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Schmerzmittel-Doping beim Marathon

Marathonläufer und Freizeitsportler riskieren durch den Konsum von Schmerzmitteln gefährliche Nebenwirkungen. Darauf wies Schmerztherapeut Dr. Michael Küster auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag hin.

Schmerzmittel-Doping beim Marathon

Freizeitsportler müssen sich über die Risiken von Schmerzmitteln informieren.

Bild: iStockphoto.com / Magone

Regelmäßiger Sport und Bewegung sind wirksame Therapien bei Schmerzkranken. "Sport kann Schmerzen lindern und sogar die weitere Chronifizierung von Schmerzen aufhalten", erklärt Küster. Allerdings schlucken auch viele an sich gesunde Freizeitsportler vor einem Wettkampf Schmerzmittel, um Muskelkater und Gelenkschmerz zu verhindern. Dies kann fatale gesundheitliche Folgen haben, wie Umfragen und Untersuchungen beim Bonn-Marathon zeigen.

Im Jahr 2009 hat Küster erstmals die Teilnehmer des Bonner Marathons nach ihrem Schmerzmittelkonsum befragt. Jeder zweite Marathonläufer räumte ein, vor dem Start Schmerzmittel zu nehmen, um Muskel- und Gelenkschmerzen vorzubeugen, jedoch hatten nur wenige Starter bereits vor dem Start Schmerzen. In einer Folgestudie im Jahr 2010 wurden die Teilnehmer vor dem Lauf vor dem unkritischem Schmerzmittelkonsum vom Veranstalter gewarnt. Entsprechende Informationen wurden ihnen per Mail zugesandt. Gleichzeitig lief erneut eine Umfrage, an der sich 4.000 Sportler beteiligten. Dabei ging es nicht nur um den Medikamentenkonsum, sondern auch um dessen Folgen.

Das ernüchternde Ergebnis: "Am Einnahmeverhalten hat sich praktisch nichts geändert", stellt Küster fest, "die Warnungen sind quasi verpufft." Mehr als die Hälfte der Sportler, die Schmerzmittel genommen hatten, litten unter Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich und an den Nieren. "Blutiger Urin, blutiger Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Herz-Kreislauf-Probleme", resümiert Küster. Einige Läufer erlitten ein akutes Nierenversagen, andere einen Herzinfarkt oder blutende Magengeschwüre in den ersten Stunden nach Beenden des Marathons.

"Freizeitsportler müssen über diese Risiken weiter aufgeklärt werden", fordert Küster, der folgende Tipps für Freizeitläufer formuliert:

  • Wer schon vor dem Lauf unter starken Gelenkschmerzen leidet, sollte nicht mitlaufen.
  • Schmerzmittel, die vor oder während dem Lauf eingenommen werden, schaden mehr als sie nutzen.
  • Schmerzmittel sollten, wenn überhaupt, erst nach dem Lauf eingenommen werden und erst dann, wenn der Kreislauf zur Ruhe gekommen ist und der Läufer ausreichend Flüssigkeit getrunken hat.
  • Isotone Lösungen, die ein Gramm Kochsalz pro Liter enthalten, können Probleme mit Herz, Kreislauf und Nieren vermeiden.
  • Wichtig ist eine gründliche Vorbereitung und ein guter sportmedizinischer Check. Wer plant, an einem Marathon teilzunehmen, sollte sich darauf ein Jahr lang vorbereiten und nicht einfach drauflos laufen. Regelmäßiges Training lässt die Schmerzschwelle steigen.


Quelle: PM 15.03.2012, Informationsdienst Wissenschaft