Alex Hutchinsons Lauflabor

Neue Beweise: Laufen schadet den Knien nicht

Knieschmerzen sind bei Läufern deutlich weniger wahrscheinlich als bei Nichtläufern. Das zeigt eine neue Studie mit 2.637 Probanden.

Laufen schadet den Knien nicht

Laufen schadet den Knien nicht.

Bild: iStockphoto.com / Wavebreakmedia

Die Tatsache, dass Laufen die Knie nicht zerstört, wird hartnäckig von Nichtläufern bezweifelt. Dabei gab es bereits einige Studien, die Gruppen von Läufern über viele Jahrzehnte untersucht hatten und schließlich zum Schluss kamen, dass sie weniger anfällig für Osteoarthritis als vergleichbare Gruppen von Nichtläufer waren.

Jedoch haben diese Studien einen potenziellen Makel: Eine Personengruppe zu untersuchen, die sich dazu entschieden hat zu laufen, führt zu einer künstlich gesunden Läufergruppe, da diejenigen, deren Knie den Belastungen nicht gewachsen sind eher aufgeben und wohl kaum einem Laufverein beitreten.

Ein neuer Artikel im Arthritis Care & Research, veröffentlicht von einem Forscherteam unter der Leitung von Grace Lo vom Baylor College of Medicine, präsentiert Daten aus einer Langzeitstudie, der sogenannten Osteoarthritis Initiative. Die Befunde bieten eine interessante Einsicht in die Zusammenhänge zwischen Laufen und Knieosteoarthritis.

Die Untersuchung bezieht sich auf Personen, die keine explizite Beziehung zum Laufen haben, mit dem Ziel sie über viele Jahre hinweg zu begleiten und zu beurteilen, wer von ihnen Arthrose entwickelt und wer nicht, um dann herauszufinden, welche Faktoren eine Rolle spielen. Die aktuelle Studie betrachtet 2.637 Probanden, welche medizinische Untersuchungen durchliefen, inklusive Knieröntgen und einem detaillierten Fragebogen über die Bewegungsgewohnheiten in ihrem bisherigen Leben.

Von allen Probanden berichteten nur knapp 30 Prozent, an einem Punkt in ihrem Leben regelmäßig gelaufen zu sein. Das Hauptresultat ist, dass es bei denjenigen, die zeitweiliges Lauftraining angegeben hatten, weniger wahrscheinlich war, dass sie sich über regelmäßige Knieschmerzen beklagten, eine Osteoarthritis in den Knien nachgewiesen werden konnte oder sie Arthrose-Symptome im Vergleich zu Nichtläufern hatten.

Auch ehemalige Läufer haben weniger Knieschmerzen

Entscheidend ist dabei, dass nicht nur jetzige Läufer davon verschont blieben. Sogar Probanden, die nur zu einem Zeitpunkt in der Vergangenheit gelaufen sind, hatten weniger Knieschmerzen. Das ist das Gegenteil von dem, was man erwarten würde, wenn Leute mit dem Laufen aufhören, im Glauben es schade ihren Knien.

Hier die Daten zu „regelmäßigen Kniebeschwerden“, welche entweder durch Schmerz oder Steifheit in und um das Knie herum, an mehr als 14 Tagen eines Monats in den letzten 12 Monaten, definiert wurden. Die Zahlen sind relativ zur Kontrollgruppe der Nichtläufer. "100 Prozent" bedeutet „genauso wahrscheinlich Kniebeschwerden zu haben wie Nichtläufer“ und niedrigere Zahlen bedeuten, dass die Läufer sich mit niedrigerer Wahrscheinlichkeit über Knieschmerzen beklagten.

Bild: RUNNER'S WORLD

Probanden, die früher liefen, waren zu 18 Prozent weniger anfällig für Kniebeschwerden, während die aktuellen Läufer zu 24 Prozent weniger anfällig waren. Diese Angaben wurden angepasst, um die Unterschiede des Alters, Body Mass Index (BMI) und anderer Faktoren zu kompensieren. Ohne diese Justierung war es bei gegenwärtigen Läufern sogar 29 Prozent weniger wahrscheinlich, dass sie Knieprobleme hatten. Der Grund dafür ist, dass Läufer meistens leichter als Nichtläufer sind. Den BMI also „gleichzusetzen“, unterschätzt die Vorteile des Laufens.

Es gab ähnliche Resultate bei den Röntgenbeweisen für Knieabnutzung und beim Auftreten von symptomatischer Osteoarthritis: Irgendwann mal laufen gegangen zu sein, ist besser als nichts. Aktuell zu laufen, ist jedoch das Allerbeste.

Da es sich hier um eine Beobachtungsstudie handelt, mit Daten, die zu einem bestimmten Zeitpunkt erhoben wurden, sind die Autoren sehr vorsichtig, Schlussfolgerungen darüber zu ziehen, ob Laufen faktisch bei der Reduzierung des Osteoarthritisrisikos hilft. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage, dass es in der Tat helfen könnte. In erster Linie hilft es den BMI niedrig zu halten, aber möglicherweise auch durch andere Mechanismen wie die entzündungshemmende Wirkung des Lauftrainings.

Ein Detail, das vielleicht noch hervorzuheben ist: Dies bedeutet nicht, dass Laufen immun gegen Kniebeschwerden macht. Alles in allem berichteten 33 Prozent der Läufer von regelmäßigen Knieschmerzen. Das Durchschnittsalter in der Studie betrug 64,3 Jahre, also ist die Häufigkeit von Kniebeschwerden offensichtlich größer als beispielsweise bei Studenten. Jedoch berichteten die Nichtläufer öfter von regelmäßigen Knieschmerzen, insgesamt 41,1 Prozent.

Das ist es, was den Mythos „Laufen ruiniert die Knie“ weiterleben lässt: In einem bestimmten Alter kennt jeder jemanden, der früher mal laufen gegangen ist, aufgrund seiner Knieprobleme jedoch aufhören musste. Das ist schlimm, aber es bedeutet nicht, dass das Laufen der Grund war. Wenn man sich umschaut und seine nicht laufenden gleichaltrigen Freunde betrachtet, findet man - und das belegen auch andere Studien - einige Personen mehr mit schmerzenden Knien.