Sehschwäche

So behalten Sie den Durchblick

Um schwache Augen zu behandeln, gibt es heute viele Möglichkeiten. Wir stellen Ihnen die Lösungen für Läufer vor.

Fast jeder zweite Erwachsene in Deutschland hat eine Sehschwäche – eine Kurz- oder Weitsichtigkeit, Alterssichtigkeit oder Hornhautverkrümmung. Damit Sie sich voll und ganz auf Ihren Sport konzentrieren können, muss diese einerseits optimal korrigiert werden, andererseits sollten Sie Ihre Sehhilfe möglichst überhaupt nicht wahrnehmen.

AUGENSPEZIALISTEN
Eine Sportbrille sollte mindestens genauso sorgfältig ausgewählt werden wie die Laufschuhe – am besten beim spezialisierten Sport-Optiker. Der Fachmann fragt zunächst, wofür die Brille genau benötigt wird. Er stellt Ihnen dann die für den gewünschten Einsatz geeigneten Modelle vor und überprüft den richtigen Sitz. Um zu testen, ob das Modell auch winddicht ist, geht es schließlich in den Windkanal.

STRAHLENSCHUTZ
Da Sie als Läufer häufig der Sonne ausgesetzt sind, muss Ihre Brille unbedingt einen hundertprozentigen UV-A- und UV-B-Schutz bieten. Das Gestell sollte aus Kunststoff sein und die Gläser aus bruchfestem Polycarbonat. Auch ein Rundum-Blendschutz ist sinnvoll, der vor allem Licht von oben gut abschotten soll. Dafür muss sich die Brille optimal an Ihre Kopfform anpassen und darf beim Laufen nicht wackeln. Ventilationsbohrungen in der Fassung oder in den Gläsern einiger Modelle sorgen für eine permanente Belüftung, führen die durch das Schwitzen entstehende Feuchtigkeit nach außen ab und verhindern so beschlagene Gläser. Auch spezielle Beschichtungen auf Sportbrillengläsern sorgen für klare Sicht.

WECHSELGLÄSER
„Die verschiedenen Farben der Gläser von Sportbrillen sind nicht etwa ein Mode-Gag“, erklärt der Hamburger Augenoptiker Udo Stehr, „sondern haben funktionelle Gründe.“ Allgemein gilt: Wenn man bei Tageslicht läuft, eignen sich neutrale Gläser, die den Lichteinfall dämpfen. Drehen Sie Ihre Runden meistens in der Dämmerung, sollten Sie sich für helle Gläser entscheiden (mehr zu den Tönungen der Gläser in der nebenstehenden Tabelle). Einige Hersteller bieten Modelle mit Wechselgläsern an. Dadurch bleiben Sie flexibel und können Ihre Brille mit wenigen Handgriffen umrüsten. Für eine gute Sportbrille muss man mindestens 50 Euro anlegen. Dazu kommen noch die Kosten für Zubehör wie Nackenband, Wechselgläser, Brillenschutz-Etui sowie für das Einschleifen Ihrer Korrekturstärke.


UNSICHTBARE SEHHILFEN
Sollten Sie sich nicht mit einer Brille beim Laufen anfreunden können, bieten sich Kontaktlinsen an. Die kleinen, fast unsichtbaren Kunststoffschalen, die auf der Tränenflüssigkeit der Hornhaut schwimmen, haben – neben dem fehlenden Gestell – noch weitere Vorteile gegen-über einer Brille: Sie beschlagen nicht, schränken das Gesichtsfeld nach außen nicht ein und ermöglichen insgesamt eine bessere Sehleistung. Nachteile der Linsen: Das Handling ist nicht ganz einfach, sie können beim Laufen verrutschen oder rausfallen und bei zu langem Tragen trockene Augen verursachen.


FORMSTABIL ODER WEICH?
Während weiche Kontaktlinsen in der Anfangszeit meistens besser vertragen werden, sind formstabile Linsen langfristig besser für die Augen. Gerade bei trockener Umgebung sind weiche Schalen ungünstig, weil sie Schadstoffe aus der Luft aufsaugen, die sich im Linsenmaterial anreichern und irgendwann an das Auge abgegeben werden können. Mögliche Folgen sind gerötete und gereizte Augen oder Allergien. Daher sollten Sie weiche Kontaktlinsen immer sorgfältig pflegen oder besser gleich zu Einmal-Linsen greifen: Man setzt jeweils vor dem Lauf ein neues Paar ein und schmeißt sie danach weg. Im Internet findet man solche Tages-linsen schon für deutlich unter einem Euro pro Stück. Wesentlich teurer sind sogenannte
orthokeratologische Linsen, die nur nachts getragen werden. Durch sanften Druck sollen sie die Hornhaut so verändern, dass die Fehlsichtigkeit sozusagen im Schlaf ausgeglichen wird. Im besten Fall benötigen Sie dann am Tag gar keine Sehhilfe mehr. Der Effekt hält etwa 16 Stunden an. Ob formstabile, weiche, Tages- oder Über-Nacht-Linsen: Verwenden Sie Linsen nur nach Rücksprache mit Ihrem Augenarzt oder Optiker und lassen Sie regelmäßig Ihre Sehschärfe kontrollieren.


OPERATION OHNE NAHT
Brille hin, Kontaktlinsen her – Sie möchten lieber ganz ohne Hilfsmittel laufen und trotzdem scharf sehen? Dann ist möglicherweise eine Operation der richtige Weg für Sie. Das Prinzip dieses nur wenige Minuten dauernden Eingriffs: Der Fehler im optischen System aufgrund -eines zu langen (Kurzsichtigkeit) oder zu kurzen (Weitsichtigkeit) Augapfels wird ausgeglichen, indem die Brechkraft der eigentlich gesunden Horn-haut operativ verändert wird. Für die OP
stehen heute verschiedene Verfahren zur
Ver-fügung. Weltweit am häufigsten wird die so-genannte Lasik-Methode eingesetzt. Dabei wird zunächst eine dünne Lamelle der Hornhaut eingeschnitten und wie ein Deckel zurückgeklappt. Anschließend verdampft der Arzt die freigelegte, nicht schmerzempfindliche tiefere Schicht der Hornhaut mit einem Laser. Zum Schluss klappt er den Hornhautlappen wieder zurück. Ein Vernähen ist nicht erforderlich, da das Scheibchen von selbst wieder auf der Hornhaut festklebt.


Den Durchblick behalten

Bild: pixelio.de / berwis

Durch eine Hornhaut-OP lassen sich Ihre Augen so korrigieren, dass die Altersweitsichtigkeit hinausgezögert wird, Sie also erst später oder nie eine Lesebrille benötigen werden.

BRILLE ADE – FÜR IMMER?
Die Wunde an Ihrer Hornhaut heilt in der Regel schnell ab, so dass Sie Ihr Training nach wenigen Tagen wieder aufnehmen können. Die Sehschärfe stabilisiert sich innerhalb von ein bis zwei Monaten nach dem Eingriff. Je geringer Ihre Fehlsichtigkeit vor der Operation war, desto besser stehen die Chancen, dass Sie nach der Lasik-OP keine Sehhilfe mehr benötigen. Darüber hinaus kann der Operateur Ihre Augen so korrigieren, dass eine Altersweitsichtigkeit hinausgezögert wird, Sie also erst später oder nie eine Lesebrille benötigen werden. Folgeschmerzen nach einer Lasik-OP kommen übrigens nur sehr selten vor. Auch unerwünschte Nebenwirkungen wie trockene Augen, Blendempfindlichkeit, Lichtverzerrungseffekte oder eine Restfehlsichtigkeit, die korrigiert werden muss, sind nicht häufig. Eine Voraussetzung für die Hornhaut-operation ist unter anderem, dass sich Ihre Sehstärke innerhalb des letzten Jahres nicht verschlechtert hat. Interessieren Sie sich für diese Art der Sehkorrektur, dann lassen Sie sich ausführlich bei Ihrem Augenarzt beraten. Der Eingriff kostet etwa 1000 bis 2000 Euro pro Auge und wird von den Krankenkassen nicht erstattet.


Text: Friedrich Wolf
Illustration: Brian Stauffer

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