Usain Bolt

Mit weniger Schritten leichtfüßiger zum Olympia-Sieg

Usain Bolt, der schnellste Mann der Welt, benötigt weniger Schritte als seine Konkurrenten, um ans Ziel zu gelangen.

Usain Bolt mit dem Puma Faas 500

Usain Bolt

Bild: Puma

Der schnellste Mann der Welt Usain Bolt verdankt seinen Olympia-Sieg auch seiner Körperstatur. Der Ausnahmesprinter benötigt für den 100-Meter-Lauf weniger Schritte als seine Konkurrenten und gelangt dank einer verminderten „Steifigkeit“ seiner Bewegung leichtfüßiger ans Ziel, berichten Sportmediziner in der Fachzeitschrift „International Journal of Sports Medicine“ (Georg Thieme Verlag, 2012).

Mit 196 cm ist Usain Bolt der bisher größte Weltrekordhalter im 100-Meter-Sprint. Für den 100-Meter-Lauf benötigt Bolt im Durchschnitt nur 41 Schritte. Die nächstschnellsten Männer der Leichtathletik-Weltmeisterschaft von 2009 Tyson Gay und Asafa Powell brauchten vier Schritte mehr. Für Professor Ralph Beneke von der Philipps-Universität Marburg und Dr. Matthew Taylor von der University of Essex in England ist die ungewöhnliche Körperstatur eines der Geheimnisse des Ausnahmesprinters Usain Bolt. In einem mathematischen Modell haben sie die Biodynamik der drei Weltklasseläufer Bolt, Gay und Powell ausgerechnet. Sie stützen sich dabei auf Video-Teilzeitmessungen.

Danach erreichte Bolt auf dem Abschnitt zwischen 60 bis 80 Metern eine Schrittfrequenz von 4,49 pro Sekunde, deutlich weniger als Gay und Powell, die pro Sekunde 4,96 und 4,74 Mal den Boden berührten. Bolt berührt zwar seltener den Boden, jeder Bodenkontakt dauert jedoch länger als bei seinen Konkurrenten, nämlich 91 Millisekunden gegenüber 70 bei Gay und 80 bei Powell. Da außerdem der Körperschwerpunkt bei jedem Laufschritt deutlicher sinkt, Bolt ist ja größer als seine Konkurrenten, erreicht der Ausnahmesprinter nach einem Feder-Masse-Modell, das Beneke und Taylor ihren Berechnungen zugrunde legen, eine deutlich geringere „vertikale Steifigkeit“ (vertical stiffness) von 355,8 Kilonewton pro Meter gegenüber 541,8 und 457,0 Kilonewton pro Meter. Mit anderen Worten: Mit der gleichen Kraft wie seine Konkurrenten kann Bolt den Körper bei jedem Schritt weiter voran bringen. Auch Bolts größere Beinlänge führt dazu, dass seine „Beinsteifigkeit“ mit 21,0 Kilonewton pro Meter geringer ist als bei Gay (31,0) und Powell (28,4).

Letztlich sind dies nur Modellberechnungen, schreiben die beiden Forscher. Am liebsten würden sie direkte Messungen an den Athleten durchführen. Die Chance, dass sie die Weltklasseläufer bei einem Wettbewerb verkabeln dürfen, schätzen sie allerdings als gering ein.