Gen-Veränderung durch Laufen

Schon kurzes Training verändert die DNA

Bereits eine kurze Zeit Laufen, Joggen oder anderer Sport verändert unser Erbgut und löst Genblockaden in den Muskelzellen.

Gen-Veränderung durch Laufen

Intensive Bewegung bewirkt das Lösen blockierender Anlagerungen an der DNA der Muskeln.

Bild: iStockphoto.com / Emilia Szymanek

Intensive Bewegung bewirkt das Lösen blockierender Anlagerungen an der DNA der Muskeln, wodurch mehr Gene abgelesen werden können als vorher. Dies hat ein internationales Forscherteam bei Tests an 14 Frauen und Männern herausgefunden.

Den eher unsportlichen Probanden wurde jeweils vor und nach dem Training eine Muskelprobe entnommen, die dann auf Veränderungen getestet wurde. Sie stellten fest, dass bereits nach kurzer sportlicher Aktivität Gene, die in der Muskelzelle blockiert waren, freigesetzt wurden. Dieser Effekt sei nicht dauerhaft, könne jedoch erklären, warum gerade regelmäßiger Sport das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere Krankheiten senke, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Cell Metabolism“.

Die DNA-Blockaden sind sogenannte Kohlenwasserstoffgruppen, die sich an das Erbgut anhängen und dadurch die Ablesung der Gene verhindern. Bisher hat man angenommen, dass sie stabil seien und sich nicht kurzzeitig verändern ließen. „Unser Ergebnis liefert nun Belege dafür, dass diese Muster im Genom weitaus veränderlicher sind als bisher angenommen“, schreibt Romain Barrés von der Universität Kopenhagen. Bereits wenig Sport hilft, diese Ablagerungen am Erbgut zu entfernen, denn die Muskeln passen sich dem an, was man tut. "Wenn man sie nicht gebraucht, verliert man sie - und das ist einer der Mechanismen, die dies möglich machen", betont Juleen Zierath, die Studienleiterin am Karolinska Institut in Stockholm. Dabei entfernte das Sporttraining vor allem die DNA-Anhänge, die zuvor Gene des Stoffwechsels blockierten.

Interessanterweise konnte der gleiche Effekt im Labor erzielt werden, indem isolierte Muskelzellen mit Koffein in Berührung gebracht wurden. „Offenbar imitiert das anregend wirkende Koffein den Effekt der sporttypischen Muskelkontraktionen“, vermutet Zierath. Allerdings bedeute dies nicht, dass man zukünftig statt zu trainieren einfach eine Tasse Kaffee trinken müsse. Denn es gäbe bisher keine klaren Beweise dafür, dass Koffein dieselben gesundheitlichen Vorteile wie Sport besäße.

"Bewegung ist Medizin, und es scheint, dass wir am Sport nicht vorbeikommen, wenn wir unsere Epigenome für eine bessere Gesundheit verändern wollen", so Professor Zierath.