Alex Hutchinsons Lauflabor

Sind Pacemaker nur Placebo?

Den meisten Elite-Athleten hilft es hinter einem Tempomacher zu laufen. Aber warum? Eine neue Studie untersuchte sowohl die physiologischen als auch die psychologischen Gründe.

Pacemaker bei Rennen

Das Laufen mit Tempomachern hat vor allem psychologische Vorteile.

Bild: iStockphoto.com / Dirima

Die meisten Top-Läufer bevorzugen es, hinter einem Tempomacher zu laufen statt sich selbst voranzutreiben. Es gibt dafür einige mögliche Gründe, wie beispielsweise die durch das Windschatten-Laufen eingesparte Energie oder die geringere geistige Anstrengung, da man sich selbst keine Gedanken über das Tempo machen muss. Doch eine neue Studie von französischen und tunesischen Forschern, die kürzlich im International Journal of Sports Physiology and Performance veröffentlicht wurde, deutet noch eine dritte Möglichkeit an – und zwar, dass alles auf einem Placebo-Effekt beruht. Der Artikel lautet tatsächlich „Tempomachen verbessert die 3.000-m-Laufleistung bei Elite-Athleten: Ist dies ein Placebo-Effekt?

Verschiedene Test mit und ohne Tempomacher

An der Studie nahmen 10 Mitglieder des tunesischen Leichtathletik-Nationalteams teil, die jeweils zwei 3.000-Meter-Zeitrennen absolvieren mussten. Im ersten Rennen liefen sie bis 2.000 Meter hinter einem Tempomacher; das zweite Rennen hingegen liefen sie ohne Tempomacher. Beide Läufe sollten sie die ersten 2.000 Meter in gleichmäßigem Tempo bei 95 bis 100 % der maximalen aeroben Geschwindigkeit laufen und dann auf den letzten 1.000 Metern so schnell wie möglich finishen. Während des Rennens ohne Zugläufer teilten ihnen Zeitnehmer alle 100 Meter mit, ob sie ihr Tempo hielten oder beschleunigen bzw. langsamer werden mussten.

Wenn der primäre physiologische Effekt des Tempomachens wirklich der Luftwiderstand ist, würde man eigentlich erwarten, dass die Läufer hinter den Pacemakern während der ersten 2.000 Meter weniger Energie aufbringen mussten. Stattdessen hat sich der Sauerstoffverbrauch (von tragbaren Analysatoren gemessen) in beiden Rennen nicht bedeutsam unterschieden. Dennoch finishten die Läufer die Rennen mit Tempomacher viel schneller (9:04 min gegenüber 9:13 min), und dies sogar mit einer niedrigeren wahrgenommenen Anstrengung (16.1 gegen 13.1 auf einer 20-Punkte-Skala) und (unglaublich) niedrigen Laktatwerten.

Laufen mit Pacemakern: Einsparen von geistiger Anstrengung

Also, was geschieht hier? Wie ich oben schon erwähnt habe, schließen die Forscher daraus, dass die Vorteile eher psychologischer als physiologischer Natur sind, da sie keine signifikanten Unterschiede im Sauerstoffverbrauch feststellen konnten. Ich bin nicht 100 Prozent davon überzeugt, dass bei genauerer Betrachtung (z.B. mit mehr Teilnehmern) nicht doch mehr physiologische Vorteile des Zuglaufens aufgetaucht wären, aber glaube durchaus, dass die größeren Effekte unabhängig vom Luftwiderstand sind. Das bedeutet dennoch nicht unbedingt, dass es einen Placebo-Effekt gibt. Es ist mental belastend, ein hohes Tempo zu kontrollieren und aufrechtzuerhalten; das Einsparen von geistiger Anstrengung hilft am Ende des Rennens noch einmal mehr Energie aufzubringen. Subjektiv war dies für mich immer der größte Vorteil des Laufens hinter einem Tempomacher oder in einer Gruppe - außer an windigen Tagen, wenn der Luftwiderstand eine besonders große Rolle spielte.

Es macht einen entscheidenden Unterschied, ob man die Vorteile des Zuglaufens einem „Placebo-Effekt“ zuordnet (oder sagt, sie seien „psychologisch“) oder die Vorteile in der geringeren geistigen Erschöpfung sieht. Im ersten Fall ist alles, was man braucht, ein Umdenken, um an der Spitze zu laufen und trotzdem so effizient wie seine Verfolger zu sein. Im letzteren Fall hingegen, ist geistige Erschöpfung selbst ein echtes „physiologisches“ Phänomen und ein unvermeidlicher Nachteil für den Frontläufer im Vergleich zu seinen Verfolgern. Diese Studie unterscheidet nicht zwischen diesen zwei Möglichkeiten – aber ich vermute, dass geistige Erschöpfung tatsächlich eine große Rolle spielt.

Nun ja, vielleicht ist der Nachteil nicht „unvermeidlich“. Es kann Situationen geben, wo das Laufen an der Spitze psychologisch weniger ermüdend ist. Zum Beispiel laufen Hindernisläufer gerne ganz vorne, damit sie die Hindernisse besser sehen können; das Laufen in der Gruppe während eines Hindernisrennens kann größere geistige Erschöpfung erzeugen, da ständige Aufmerksamkeit gefordert ist, um im Gedränge jedes einzelne Hindernis fixieren und anlaufen zu können. Dasselbe kann sogar während eines flachen Rennens passieren, wenn die Gruppe eng zusammen läuft und das Gedränge groß ist. Zudem haben Frontläufer auch den Vorteil, zu wissen, was als nächstes passiert, wenn sie das Tempo anziehen oder verringern. Diese Tempowechsel können für die Verfolger geistig sehr ermüdend sein, da sie immer versuchen werden, dranzubleiben und auf plötzliche Veränderungen zu reagieren.

Aber im klassischen Fall von zwei ebenbürtigen Läufern, die in einem relativ gleichmäßigen Tempo laufen, sollte derjenige, der hinten läuft, eher in der Lage sein zu entspannen und dadurch einige geistige Ressourcen zu erhalten.

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