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Mentale und physische Effekte von Eisbädern

Eine neue Studie untersucht die mentalen und physischen Effekte von Kühlbädern nach dem Training. Die richtige Einstellung ist dabei von Bedeutung.

Lauflabor: Mentale und physische Effekte von Eisbädern

Eis ins Wasser nach dem Training hilft bei der Regeneration. Noch mehr, wenn Sie daran glauben.

Bild: iStockphoto.com / Valentyn Volkov

Funktionieren Eisbäder? Es gibt zu diesem Thema viele Studien mit widersprüchlichen und verwirrenden Ergebnissen - vielleicht, weil sie auf verschiedenen Wassertemperaturen, unterschiedlichen Wirkungszeiten, Studienprotokollen und anderen Erfolgsdefinitionen basieren. Momentan neige ich dazu, die meisten von ihnen zu ignorieren, weil sie mich nur verwirren. Allerdings fand ich eine Studie von Forschern aus Großbritannien und Schweden sehr interessant, die gerade online in der Zeitschrift British Journal of Sports Medicine veröffentlicht wurde.

Die grundlegende Struktur der Studie war ziemlich normal. Ein Dutzend hochklassiger Rugby-Spieler nahm an drei separaten Trainingseinheiten mit hohen Intensitäten in drei verschiedenen Wochen teil; nach jedem Training absolvierten sie ein anderes Erholungsprotokoll (15 Minuten Eintauchen in 14 °C kaltes Wasser, 15 Minuten in 30 °C warmes Wasser oder ein Kontrolldurchgang ohne Eintauchen). Einen Tag später machten sie einen Sprint-Test (5 x 40 m), um zu sehen, wie gut sie ihre Höchstgeschwindigkeit über die fünf Sprints aufrechterhalten konnten.

Hier zeigt die Messung der Kernkörpertemperatur das wenig überraschende Ergebnis, dass Eisbäder abkühlen.

Bild: runnersworld.com

Also, und wie steht's nun mit den Leistungen im Sprint-Test? Auf dem unteren Bild ist das Ergebnis zu sehen: Tatsächlich war die Kaltwasser-Gruppe (CWI) im Stande, ihre Leistungen am besten aufrechtzuerhalten. Doch seltsamerweise schlug sich die Warmwasser-Gruppe (WWI) auch besser als die Kontrollgruppe (CON). Ist das nun ein Zeichen, dass Wasser an sich schon heilsame Eigenschaften hat - oder dass jede Art von spezieller Regenerationsaktivität dazu beiträgt, sich selbst glauben zu machen, dass es der eigenen Leistungssteigerung hilft – quasi eine sich selbst erfüllende Prophezeiung?

Leistungsfähigkeit

Bild: runnersworld.com

CWI: Kaltwasser-Gruppe
WWI: Warmwasser-Gruppe
CON: Kontrollgruppe

Hier beginnt der wirklich interessante Teil der Analyse. Denn man kann die Ergebnisse aus einer rein physiologischen Perspektive untersuchen: Wie stark ist die Wechselbeziehung zwischen dem prozentualen Rückgang der Körpertemperatur während des Erholungsprotokolls und der anschließenden Sprint-Leistung? Der Korrelationskoeffizient ist 0,6948 (eine perfekte Korrelation wäre 1 ).

Doch man kann dies auch aus einer rein psychologischen Sicht betrachten: Die Korrelation zwischen der subjektiven Bewertung der Probanden vom Effekt der Regenerationsmaßnahme (sie sollten sofort nach dem Eisbad seine Wirkung auf einer Skala 1-5 abschätzen) und der nachfolgenden Sprint-Leistung war ganz ähnlich: 0,5886. Mit anderen Worten: Allein schon das Befragen der Athleten, was sie vom Eisbad halten, ist fast genauso wirksam wie die Messung der Körpertemperaturveränderung, um vorauszusagen, welchen Nutzen die Kühlung für sie haben wird.

Aber die beste Wechselwirkung von allen entsteht, wenn man sowohl die physiologischen als auch psychologischen Maßnahmen miteinander kombiniert. Dann wird eine Korrelation von 0,7743 erzeugt. Die Schlussfolgerung: Athleten, die durch ein Eisbad effektiv abgekühlt werden und zusätzlich glauben, dass die Kühlung hilfreich ist, werden höchstwahrscheinlich einen Vorteil haben. Letztendlich ist das nicht nur bei Eisbädern so: Fast alles, was Athleten für die Regeneration (und vielleicht auch für das Training) tun, resultiert wahrscheinlich aus der Verbindung von physiologischen und psychologischen Faktoren.

Dies hat einige ziemlich wichtige Konsequenzen. Zum Beispiel erwähnen die Autoren eine frühere Studie, die feststellte, dass Eisbäder die Regenation eher behindert – nicht zufällig wurden in dieser Untersuchung die negativen Effekte mit einer negativen subjektiven Meinung über die Wirksamkeit von Eisbädern verknüpft. Ebenso fand vor ein paar Jahren eine Studie über Kompressionsbekleidung heraus, dass die Bekleidung den Läufern half, die schon vor Studienbeginn glaubten, dass sie hilfreich wäre und diejenigen behinderte, die meinten, dass sie nicht helfen würde. Ich erwarte, dass noch mehr Studien dieser Art folgen werden, in denen auch subjektive Eindrücke untersucht werden, um zu überprüfen, ob sie die physiologische Wirksamkeit stören oder zumindest verdunkeln.

Aber ich schätze, die wichtigste Nachricht von allen ist, dass, was auch immer Sie im Training tun, Sie es aus vollster Überzeugung machen und dabei jeglichen Zweifel unterdrücken sollten!

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