Alex Hutchinsons Lauflabor

Schwerere Läufer haben mehr Probleme mit Minimalschuhen

Das Körpergewicht beeinflusst entscheidend das Verletzungsrisiko in Minimal-Laufschuhen.

Schuh

Um das Verletzungsrisiko beim Laufen möglichst gering zu halten ist ein gutes Schuhwerk unabdingbar.

Bild: Norbert Wilhelmi

Ich bin gerade in Boston zum jährlichen Meeting des American College of Sports Medicine, ein wirklich absolut gelungenes Treffen für alle, die sich für Sportwissenschaft interessieren. Einer der Vorträge behandelte die Rolle des Körpergewichts beim Verletzungsrisiko während der Umstellung von normalen Laufschuhen auf Minimal- oder so genannte Barfuß-Laufschuhe.

An dieser Studie von Joel Fuller und seinen Kollegen von der University of South Australia waren insgesamt 61 gut trainierte Läufer beteiligt, die im Durchschnitt etwa 25 Kilometer pro Woche liefen. Alle waren Fersenläufer und liefen bis dahin in „konventionellen“ Laufschuhen. Die eine Hälfte sollte nun in einem Minimal-Schuh trainieren (Asics Piranha) und der Rest sollte auf einen herkömmlichen Schuh (Asics Gel Cumulus) umstellen.

Die Läufer wurden angewiesen, die Umstellung nach und nach über 26 Wochen vorzunehmen und dabei darauf zu achten, ihre wöchentliche Laufleistung in den neuen Schuhen nicht um mehr als 5 Prozent zu erhöhen. Jede Woche wurden die Schmerzen in den verschiedenen Körperteilen, sowie Verletzungen, die eine medizinische Betreuung oder eine eingeschränkte Laufleistung zur Folge hatten, festgehalten.

Minimalschuhe alleine beeinflussen das Verletzungsrisiko nicht

Betrachtet man allein den Schuh-Typ, gab es keinen signifikanten Unterschied in der Verletzungsrate (11 Läufer verletzten sich in konventionellen Schuhen, 16 in Minimal-Schuhen). Ebenso gab es keinen signifikanten Effekt durch das Körpergewicht an sich.

Aber wenn man Schuh-Typ und Gewicht miteinander kombinierte, entstand ein sehr interessantes Muster. Das Durchschnittsgewicht der Läufer betrug 75 Kilo; für Läufer, die etwa 10 Kilo schwerer als der Durchschnitt waren, war das Verletzungsrisiko in Minimal-Schuhen mehr als viermal so hoch wie in konventionellen Laufschuhen. Mit anderen Worten, schwerere Läufer haben mehr Probleme mit minimalistischen Laufschuhen (oder sie brauchten vielleicht mehr Zeit, um sich umzustellen).

Eine der Fragen, die nach der Präsentation aufkam, war, ob dabei noch weitere Details zum Gewicht wichtig sind: Sind es vor allem übergewichtige Menschen, die mit Minimalschuhen zu kämpfen haben, oder zum Beispiel auch Menschen, die aufgrund ihrer Größe schwerer sind?

Als die Forscher mit dem Body-Mass-Index (BMI) anstelle des Gewichts nach erkennbaren Effekten suchten, konnten sie keine signifikanten Unterschiede zwischen den Verletzungsraten finden. Das deutet darauf hin, dass nicht der „Bierbauch“ das Problem ist, sondern das Gewicht selber (auch wenn das Gewicht von der Größe her rührt). Es erzeugt höhere Aufprallkräfte und macht so die Umstellung auf ein Minimal-Schuhwerk ein wenig riskanter.

Das letzte Wort zum Thema Minimalschuhe ist noch nicht gesprochen

Es ist zu erwähnen, dass die Studie sehr klein war. Insbesondere, wenn man beginnt, Untergruppen nach Gewicht einzuteilen, würde ich zögern zu sagen, dass dies das letzte Wort zu diesem Thema war. Aber die Ergebnisse sind im Einklang mit dem, was ich von den Leuten aus Laufgeschäften gehört habe. Diese berichten auch von Läufern, die sich mit leichteren Schuhen schwerer taten.

Und natürlich bedeutet das nicht, dass schwere Menschen nicht in Minimal-Schuhen laufen können. Es gibt aber Grund zur Vorsicht und vielleicht auch dafür, sich ein wenig mehr Zeit zu nehmen, wenn man den Schuhtypus wechselt, um dem Körper zu ermöglichen, sich an das neue Bewegungsmuster anzupassen.

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