarriere. „Bandscheibenvorfälle haben ursächlich nichts mit dem Laufsport zu tun.Wenn ein Läufer einen akuten Vorfall erleidet, ist das zwar sehr frustrierend, die Prognose aber gut. Aktive Menschen sind nicht gefeit vor ernsten Rückenproblemen, sie werden aber schneller wieder fit als Couch-Potatos. Wenn keine akuten Lähmungen vorhanden sind, kann der Betroffene recht bald wieder mit leichtem Lauftraining beginnen. Die strikten Verbote vieler Medi­ziner gründen hier mehr auf Voreingenommenheit als auf Fakten. Laufen ist oftmals früher möglich als Radfahren. Beim Laufen ist der Rücken in aufrechter Position, und die Gelenke der unteren Extremitäten wirken als Stoßdämpfer“, erklärt Supp.

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