Tapen für Läufer

Spärliche Studienlage bei den Kinesiotapes

Viele Sportler schwören auf die Wirksamkeit der Kinesiotapes, die Wissenschaft ist noch nicht überzeugt.

Im Februar 2012 veröffentlichten neuseeländische Forscher eine Übersichtsarbeit, für die sie die Studienlage zur Wirksamkeit von Kinesiotapes untersuchten. Ergebnis: Von 97 Untersuchungen entsprachen nur zehn den Anforderungen, die an einen Studienvergleich gestellt werden. Lediglich zwei Studien untersuchten die Wirksamkeit bei Sportverletzungen, und sogar nur eine Arbeit erforschte den Effekt bei verletzten Athleten. Alles in allem also eine sehr spärliche Ausbeute.

Abschließend kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die Effektivität von Kinesiotapes bei Sportverletzungen der von anderen elastischen Tapes nicht überlegen sei – weder präventiv noch therapeutisch. Nach Meinung der Forscher erhöhten die bunten Streifen zwar Kraft und Beweglichkeit von bestimmten verletzten Regionen besser als gängige Tapes. Jedoch seien weitere Untersuchungen, in die vor allem Sportler mit denselben Verletzungen einbezogen werden, notwendig, damit die Ergebnisse überhaupt verglichen und bestätigt werden könnten.

Eindeutige wissenschaftliche Beweise für die Wirksamkeit von Kinesiotapes gibt es also bislang nicht. Dennoch werden sie bereits seit Jahren von vielen Physiotherapeuten und Ärzten bei Verletzungen an Knie-, Sprung- oder Schultergelenk wie Bänderdehnungen, Verspannungen in Rücken und Nacken sowie bei Entzündungen der Sehnen und Arthrose eingesetzt – auch bei Hobbysportlern. „Trotz fehlender Nachweise berichten viele Patienten, dass ihnen ­Kinesiotapes helfen“, berichtet Professor Klaus Bös, Leiter des Instituts für Sport und Sportwissenschaften am Karlsruher Institut für Technologie. Seine Erklärung: Dahinter stecke wohl ein Placeboeffekt – ähnlich wie bei den ­Nasenklammern, von denen sich vor einigen Jahren viele Sportler eine bessere Atmung versprachen.

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